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Vorrede
Allen und
etlichen gottfürchtigen und gutherzigen Liebhabern der christlichen
Wahrheit wünschen wir, die Gemeinde Christi zu Münster, Vermehrung göttlicher
Gnade und
Frieden durch Christum, unserem und aller Welt einigen
HERRN und Heiland, Amen. Derweil uns nun der allmächtige ewige Gott
umfassend in Vielem und mancherlei, um seines heiligen Wortes willen, hat
versuchen lassen, jedoch geschafft, dass trotz der Versuchungen die
heilsame Wissenschaft seines Willens und gnädigen Gunsten uns gegenüber,
durch Unterweisung seines heiligen Wortes, bei uns ja mehr und mehr
zugenommen hat, dazu auch gemacht, nicht alleine, dass wir solche
Versuchungen ertragen haben, sondern auch, dass wir lustig und gutwillig
sind ( kennt Gott ), allerlei Versuchungen, Leiden und Trübsal um seiner
tröstlichen Zusage willen fortan auf uns zu nehmen und seine Hilfe zu
erwarten, ja dass wir frei und getrost mit Paulo sprechen dürfen, Rö.
8 ( 38 ) dass uns weder Tod noch Leben etc. von seiner Liebe zu
trennen vermag. Indem wir uns aber, liebe Brüder und gute Freunde, auf
Gottes unseres HERRN Wort übergeben haben und wagen dürfen und deswegen
versucht Worden sind, so hat er uns auch ganz gnädig und wunderlich aus
der Dunkelheit und Blindheit der babylonischen und antichristischen Gefängnisse
durch die Klarheit seiner Erkenntnisse erleuchtet und errettet. Also auch,
obschon wir die Zeit unseres Lebens in fleischlicher Gefangenschaft (
benouwinge ) liegen sollten, würde uns ein solches Gefängnis, wegen der
Freuden der herrlichen Erlösung zu der Freiheit Christi, nicht als Gefängnis
vorkommen. Denn wir wissen wohl, wem wir vertraut haben, dass er mächtig
ist, unser ihm anvertrautes Gut bis zu dem Tag, wenn er die Gefängnisse
Zions umkehren wird, zu bewahren, was 1.Tim. 1 wir dann
erwarten. Nun davon, was wir demnach von Gott unserem Herrn in Wissenheit,
2.Tim.1.12 Trost und Freuden erlangt haben. Ach wollte unser Gott, dass alle
Liebhaber der Wahrheit Ps 125 solches mit uns gemein haben möchten.
Denn die auf den Herrn vertrauen, sollen seines
Ps. 126, 1 Trostes nicht fehlen. Darum, wiewohl uns nicht möglich ist, alles
schriftlich mitzuteilen, haben wir es doch für gut angesehen, auch dass
es allen gottfürchtigen Liebhabern der Wahrheit nützlich und angenehm
sein sollte, dass wir etliche Stücke, christliche Lehre, Glauben und
Leben betreffend, in denen sonst viele gute, einfältige Herzen durch
Missverstand und anti christischen Verwüstungen umherirren, in Maßen der
uns von Gott gegebenen Gnaden, wo sie von Gottes Gnaden bei uns wieder in
einen gesunden, rechten Verstand gebracht worden sind, an den Tag geben
wollen, und das auf das Allereinfältigste. Denn wir möchten hiermit
nicht den Hochweisen dieser Welt, die geschmückte Rede suchen, sondern
den Einfältigen, die die schlichte Wahrheit lieb haben, dienen. Trotzdem
wäre es wohl unser Wunsch, dass beide, Gelehrte und Ungelehrte, auf die
schlichte Wahrheit sehen wollten und um derselben willen zum Preis Gottes,
und sich selber zugute, unseren Dienst sich gefallen lassen. Denn Gott ist
unser Zeuge, dass wir alles Tun und Lassen schlicht dahin richten, dass
wir zu Ehren Gottes und Verbreitung seiner Wahrheit allen dienen und nützlich
sein möchten. Hiervon diesmal genug. Nun weiter, liebe Freunde und Brüder,
von gegenwärtigem Traktat sollt ihr wissen, dass wir dasselbe eine
Restitution oder Wiederherstellung nennen, wie ihr im Titel lest. Das hat
folgende Ursache. Weil Gott bei uns all solche Stücke, die hierin
beschrieben sind, ohne alle menschliche Weisheit restituiert und auf das
Allerrichtigste gesetzt hat, die so hoch und tief eine lange Zeit
verfallen und verdüstert gewesen sind, dass mit rechtem Verstand von
niemandem daran gedacht werden mochte, obwohl von solchem Abfall, davon
hiernach auch folgen wird, die ganze Schrift klar genug bezeugt. Auch wenn
wir hierin etliche Stücke vortragen und erklären, soll niemand meinen,
dass diese allein verwüstet gewesen sind. Denn wir achten, dass diese am
meisten, richtig verstanden, zur Seligkeit dienen, auch Ursache sein mag,
vieles andere daraus richtig zu verstehen. So haben wir uns diese, mit der
wir die Restitution anweisen möchten, vorgenommen und erklärt. Von jedem
Stück schreiben wir ein eigenes Kapitel, alles, auf dass es die Einfältigen
desto besser begreifen mögen. Demnach endlich, liebe Brüder und Freunde,
tut doch die Augen eures Herzens auf, wendet sie ab von aller Schalkheit
und menschlicher Weisheit, werdet einfältig, im Anschauen allein des göttlichen
Willens und lass euch kein Gutdünken noch eitel Philosophie betrügen.
Denn so ihr die Wahrheit mit ganzem Herzen sucht, bittet Gott ( den wir
auch für euch alle bitten ), dass er euch seinen Geist sende, der euch in
alle Wahrheit leitet. AMEN.
Von dem greulichen Abfall
aller Dinge und Restitution derselben
Das erste
Kapitel
Angesehen, dass wir in diesem Traktat und Restitution etliche Stücke, die
eine lange Zeit verfallen und verwüstet gewesen sind, behandeln wollen,
wo dieselben bei uns durch Gottes Gnade wieder aufgerafft und restituiert
worden sind, so wollen wir vorab insgemein von dem greulichen Abfall aller
Dinge ein wenig sagen; und auch von der Restitution. Und dies, achten wir,
wird den Einfältigen nicht wenig Verstand geben. Denn so sie merken, wo
alle Dinge gefallen und verwüstet gewesen sind, desto leichter haben sie
es, zu begreifen, worin die Restitution geschehen muss und vonnöten ist.
Nun von dem Abfall, von dem sowohl Christus als auch die Apostel als von
dem gesagt haben, der unter dem Evangelium und unter der apostolischen,
heiligen Mat 24(11) Kirche
geschehen soll, wie es dann auf das greulichste leider geschehen ist.
2.Th
2(10) So befinden wir doch auch, dass von Anbeginn die alte
Schlange mittels der 1.Jo 2. menschlichen, fleischlichen
Lust allzeit danach gearbeitet und auch zuwege gebracht hat, dass Gottes
Wort und Ordnung bei den Menschen und Menschenkindern in einen Abfall und
Verwüstung verkehrt werden soll und worden ist. Jedoch von dem allmächtigen
Gott allzeit nach dem Abfall wieder aufgerichtet, das verfallen war und
geheilt, das zerbrochen war. Dann leider, so vaken und viel konnte der
allmögende Gott nicht heilen, ist es dann bei den Menschen allzeit wieder
verfallen und verdorben. Also auch, je höher Gott den Menschen in seinem
Wort aufgerichtet hat, je tiefer er gefallen ist, und dasselbe verkehrt
und verwüstet hat, wie es klar ist im letzten Abfall. Hiervon nun sowie
vom Anbeginn der Schöpfung des Menschen und was Gott mit demselben
angerichtet hat und ihm eine Ordnung und Gesetz gegeben, so wollen wir
bedenken, ist alle Schrift genugsam und reichlich Zeuge, wo der Abfall und
die Wiederaufrichtung gelaufen und geschehen sind. Also anfänglich in
Adam, wo Gott denselben im Paradies so herrlich gemacht hat, mit Gesetzen
und Ordnungen in Kraft seines Wortes gerüstet hat, so ist er doch durch
die alte Schlange und des 1.Mo 1.2.3. Fleisches Lust
betrogen worden und in den Abfall gekommen. Hat dazu nach Eingebung der
Schlange ( dann zu seinem Verderben ) Gottes Wort verleugnet und in sich
verwüsten lassen, denn er hat mehr geachtet, was ihm gelüstete, denn was
Gott geboten hatte. Dies ist der erste Abfall, in welchem der Mensch
verdorben und Gottes Wort verwüstet und zu einem Greuel gemacht worden
ist. Nicht dass Gottes Wort in sich ein Greuel ist, sondern dass dasselbe
Wort dem Menschen das Leben ist, wenn er sich daran hält und danach
schickt. Also muss sich der Mensch davor schrecken lassen und greueln,
wenn er dasselbige verachtet und übertritt, 1Jo (14) denn er
soll dadurch gerichtet werden am Jüngsten Tag. So nun der Mensch in
diesen Abfall gekommen ist, hat sich Gott des Menschen elenden Jammers
erbarmen lassen und hat ihn zur Buße und Reue, fortan nach seinem Willen
zu tun und auf seine Verheißungen zu achten, aufgerichtet und
gerestituiert. Hiervon lies im ersten Buch Mose von Anbeginn, so wirst du
das klar finden. Nun fort, als die Menschen und Menschenkinder von Gott
gerestituiert und 1.Mo 6.7. aufgerichtet worden sind,
geheiligt und genesen durch Gottes Wort, gelehrt durch Gottes
Geistesgerichte, Gottes Willen zu tun, und die, welche das getan haben,
sind Gottes Kinder genannt worden, so sind sie doch nicht beständig
geblieben. Vgl.Joh.1.12 Dann wiederum
durch Fleisches Lust in den Abfall gekommen, in welchem sie nicht alleine
Gottes Geistesgerichte beraubt sind, sondern auch zu solchem Greuel
gekommen, dass Gott die ganze Welt deswegen zur Strafe der Sünde vergehen
1.Mo 6.7.8. lassen musste. Jedoch wiederum den Abfall in
Noah gerestituiert und aufgerichtet. Genauso findest du noch mancherlei
Abfall und Restitution in der Schrift, die alle hier vorzuhalten zu lang wäre,
denn dies ist zur Anweisung geschehen. Nimm dir selbst zu Herzen und
bedenke den Ausgang, Lauf und Widerlauf Göttlichen Wortes. Wie von Noah
auf Abraham, von Abraham auf Moses, von Moses auf Christus etc., so wirst
du von der Sache ohne Zweifel guten Bericht kriegen. Auf dass wir diese
Sache zum endlichen Verstand bringen mögen, wollen wir noch kurz
zweierlei Abfälle, nämlich das Gesetz Moses´ und das Evangelium Jesu
Christi entdecken und anweisen. Als Gott, der Allmächtige und der groß
von Erbarmungen ist, sein Volk, Abrahams Ps 80(4) Geschlecht,
nun hinführen und ihm das gelobte Land ihrer Väter zum Besitz geben
wollte, hat er dasselbe Volk durch Moses, seinen Diener und Propheten, in
allen seinen Worten und Willen, Ordnungen und Gesetzen gelehrt und gerüstet,
und demselben ( seinem ) Volke zugesagt, wenn sie seiner Stimme Gehorsam
leisteten und in allen seinen Geboten wanderten, wollte er sie reichlich
segnen und an seinen 5.Mo 11(8) Bund ewig halten. Dann, es
hatte nicht helfen mögen, und es ist dasselbe Volk nicht allein in einen
Abfall gekommen, wiewohl dazwischen alle Zeit von Gott gnädiglich durch
seine Propheten aufgerichtet, vielmehr in all solchen Greuel und Verwüstung
gekommen, dass sie Gott, ihren HERRN und sein Wort ganz verachteten, seine
Propheten getötet und deshalb wiederum von ihm verachtet und verworfen
worden sind. Nichtsdestominder, so Gott alle Zeit geneigt gewesen ist, sie
aufzurichten, den Jes. 65 Abfall zu vergeben und seine gnädige
Hand darzureichen, also hat er es noch endlich in Christo, seinem Sohne,
erlaubt zu tun. Doch die Juden, die sich als Abrahams Kinder rühmen,
Gottes Wort und Gelöbnisse empfangen hatten, wovon sie abgetreten Joh
8.(23) und gefallen waren, wollten sich doch nicht aufrichten
lassen. So ist nun der Abfall unter dem Gesetz geschehen, von Zeiten zu
Zeiten, von Tagen zu Tagen ist Gottes Gesetz und Wort mittels menschlicher
Weisheit verfälscht, und Gottes Lehre mit und von Menschen Lehre ausgestoßen
und abgebracht worden. So, dass die Propheten Hos 4.(1ff) schreiben:
Es ist keine Gotteserkenntnis mehr auf Erden, das eine Blut hat das andere
gerührt. Als nun alles unter dem Gesetz verfallen gewesen ist und hat
unter dem Gesetz nicht genesen mögen noch aufgerichtet werden, wiewohl
Gott früh und spät seine Propheten sandte, so haben sie doch nicht hören
wollen, sondern dieselben bespottet Jer 7.(25) und
umgebracht. Also ist Gottes Wort und Wahrheit, davon die Juden abgefallen
waren, verachtet und verhasst worden. So mochte dennoch der ewige und
barmherzige Gott solchen Abfall nicht unrestituiert lassen, sondern hat
sein ewiges Wort, Weisheit und Kraft, ja seinen allerliebsten Sohn selber
Fleisch und Mensch werden lassen und ihn auf diese Erde gesandt, das
abgefallene und verlorene Volk und die verlorene und verachtete
Gotteserkenntnis wieder einzuführen, aufzurichten und zu restituieren.
Und nicht alleine das, sondern den Menschen noch höher aufzurichten und
zu erhöhen, als er vorher gewesen ist. Und also ist der Fall des Gesetzes
durch Christum restituiert worden, wie Christus selbst bezeugt. Mat
5.(17): „ Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin,
das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Von diesem genug.
Nun vom Abfall des Evangeliums unter Christo. Wir wissen, denken auch,
dass es jedem bewusst ist, dass in Christo alle Gotteserkenntnis
Kol 2. und Weisheit gelegen ist. Dass also auch diejenigen,
die ihn angenommen haben, Eph 1. durch ihn in Kraft
des Geistes auf das Höchste erhoben und wieder aufgerichtet worden sind.
Und es ist in Christo, was von Adam her verdorben und verfallen war, alles
miteinander wieder vergeben und restituiert worden. Ja, all so hat er die
Seinen erhoben, dass er sie, in aller Wahrheit unterrichtet, seine
Miterben und Brüder hat werden lassen. Sie also in sich geheilt und auf
die rechte Bahn aufgerichtet und heilsamen Wohlstand wieder eingeführt,
und wo vorher alle Abfälle von Gott gnädiglich restituiert worden sind,
nicht so vollkommen, ja das auch dem Gesetz gefehlt hat, sind fortan alle
Mängel oder Gebrechen in Christo vollmächtig, vorgantzet und vollkommen
restituiert worden. Wo nun in Christo also ein Wohlstand begonnen hat, und
durch ihn, was verfallen war, aufgerichtet worden ist, so hat es doch noch
keine Dauer gehabt, denn je höher Christus den Menschen erhoben und alles
wiederum in einen rechten Stand gebracht hat, desto viel tiefer ist der
Mensch verfallen und alles so viel greulicher verwüstet worden. Denn wir
befinden keinen Abfall, in welchem alle Gotteserkenntnis so sehr verdüstert
ist und alle Bosheit so sehr überhand genommen hat wie in diesem Abfall
und Greuel der Verwüstung unter Christo geschehen ist. Ja wir denken und
halten sicherlich dafür, das wohl beweisbar ist, dass keine Nation unter
der Sonne so greulich und unverschämt in allerlei Bosheit Gott verachte
und seine Früchte, wie es die sogenannten und vermeintlichen Christen
tun. Sieh an Türken, Juden, Saracenen und welches Volk du willst, so
sollst du nicht finden, dass bei denen alle Schande, Sünde und Bosheit so
frei sind, allerlei Betrug und Unreinheit so ehrlich sei und gehalten wird
wie bei den abgefallenen Christen. Und in Sonderheit, die sich doch am
meisten des christlichen Namens rühmen. Lass dir hier den Papst mit
seinen Scharen ein Exempel sein. Denn in diesem ist der rechte Abfall
geschehen und bei denselben wird der rechte Greuel der Verwüstung
gefunden. Wir haben bis hierher mancherlei Abfall kurz beschrieben,
vermuten auch, es sei nicht länger vonnöten gewesen, sonst hätten
wir von Gott wohl Gnade gehabt, noch mancherlei Grad des Abfalls und der
Restitution anzuweisen. Doch wir wollten gerne kurz sein und alle
Verdrotsamheit der Länge vermeiden. Aber hier, wenn dies der letzte
Abfall ist, und hiernach die ewige Restitution aller Dinge, die in Christo
begonnen hat, in herrlicher Kraft folgen soll, wovon alle Propheten und
auch die Apostel zeugen, wollen wir diesen Abfall ein wenig nach dem Grad,
wie er geschehen ist, anweisen. Auf dass wir desto bequemer die Zeit und
den Verstand der Restitution anweisen mögen. Demnach, so ist klar und
offenbar, dass Christus angefangen hat und zum Vollkommenen eingeführt
hat, wie seine Lehre und Ermahnungen genügend bezeugen. Denn er ermahnt
ja zur Vollkommenheit und spricht: „Werdet vollkommen“ etc. Und
wiederum: „Willst du Mat.5.(48) Vollkommen sein, so
geh hin und verkauf“ etc. Und er ermahnt nicht alleine zur
Vollkommenheit, 19.(21) denn obwohl er selber in Krankheit
des Fleisches draußen vor der Stadt, Heb.13. das ist in dem
Vorhof, gestorben ist, das Gesetz damit erfüllt und den Eingang zum
Heiligen Apg.1. geöffnet hat, wie vonnöten war, so hat er
doch die Seinen mit vollkommener Kraft angezogen und sie aus dem
herrlichen Heiligtum mit großen Wundern und mancherlei Kräften
hinausgehen lassen, wie dann die Werke und Schriften der Apostel genügend
bezeugen. Dies hat er zuerst seinen Jüngern getan, das ist, die in seiner
Lehre beständig blieben. Denn die erkennt er alleine für seine Jünger
an, als er sagt: „Dann seid ihr wahrhaftig Joh.15.(7f.) meine
Jünger, so ihr meine Rede haltet“. Demnach wäre auch die Gemeinde
Christi in solcher Kraft und Herrlichkeit wohl geblieben, wären sie
anders in seiner Lehre geblieben, denn als sie von seiner Lehre abgewichen
sind, so hat er auch seine herrliche Kraft wieder nach sich gezogen und
sie in den Lügen verweilen und Wurzeln schlagen lassen. Dies hatte
Christus wohl vorhergesehen, dass es so zugehen sollte. Paulus und die
anderen Apostel 2.Th.2.(10) haben’s auch wohl
gesehen. Denn Christus gibt solches zu verstehen, als er spricht
Mat.24.(15) „Wenn ihr den Greuel der Verwüstung
in der heiligen Stätte seht“ etc. Damit will er jemandem zu verstehen
geben, dass eine Verwüstung in der heiligen Stätte kommen würde. Paulus drückt dies noch klarer aus.
Apg.20.(28) Und spricht
zu den Häuptern und Vorstehern der Gemeinde Christi zu Ephesus: „Seht
euch wohl vor und die ganze Gemeinde“ etc. 2.Pe.2. „Denn
ich weiß, dass alsbald nach meinem Abscheiden werden reißende Wölfe
unter euch kommen, die die Herde nicht schonen werden“ etc. Noch klarer:
2.Th.2. weist er solches an. Nämlich, dass alle Dinge noch
zuschanden werden sollten und die Lügen für die Wahrheit angenommen, ehe
dann der Herr in seiner Herrlichkeit erscheinen sollte. Dies alles ist
davon gesagt, dass nach Christus’ Tod erst noch alle Dinge untergehen
und verfallen sollten, ehe dann gänzlich und endlich die Restitution
aller Dinge in Christo in herrlicher Kraft vollbracht werden sollte; es
war wohl begonnen, aber es musste verfallen, ehe es dann restituiert
werden mochte. Die Ursache warum weiß Gott, der alle Dinge mit Weisheit
ausführt, die Kinder zu schulen und lässt die Männer streiten. Nun auf
dass wir zum Ende kommen. Der Abfall von Christo unter dem Evangelium hat
seinen Ursprung ( wie auch sonst allzeit ) von menschlicher Vernunft,
Weisheit und Lustigkeit, so dass die Menschen mehr ihrer eigenen Weisheit
und Lust gefallen, als beständig bei der Lehre Christi zu bleiben.
Solches hat Paulus Kol.2.(8) beklagt und gesehen, dass damit
die Christen zum Fall gereizt würden. Und warnt sie derhalben 1.Ko.2.(14) samt den anderen Aposteln ganz ernstlich davor. Doch all dies
Warnen und Ermahnen hat nicht Tit.1.(10) geholfen, vielmehr
hat der Menschen Weisheit, Wohlmeinung und Lust überhand genommen, Mat.15.(24) die Lehre Christi ist für einen Spott gehalten worden, Gutdünken
und Glyssnerye haben das Jes.29.(9f.) Feld behalten und
deshalb ist die Christenheit in den Abgrund und den Greuel der Verwüstung
2.Th.2.(3) gefallen und da sie die Liebe zur
Wahrheit nicht annehmen wollten, hat Gott ihnen einen Gesetzlosen gesandt,
dass sie den Lügen mehr als der Wahrheit geglaubt haben. Nicht lange nach
der Auffahrt Christi und den Predigten der Apostel hat dieser Abfall
angefangen, denn, so wie sich die Apostel beklagen, ist es auch zu ihren
Zeiten mit ihren großen drôffnissen eingetreten, Php.3.(1,17) wie sich das besonders Paulus und
Johannes vernehmen lassen. Zuerst ist zur Apostel Zeit die 1.Jo.2.(26) Düsternis mit dem Licht riesig in Arbeit und Streit gewesen, hat
sich die antichristische Rotte 2.Pe.2.(1-22) heftig wider den Schäfchen Christi aufgerichtet. Dann, ungefähr
100 Jahre nach der Auffahrt, hat die Wahrheit weichen müssen und die Lügen
dann Platz behalten. Und wo Christus durch unwissende, arme, simple,
ungelehrte Fischer und Plumpe die Wahrheit ausbreitete, so hat die alte
Schlange durch die Hochweisen, Vernünftigen und Gelehrten dieser Welt der
Wahrheit Kraft und Schein verdunkelt, benommen und, unter dem Schein der
Weisheit auch der Heiligkeit, Gottes Weisheit und rechte Heiligkeit ganz
verdummt und verdüstert. Dies ist nicht zu einer Zeit durch einen
geschehen, sondern nach Verfolgung ist das eine Stück christlicher Lehre,
Lebens und Glaubens nach dem anderen verdüstert und verdorben worden.
Also dass wir in Wahrheit befinden, dass sich die Christenheit nach der
Apostel Zeit an die Gelehrten gehalten hat und daran gehôuedet, so dass
keiner von denselben gewesen ist, und das je länger je mehr, der nicht
von der Apostel Lehre abgetreten und gefallen sei. Und du befindest keinen
von denen, die man Scriptores ecclesiasticos nennt, die du frei,
ungezweifelt und mit Sicherheit lesen und aufnehmen magst. Es sei denn im
einen oder im anderen. So werden sie doch allzeit abtrünnig von der
rechten und gesunden Lehre Christi befunden. Und dies ohne Zweifel darum,
weil sie ihrer Gelehrtheit und Weisheit Preis und Ruhm gesucht haben, dass
schließlich auch die Christenheit dahin verfallen ist, dass alle Lehre
Christi verdüstert ist und alleine der Gelehrten, die man Theologen und
geistlichen Dekret nennt, Konzil und Gutdünken den Platz behalten haben.
All so sehr, dass ein arestotelischer und thomistischer Spitzfund mehr
gegolten hat, denn jenige Sprüche der heiligen Schrift haben gelten mögen.
Ja, man hat die Schrift überhaupt nicht geachtet. Dies halten wir für so
klar und offenbar, dass dies nicht nötig sei, mit vielen Zeugnissen zu
beweisen. Will jemand mehr Sicherheit haben, der lese der Gelehrten
Schrift nach der Apostel Zeit mit Namen: Lini, Clementis, Marcelli,
Dionisij, Tertuliani etc. von denen etliche zur Apostel Zeit, etliche kurz
danach gelebt haben, wie man in den Chroniken lesen mag, besonders in dem
Buch „De scriptoribus ecclesiasticis“. Bedenke nun auch des Papstes,
der der vermeintlichen Christenheit Haupt ist, desgleichen der Schulen,
die man Universitäten nennt, rechte Lehre und Weise, so soll dir diese
Sache ohne Zweifel klarer als die Sonne werden. Also ist die heilige
Christenheit, die durch den demütigen Christum und seine schlichten,
ungelehrten Apostel mit Rö.16. kräftiger Wahrheit aufgerichtet
war, durch der Gelehrten und Welt Weise unter fundischer Weisheit, die
Gottes Ruhm und Preis nicht gesucht haben, mehr sich selber, mit der Zeit
ganz abgeführt und abfällig geworden, und das in dem einen Stücke vor,
in dem anderen nach, so dass da nichts Gesundes in der ganzen Christenheit
übrig geblieben ist, mehr hat der Greuel der Verwüstung die heilige Stätte
ganz eingenommen und ist der Christenheit über das Haupt gewachsen. Denn
was die babylonische Hure mit ihrer vorgegebenen Weisheit, verfinsterter
Heiligkeit nicht hatte zuwege bringen können, die Christen zum Abfall zu
bewegen, dazu haben ihr dann die Fürsten der Erde mit ihrem Gebolze und
mit fleischlicher Gewalt verholfen. In summa all so sehr, dass nicht ein
Malteken rechter und gesunder christlicher Lehre, Glaubens und Lebens übrig geblieben
ist. Dies sei nun hier von dem Abfall genug. Nun wollen wir auch ein wenig
von der Zeit und Manier der Restitution besehen. Und wiewohl wir alle
Propheten dazu als Zeugen anführen möchten, die alle gleicher Hand davon
weissagen, wo das Reich Christi nach seinem Abfall aufs herrlichste
restituiert werden soll, so wollen wir diesmal der Kürze willen sie doch
fahren lassen und allein was Christus und seine Apostel davon gesprochen
haben ( dass all solcher Abfall restituiert werden sollte ) anweisen.
Christus, als er von dem Abfall zu verstehen gibt Mat.24.(15) und sagt: „Wenn ihr seht“ etc. In denselben Worten gibt er uns
auch einen tröstlichen Bericht der Wieder- Restitution, denn u. a. spricht
er, wenn ihr seht, recht sollte er sagen, wenn ihr die Gnade habt, dass
ihr sehen könnt, dass alle Dinge verwüstet sind und der Greuel die
heilige Stätte innehat, so hebt euer Haupt, dann ist es Zeit, denn dann
ist eure Erlösung nicht weit. Ebenso drückt auch Petrus von der
Restitution mit klaren Worten aus. Apg.3. Jesus Christus
Apg.3.(21) muss den Himmel bis auf die Zeit einnehmen, bis alles
restituiert werde, was Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten
verkündet hat. Und alsdann muss noch ausradiert werden, alles was der
Vater nicht geplant hat, ja es muss noch ein Schafstall und eine Herde
werden, in welchem, was in Christo und seinen Aposteln begonnen hat,
restituiert, aufgerichtet und Mat.15. behalten werden muss.
Hiervon ist auch zur Zeit der Apostel viel gelehrt worden, als von dem
Joh.10.(16) Tage des HERRN. Nämlich, dass ein Abfall geschehen sollte, und
dass danach der HERR kommen würde, dem Greuel ein Ende zu machen und sein
Reich wieder aufs herrlichste mit voller Kraft einzuführen und zu
restituieren. Dann gab es viele, die meinten und machten dem Volk weiß,
es sollte noch zu derselben Zeit geschehen. Aber darauf antwortet Paulus
und straft dieselben, sagend 2.Th.2.(3) „Lasst euch von
niemandem vorführen, in keinerlei Weise, denn er kommt nicht, es sei
denn, dass zuvor der Abfall komme“, etc. und das Kind des Verderbens
offenbar werde, recht sollte er sagen, wenn das geschieht, so ist es Zeit,
dass der HERR kommen will. Hieraus merkst du leicht, was hiervon zur
Apostel Zeit umgegangen ist. Nun hat die Zeit der Restitution begonnen und
fängt an. Sobald die babylonische Hure bekannt geworden ist, das Kind des
Verderbens, nämlich der römische Antichrist, welcher von )2.Th.2.(3 Anbeginn in seinem Leib nichts anderes als die rechte Christenheit
zu verderben und sich zu erhöhen gesucht hat, wie dann von dem greulichen
Bösewicht, dass es solcher Art sein sollte, genug geschrieben steht. Und
eigentlich, so wir anders recht verstehen wollen, hat Gott der 2.Th.2.(4) Allmächtige die Restitution recht angefangen, da er Martinus
Luther erweckt hat, welcher Da.12.(1) durch Gottes Gnade (
wiewohl er nun leider nicht weiter will, sondern bleibt in seiner eigenen
Stultheit und Dreck liegen ) das Kind des Verderbens, den rechten
Antichristen angewiesen und begonnen hat, das rechte Evangelium einzuführen.
Hier ist nun weiter vonnöten, dass du, Leser, die Sache mit
Bescheidenheit erwägst. Wir sagen, die Restitution habe zu Luthers Zeiten
begonnen, da hat uns Gott den Greuel und den Antichristen zu erkennen
gegeben, wir sagen aber nicht, dass sie geendet und vollbracht sei.
Christus und seine Apostel hatten die Christenheit in allerlei rechter
Lehre, Glauben und Leben aufgerichtet, wie zuvor gesagt wurde. Sind se
trotzdem durch die Gelehrten mit der Zeit abgefallen, bis dass die aller
ungelehrtesten Esel die gräulichsten Lügen und Abgötterei eingebracht
und aufgerichtet haben, wie Mönche Papen und die gottlosen Theologen.
Also kommt nun der Herr, wo die alte Schlange die Gelehrten zum Abfall im
Anfang gebraucht hat, und nimmt auch die Gelehrten auf und fängt dadurch
an, was abgefallen ist, zu restituieren. Bezahlt also den Teufel recht und
misst ihn gleichermaßen. Es ist gesagt, dass der Abfall mit der Zeit
eingetreten ist, also auch die Restitution. Und wo von oben der Abfall von
den Gelehrten zu den Ungelehrten aufs greulichste gekommen ist, so hat
Gott durch die Gelehrten angefangen. Dann will er durch die Ungelehrtesten
nach der Welt die Restitution auf das herrlichste einführen, auf dass Er
alleine den Preis habe. Demnach so sieh an, wo, in Erasmus, Luther,
Zwingli begonnen, zuerst in Melchior, Johan Mathyß und hier in unserem
Bruder Johan von Leyden, der ganz ungelehrt nach der Welt geachtet, die
Wahrheit herrlich eingeführt ist. Was bei uns ist, sollst du hiernach
befinden. Die Anderen magst du selber lesen. Es würde zu lang sein,
sollten wir hier alles vorhalten. Demnach werden nicht zu einer Zeit durch
Einen alle Dinge recht gesehen oder verstanden, denn Gott gibt all den Tag
d lässt das Licht seiner Wahrheit denjenigen heller werden, die ihn fürchten
und seinen Preis, und nicht ihren eigenen Ruhm, von ganzem Herzen suchen.
Denn obschon jemandem sonst wohl die Augen geöffnet werden, dass er sehe,
so sieht er doch nicht alle Dinge zugleich, dann danach ihn Gott für treu
befindet, lehrt er ihn mehr und mehr. Aber verstolzt er sich in seiner
Weisheit, so kann ihn Gott wohl wieder verblinden. Ja, Gott tut ihm
genauso, der die Stolzen und Mächtigen verwirft und die Hungrigen mit
Gutem erfüllt. Dies sagen wir darum, dass du, liebe Christen und Leser,
Gott deinen Herrn fürchtest und allzeit mit geschürzten Lenden auf den
Wegen Gottes nach seinem bekannten Willen zu gehen und nicht still zu
stehen bereit seist. Denn es gibt zu dieser Zeit leider viele, die wohl
beginnen zu sehen und auf Gottes Weg zu treten, dann wollen sie nicht
weiter, sondern sehen sich wieder um und mögen nicht leiden, dass
Christus das wahre Licht in ihrem Herzen aufgehe. Hierum, da sich niemand
dünken lassen soll oder mag, er sei in dieser Schule weit genug gelehrt
und wenn er noch neu mit dem Morgenrot erleuchtet ist, dass er dann
Christum in rechter Klarheit verstanden und empfangen habe, so soll ein
jeder allzeit Gott um mehr Verstand bitten, niemanden in seinem Stand
verachten, auch sich nicht wundert, so Gott all den Tag mehr Erkenntnisse
aufgehen lässt. Denn damit ( wie zu befürchten ist ) haben sich viele
verdorben, die lieber von Menschen denn von Gottes Willen gelehrt sind,
bleiben an einem oder etlichen Menschen hängen, was ihnen daran nicht
gelehrt wird, muss ihnen auch nicht recht sein. Dann bitten und ermahnen
wir, liebe Brüder und Leser, lasst uns nicht still stehen, sondern alle
fort und fort auf den Wegen des Herrn gehen. Denn nicht vergebens wird
Christus ein Weg genannt, auf dass, wo der Herr angefangen hat, sein Reich
zu restituieren, wir ihm so nachkommen mögen, dass wir diesem teilhaftig
werden und in Herrlichkeit beschauen. AMEN. Dies wollen wir nun genug von
dem ersten Stück, nämlich dem Abfall und der Restitution, gesagt haben.
Es wäre wohl noch viel mehr davon zu schreiben, doch wir wollen solches
diesmal unterwegs lassen und einen jeden selber in der Schrift forschen
lassen; wir wollen nun die anderen Stücke was antasten. Mehr das Eine
wollet doch wohl noch bedenken. Es ist allzumal, was Christus mit seinen
Aposteln aufgerichtet hat, durch den Antichrist ganz verdüstert und
verdorben. Derhalben müssen auch alle und nicht etliche Stücke, die zum
Reich Christi gehören, restituiert und wieder aufgerichtet werden. So
lange als dy dan ychtesswat behaget yn Christlicken saken, dat de Pauwest
hefft vpgherichtet, so frûchte dy fry, du en staest darynne nicht recht,
vnnde sûke de warheyt mit flythe.
top
Von göttlicher heiliger Schrift und ihrem rechten Verstand
Das zweite Kapitel
Derweil allein die göttliche ungezweifelte heilige Schrift, die man die
Bibel nennt, den Ruhm hat und dazu von Gott dem Allmächtigen auch gegeben
ist, dass sie nütze und genugsam ist zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung
und zur Unterrichtung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes ganz
ohne Fehl sei und zu allen guten Werken geschickt ( Rö. 10, 2.Ti. 3 ).
Nachdem der Abfall zuallererst durch Menschen Schrift und Lehre, womit die
göttliche Schrift verdüstert worden ist, begonnen hat, so hat es der
Allmächtige bei uns also geschickt, dass wir alle Schrift, sowohl jung als auch alt, die nicht biblisch ist, verlassen haben und uns alleine der
heiligen Schrift anhängen. Denken auch, durch Gottes Gnaden uns daran zu
halten, denn in derselben wird Gottes eigentlicher Wille genugsam
ausgedrückt. Dazu ist auch sein ernstlicher Befehl, dass wir davon weder
zur rechten noch zur linken Seite abweichen sollen, noch was ab noch dazu
tun. Auch Christus selber weist in der Schrift, dieselbe zu untersuchen.
Also geht uns auch nicht an, was Alte und Junge geschrieben haben, wir
kümmern uns auch darum nicht, denn was wir in der ghemelten heiligen
Schrift befinden ( 5.Mo.12.(28)), was Gottes Wort und Wille ist
(
Spr.30(5-6)), danach schicken wir uns durch seine Gnade mit allem
möglichen Fleiß ( Joh.5.(39)). Ja sprichst du nun, wenn ihr von keiner
Schrift was haltet, warum schreibt ihr dann selber? Antwort: wir schreiben
nicht deshalb, weil wir unten oder daneben was einführen wollen, sondern
alleine, dass wir dir anweisen, was Gott bei uns nach Vermeldung der
Schrift restituiert hat und auf dass wir mit unseren Schreiben alleman,
auch uns selber, auf Gott und sein Wort führen möchten. Wiewohl es zu die
ser Zeit viele sind, die sich verlauten lassen, dass sie alleine bei der
heiligen Schrift bleiben und darunter nichts anzunehmen oder zu halten
geneigt sind, meinen sie es mit Ernst und schicken sich danach, das ist
gut, aber zum Teil haben wir wohl befunden, die sich solches annehmen,
dass etliche noch ihr eigenes Gutdünken neben und unter der Schrift mit
großen Büchern herausgeben. Etliche sich mehr in Postillen und um allerlei
Auslegungen kümmern, und davon auch mehr zu sagen wissen, als von der
Schrift selber. Denn wer sich allein an die Schrift halten will, bedarf
keiner anderen Schrift mehr, sondern da er mit der Schrift genug zu tun
hat, so soll er auch daraus überflüssig genug von Gott gelehrt werden, so
fern er in rechtem Verstand damit umgeht. Ja sprichst du, wie soll ich die
Schrift recht verstehen, ich muss jemandes Auslegung haben, denn von mir
selber kann ich sie nicht begreifen. Antwort: Recht ist es, denn wie
Petrus bezeugt ( 2.Pe.1.(20)), so ist keine Weissagung aus eigener
Auslegung geschehen. Denn es muss ein jeder gelehrt werden, aber nicht
durch schriftliche Auslegung der Menschen, Glossen oder anderer Postillen,
sondern hier muss alleine Gott und sein Geist der Meister sein. Es mag
wohl geschehen, dass ich mittels Auslegungen der Menschen den Verstand des
Auslegers begreife und danach mit vielen Worten davon zu reden weiß. Doch
da Gottes Reich nicht in Worten sondern in der Kraft gelegen ist, soll ich
zu der Kraft der Weisheit Gottes nimmermehr kommen, es sei denn, dass mich
Gottes Geist, der mit Kräften fährt und lehrt, in der Schrift geleite und
lehre ( 1.Ko.3.). Wie Christus sagt (Joh.16.(13)): "Wenn der Geist der
Wahrheit kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit geleiten." Desgleichen
Joh.6.(63). Das sagen wir aber nicht deshalb, dass der eine den anderen
Nicht mit Schrift und Wort ermahnen soll, sondern darum, dass wir
nirgendwo Gottes Willen heraussuchen sollen als alleine aus der heiligen
Schrift und Gottes heiligem Worte. Wiederum willst du die Schrift gerne recht verstehen, wohl an, so nimm
wahr, wir wollen dir dazu guten Rat geben. Der Inhalt der Schrift ist in
einem kurzen begriffen (Php.2.(10); Joh.5.(23); 1.Th.2). Nämlich Gott den
Allmächtigen in Christo seinem Sohn sehen und fürchten, welches aller
Weisheit Anfang ist. Danach gleich wie Christus dem Vater gehorsam gewesen
ist und seinen Willen vollbracht hat, dass Also auch wir mit Zittern und
Beben gehorsam sind und seinen Willen vollbringen. Welcher dies versteht
und mit der Tat beweist, der ist nicht blind sondern hat die Schrift ganz
verstanden. Nun wo man Gott sehen und fürchten soll, auch was sein Wille
ist, ist wohl so klar in der Schrift ausgedrückt (Eccle.2.(1ff)), dass
davon keine Glosse noch Auslegung vonnöten sein kann. Es wird wohl zurecht
die Furcht Gottes der Weisheit Anfang geheißen, ist es auch in der
Wahrheit. Denn wer Gott fürchtet, soll seinen Worten weder widerspenstig
noch ungläubig sein (Ps.111), wer nun gläubig ist, der wird zu rechtem
Verstand kommen, so ist es Sache, dass er auf dem Glauben Gottes Willen
angreift und mit der Tat vollbringt. Denn heilsame Weisheit und guten
Verstand werden kriegen, die sich in Gottes Willen üben und ewiges Lob
sollen sie bekommen. Ebenso Psalm 119(98): "Weiser hast du mich gemacht,
als meine Feinde sind, mit deinen Geboten" etc. Ich bin weiser geworden
als alle, die unterstanden haben mich zu lehren und das darum, da ich
stets nach deinem Gesetz trachte etc. Hieraus verstehst du, willst du die
Schrift recht verstehen, so suche mit Fleiß Gottes Willen zu tun, und dann
wird dich Gott von der einen Kraft in die andere leiten. Also hat dann
Gott bei uns die Schrift restituiert, denn da sein Wille uns daraus
überflüssig bekannt ist, halten wir uns auch alleine daran (Ps.84(6ff)).
Und wenn wir mit Ernst tun, was wir verstehen, uns stets befleißigen,
werden wir den ganzen Tag wieder von Gott gelehrt. Ihm sei Lob, Ehre,
Preis und Dank dafür in Ewigkeit, Amen.
top
Vom Unterschied des alten und neuen Testaments auch der Schrift, die man
so nennt. Das dritte Kapitel
Gemeinhin wird das Alte Testament Moses und die Propheten oder die
Schrift, die wir von den Juden empfangen haben, genannt und verstanden.
Und wenn dann bisweilen in dem Neuen, welches der gemeine Mann als
evangelische und apostolische Schrift versteht, gelesen und vernommen
wird, das Alte Testament habe ein Ende und sei aufgelöst, so wird durch
Missverstand und mit Unbescheidenheit auch die Schrift des Alten
Testaments deswegen verachtet. Und so man sich untersteht, etwas daraus
vorzubringen, wird zur Stunde geantwortet: Ey, das geht uns Christen
nichts an, was haben wir mit dem Alten Testament zu tun, wir halten uns
an das Neue Testament etc.
Und damit wird die Schrift nicht alleine
verdunkelt, sondern auch verkehrt und für nicht geachtet, obwohl
doch eigentlich weder von Christus noch von den Aposteln auf keine
andere Schrift als das Alte Testament gewiesen wird. Nun dieser Mangel
und Unrat verursacht sich daraus, dass das Alte und Neue Testament und
die beiden Schriften nicht wohl unterschieden werden. Hierum wollen wir
den Unterschied der Schrift zu vermehrter Restitution des rechten
Verstandes hier kurz entdecken.
Das Alte
Testament, welches Gott mit dem Volke Israel durch Moses, seinen Diener,
aufgerichtet hat, ist der Bund und der äußerste Wille Gottes, dass Er
dem Volke durch Besprengung des Blutes der Böcke, der Ochsen etc. die
Sünde erlassen wolle, wie Moses aus dem Munde Gottes bezeugt (
2.Mo 24[8] ): „Das ist das Blut des Bundes, den JAHWE mit euch
auf Grund aller dieser Bedingungen geschlossen hat“. Man weiß wohl, was
ein Testament oder ein Bund in der Schrift heißt, nämlich dass man daran
seinen äußersten Willen verbindet. Also hat sich nun Gott dem Volke
Israel verbunden. Wenn sie nach seinem Willen täten, wozu sie sich Gott
auch verpflichten mussten, wie geschrieben steht 2.Mo 24(3):
„Alle Worte, die JAHWE geredet hat, wollen wir halten“, und würden dann
mit dem Blute des Testaments besprengt, so würden sie von den Sünden
gereinigt. Dies ist eigentlich das Alte Testament, welches, da es
unvollkommen, wie Paulus in Heb.9 (12 ff) schreibt, allein
zur Reinigung des Fleisches diente und ein Vorbild für das Zukünftige
gewesen ist, das vollkommen sein sollte nämlich in Christus. Da nun
das Vollkommene gekommen ist, ist das Erste aufgehauen und veraltet,
wird auch deshalb das Alte Testament genannt und ist es auch (Heb.8[13]). Dass nun aber die Schrift das Alte Testament
genannt wird, geschieht deshalb, da sie Zeugnisse von all solchem
Testament gibt, sie ist aber darum nicht aufgelöst oder veraltet und
demnach zu verachten, weil das figürliche Testament aufgehauen und
hinweg genommen worden ist, denn dadurch, dass die Wahrheit des Bildes
gekommen ist, ist der Verstand der Schrift desto herrlicher geworden,
sofern wir uns nicht verdrießen lassen, so zum Herrn hin zu treten, auf
dass der Deckel der Bilder vor unseren Augen hinweg genommen werde und
uns die freie Wahrheit durch den Geist Christi bekannt werden möge
(2.Ko 3[14]). Soviel fehlt daran, so dass die Schrift, da sie
das Alte Testament geheißen wird, da sie davon zeugt, aufgehauen und
veraltet sein sollte. Ja, sprichst du, nun geht uns Moses Schrift und
die Propheten an, müssen wir dann an sein Gesetz gebunden sein, wovon
dann mancherlei in Moses gefunden wird? Antwort: Es ist hier zuvor
gesagt – sofern Moses und die Propheten die Vorbilder dryuen
(wahren?), in mancherlei Weise, wie mit Opfern, mit Feuer, mit
Waschen, mit Unterscheidung der Speise ebenso mit der Arche des
Testaments und ihrem Zubehör, das Schema der kommenden Dinge gewesen
sind, nachdem der Leib Christi, die Wahrheit, hineingegangen ist, ist es
damit aus (Kol.2[16]) und die Christen sind davon befreit,
aber die Wahrheit und der Geist, die in solchen Vorbildern verborgen
abgezeichnet gewesen sind, ist und muss wahrhaftig in Christo und seinem
Lichtmaß vollbracht werden. Wie wir zuvor gesagt haben, ist die Schrift
darum nicht aus, wenn die Wahrheit gekommen ist, sondern ihr Verstand
ist herrlicher geworden. Ein Beispiel: Moses gebietet Sabbate, Neumonde
etc. zu halten und mancherlei Opfergaben der Biester zu tun. Nun ehe die
Wahrheit und Leib Christi hineingegangen ist, ist dasselbe, wie die
Buchstaben lauten, gehalten worden, am Sabbat dagegen sind sie tômich
gegangen und haben gerüstet, und wenn sie Gott für etliche Sünden
versöhnen wollten, haben sie nach Gelegenheit ein Biestchen geopfert.
Nachdem aber nun Christus und die Wahrheit seines Lichtmaßes gekommen
ist, so geht auch der Verstand nun auf die Wahrheit. Als das
Sabbathalten verstehen die Christen, herrlicher als am siebten Tag in
sich zu gehen, alle Tage von ihren eigenen Werken und Willen zu ruhen,
d.h. von all ihren bösen und schlechten Willen und Werken, und von
solchen Waren und verborgenem Verstand bezeugen auch die Propheten
offenbar (Jes.56[2]; 58[13]; 66[23]). Desgleichen auch vom
Opfer der Biester; das Bild, so sich jemand sündig fühlte, forderte ein
Biestchen nach Gelegenheit zum Opfer für die Sünde. Aber herrlicher ist
der Verstand bei den Christen, nämlich worin sie sich gebrechlich und
sündig fühlen, schlachten sie ihre eigene Lust und Begierde, Leib und
Lichtmaß zu einem angenehmen Opfer dem Herrn, wie Paulus das den
Christen gemahnt (Rö.12[1]). Also auch mit der Arche und
ihrem Zubehör und mit allen Bildern, welche Schemen sind, der Leib aber
Christi (Kol.2[17]). Wieder sollst du auch nicht meinen,
dass die Schrift des Alten Testaments eitel Bilder sind und auf Schemen
laufen. Denn wie du selber lesen magst, gibt sie auch wohl offenbar und
unverborgen Zeugnisse von der Wahrheit, die in Christo Jesu ist. Ja,
Christus noch seine Apostel haben von keiner anderen Schrift gewusst,
aus der Gott und sein Wille verstanden werden mochten, außer der, die
wir das Alte Testament nennen, nämlich Moses und die Propheten. Auch
sollst du wissen, sollte man von Moses und den Propheten und von den
anderen Schriften des Alten Testaments nichts halten, sollten sie gar
mit dem Alten Testament veraltet sein, das wäre fürwahr auch eine elende
Sache und Bestand. Denn die herrlichsten Verheißungen, die Gott den
Gläubigen in Christo getan hat und in der Schrift verraten sind, sind
noch vorhanden und unvollbracht. Davon wollen wir hiernach, wenn wir vom
Reiche Christi schreiben werden, wieder was sagen. Und Christus spricht
(Mat.5[18]): „Wahrlich sage ich euch, bis dass Himmel und
Erde vergehen, wird nicht der kleinste Buchstabe noch ein Häkchen vom
Gesetze vergehen, bis alles geschehen ist.“ Hierum soll sich niemand
dünken lassen, dass die Schrift mit dem Alten Testament veraltet sei,
sondern untersuche mit vermehrtem Fleiß, Gottes Willen daraus zu
verstehen und dann weiter mit der Tat zu vollbringen. Dies sei nun genug
vom Alten Testament und dessen Schriften. Nun wollen wir desgleichen von
dem Neuen sprechen.
Das
Neue Testament, welches Gott allen Völkern der Erde durch seinen Sohn
Christum angerichtet hat, ist ein ewiger Verbund seiner Gnaden in Kraft
des Blutes Christi an die, die an seinen Namen glauben. Und es wird dies
das Neue Testament geheißen und ist es auch, denn das Vorherige, wie
oben gesagt ist, ist hiermit aufgehauen und veraltet, wie es dann die
Propheten auch so genannt haben (Jer.31[31]). Und Christus
selber spricht (Mat.26[28]): „Dies ist der Kelch des Neuen
Testaments in meinem Blute, welches vergossen wird zur Vergebung vieler
Sünden.“ Dies ist nun eigentlich das Neue Testament. Dass aber nun die
Schrift der Evangelisten und Apostel auch das Neue Testament genannt
wird, geschieht deshalb, da sie davon in Sonderheit Zeugnis geben.
Weiterhin ist von dieser Schrift des Neuen Testaments noch zu wissen,
dass, wiewohl sie von Christus und von seinem Testament in Sonderheit
und offenbar bezeugt, so ist sie doch nicht bei sich selber. Denn ihr
Grund und ihre Wahrheit ist in Moses und den Propheten bestimmt. Und
hierum ging es Christus, wie er bewiesen haben sollte, wie mit Wundern
tun, mit verraten zu werden, mit Leiden und gekreuzigt zu werden. So hat
er zur Befestigung und zu mehr Zeugnissen seiner Wahrheit allzeit die
Schrift, das heißt Moses und die Propheten, angeführt und sich darauf
bezogen. Ja, desgleichen auch Paulus und die anderen Apostel. Was sie
von Christus und einem christlichen Leben gelehrt haben, haben sich ihre
Zeugnisse und Beweise allzeit auf die Schrift bezogen und sind aus ihr
hervorgebracht worden. Dies sagen wir nicht deshalb, dass wir die
Schrift des Neuen Testaments verkleinern wollen, sondern darum, dass es
manche gibt, die, wenn man ihnen aus Moses und den Propheten was
beweisen will, sagen: Ey, ich bin ein Christ, ich habe mit dem Alten
Testament nichts zu tun, ich halte mich an das Neue, beweis mir, was
darin geschrieben steht. (Luk.16[7], 18[18ff],
24[27], Joh.5[39], Rö.15[21], Apg.2[16ff], 1.Ko.9[9], 2.Ko.8[15]).
Und mit der Weise bleibt Gottes Wille durch jenige verachtet und die
Einfältigen werden damit verwirrt. Nun aber sollst du es mit der Schrift
sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments so halten, willst du es
recht halten, dass du nicht eins von beiden verachtest, aus denen du
Gottes Willen zu tun gelehrt werden magst, wie Paulus solches öffentlich
lehrte (Rö.15[4]): „Denn was geschrieben wurde, ist zu
unserer“ etc. Genauso wie ein Gott ist, so ist die Schrift auch eins und
ihre endliche Meinung ist, dass wir Gott kennen und seinen Sohn und dass
wir vollkommen seien zu allen guten Werken.
Hierum nehme niemand an, dass ihn diese oder jene Schrift nichts angehe,
sondern untersuche mit Fleiß, beschäftige sich ernsthaft mit Gottes
Willen, eile, um zu Christus zu kommen, auf dass er den rechten Verstand
und Leben in Christus, wozu alle Schrift weist, empfangen möge. Nun
sollten wir den Unterschied zwischen der Schrift des Alten und Neuen
Testaments wissen. So sagen wir, dass die Schrift des Alten Testaments
verheißt und lehrt und das mit Bildern und andererseits was zu kommen
hat. Aber die Schrift des Neuen weist an, dass das Haupt der
Verheißungen gekommen ist und nun weiter sein Wille und Wesen in dem
Geist und in der Wahrheit betrieben werden muss. Aber es ist alles in
dem Alten vorher aufgemalt, was in dem Neuen behandelt wird. Ja, noch
viel mehr, dass wir in dem Neuen Vorwächter sind, was doch darin so
öffentlich nicht
gemeldet steht.
top Von der Zukunft Christi im Fleisch und seiner Menschwerdung
Das
vierte Kapitel
So haben wir nun die Schrift, ihren Verstand,
Unterschied und Gebrauch behandelt, welches sich alles endlich dahin
streckt, dass Christus recht verstanden und nachgefolgt werden möchte.
Und derselbe Christus ist nun schon eine lange Zeit verdunkelt und
unrecht angesehen worden. Wie sich dann der heilige Johannes beklagt (1.Joh.4
(2ff)), dass es bei seiner Zeit angefangen habe, dass die
Niederkunft Christi ins Fleisch und sein rechtes fleischliches Wesen vom
Widerchristen verneint und verleugnet worden ist, daraus dann fortan
mancherlei Missverstand, Falschheit und dwelinge gefolgt sind.
Hierum, nächst dem, als wir von der Schrift gehandelt haben, wollen wir
traktieren, wie Gott die rechte Erkenntnis der Niederkunft Christi ins
Fleisch und seiner Menschwerdung restituiert hat.
Zum Ersten, dass
Gott der Allmächtige seinen lieben Sohn Christum hier auf Erden
gesandt hat und das im Fleisch, in der Gestalt eines sündigen Fleisches,
bezeugt die Schrift einträchtig so offenbar, dass, welcher der Schrift
glauben will, solches keinesfalls verleugnen mag.
5.Mo.18
(15,18) spricht Moses, auf dessen Worte sich Petrus in Apg.3 (22) bezieht, und sagt: „Gott, euer Herr, soll euch einen
Propheten erwecken aus euren Brüdern, mir gleich.“ Also auch durch
Jakob, den Patriarchen: „Das Reich soll von Juda nicht genommen werden,
noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis dass Tribut ihm
entrichtet wird und die Völker ihm (H.I.M.) gehorchen.“(Gen.49
(10) Und dergleichen wird durch alle Propheten genug bezeugt,
dass Gott seinen Sohn senden sollte. Weiter in den evangelischen und
apostolischen Schriften steht klar genug, dass er ihn ins Fleisch
gesandt hat. (Joh.3 (16ff), Rö.8 (3)) etc.
Dann ist hier nicht Not, viele Worte zu machen, denn so weit
diese Schrift kommen mag, achten wir Niemanden als so unverschämt, dass
er diese Wahrheit verleugnen täte. Mehr der Streit in dieser Sache ist
die Blindheit und Unwissenheit, wie er gekommen und Mensch geworden sei.
Hier hat das Gutdünken und die menschliche Weisheit das Licht der
Wahrheit ganz verdüstert und den Grund des Glaubens ganz umgeschrieben.
Das Licht der Wahrheit in Christus ist und sollte sein, dass in Christo
keine Zweifel noch Dunkelheit in seinem eigenen Wesen bestehen möge. Der
Grund des Glaubens ist, dass er das einige und ewige Wort Gottes sei, ja
der Sohn des lebendigen Gottes. Nun aber hat das Gutdünken und die
unverständige Weisheit der Menschen dies zuschanden gemacht, da sie also
von Christo gehalten und vorgegeben haben, dass sein Fleisch von
sündiger Materie, mit Namen von Marias Schoß, geworden sei. Das ist ein
grauenhafter und lästerlicher Abfall von der rechten Erkenntnis Christi
gewesen. Ja, ist auch noch ein große affdwelinge, all so, dass
sie auch nicht gründlich und mit lebendigem Glauben in Christo beständig
sein können, die noch keine bessere Erkenntnis Christi erlangt haben.
Hierum, wie zuvor gesagt, wollen wir fortfahren, so Gott will, damit
jemand noch zu rechter Erkenntnis erweckt werden möchte. Demnach, der
Verstand, den uns Gott in diesen Sachen wiedergegeben hat, dessen wir
uns durch seine Gnade berühmen, dass er mit der ganzen Schrift
übereinkommt, dass wir also in dem Fall auch Christum recht kennen,
selber sagen wir und weiter der Grund unseres Glaubens auf Christum ist
dieser, wie folgt: Wir verstehen, glauben und bekennen, Christus, unser
Herr und Heiland, ist nicht von Marias Schoß oder ihrem allerreinsten
Blute ( wie die blinde Welt sagt ) Fleisch und Mensch geworden, noch hat
auch solches von ihr nicht angenommen, mehr Gottes Wort und einzige Sohn
ist selber vom Himmel gekommen und wie bei Joh.1 (14)
steht: Das Wort ist wahrhaftig Fleisch und Mensch geworden. Das Wort ist
Fleisch geworden, spricht die Schrift, nicht Marias Schoß. Es ist
Fleisch geworden, sagt die Schrift, und nicht Fleisch angenommen. Och
was wäre mir armen Sünder das für ein Trost und wie sollte das meinen
Glauben lebendig machen können, dass der Sohn Gottes gekommen wäre und
hätte von Marias Schoß einen Menschen angenommen, und der Mensch wäre
für mich gestorben, aber Gottes ewiger Sohn hätte dabei gestanden und
nicht mehr dazu getan, wie dann etliche Gelehrte noch zu dieser Zeit
davon schreiben und dass es ohne Zweifel Viele mit ihnen halten, wie du
lesen magst mit dem getreuen Gottesdiener Melchior Hoffmann geschehen,
das wäre fürwahr noch eine kleine Liebe, denn so hätte Christus von dem
Menschen genommen, womit er uns gekauft und erlöst hätte. O der großen
Blindheit und blinden Undankbarkeit fürwahr und fürwahr, es hat den Sohn
Gottes etwas mehr gekostet. Er selber, ja selber musste er die Sünde tilgen. Der unsterblich und
unleidend war, musstesterblich und leidend werden, der seines Vaters
liebste Sohn, Herrlichkeit und Weisheit war, musste verlassen, verfolgt
und bespottet werden. Ja, sagen die blinden Gelehrten, kann Gott denn
jemals leiden? Antwort: Ja, er kann leiden und das, wann er will, wie
der Prophet (Jes.53) sagt, er hat gelitten, denn er hat es gewollt. Was
der Herr will, das kann er auch wohl, obschon alle Glöckner und Weisen
dieser Welt dagegen sprechen. Christus in seiner göttlichen
Herrlichkeit, das ist wahr, war nicht leidend, dann als er leiden
wollte, ist er leidend geworden und hat sich erniedrigt, dass er von
sich selber spricht: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute
Spott und des Volkes Verachtung.“(Ps.22 (7)) Wohlan, wir
wollen, falls noch jemand zu duncker ist, unseren Verstand und
Glauben aus der Schrift noch weiter beweisen, auch die Spitzfindigkeit
derjenigen, die dieser Wahrheit widersprechen wollen, auflösen und
verantworten, auf dass wir den Einfältigen und Gutherzigen, da doch an
dieser Sache hoch und viel gelegen ist, desto besser dienen mögen und
zur Wahrheit helfen (Joh.1 (14,17)). Item, so wir von
Anbeginn bedenken, steht es um des Menschen Sache so, dass er wie alle
anderen lebendigen Kreaturen sein Leben in dem Worte gehabt hat, denn
demselbigen war das Leben. Und er ist in den Tod gekommen, als er aus
und von dem Worte gefallen ist und das Wort, das ihm das Leben war, ist
ihm der Tod geworden, wie des Wortes selben Inhalts. Du sollst den Tod
sterben. So lange wie nun dieses Wort in seiner Kraft und Herrlichkeit
steht, bleibt auch der Mensch in solcher Not und mit dem Tod umfangen.
Und sollte der Mensch genesen und von solchen Ängsten des Todes erlöst
werden, musste das Wort seine herrliche Kraft ausziehen und selber den
Schmerz des Todes versuchen, die Handschrift, die der Teufel hatte,
auslöschen und so den Menschen zu erlösen und wiederum zum Leben zu
bringen (Kol.2 (14)). Hierum mochte Christus, unser aller
Herr und Heiland, sein leidliches Fleisch nicht von Marias Fleisch oder
Schoß annehmen. Denn das Wort musste selber das Fleisch werden. Auch
kannst du dies wohl aus Melchisedek verstehen, denn Melchisedek gleicht
dem Sohn Gottes, ist ohne Vater und ohne Mutter, ohne Geschlecht, noch
Beginn der Tage, noch ein Ende des Lebens habend, in der Schrift
aufgeführt (Gen.14 (18ff.); Ps.110(4)). Nun ist
Melchisedek ein Bild, also ist dann Christus in der Wahrheit. Weiter gibt es schier unzählige Orte, Stätte und Sprüche in der Schrift,
die dies von der Menschwerdung Christi bezeugen (Heb.5 (6), Joh.1
(14)), dass der lebendige Gottessohn, Gottes ewiges Wort selber
Fleisch und Mensch geworden ist. Und es ist nicht soviel wie ein kleines
Stipken in der ganzen Schrift, mit welchem du beweisen könntest, dass er
Fleisch oder einen Menschen von Maria angenommen habe, und bedenkt doch
wohl, liebe Brüder und Freunde, was wäre doch unser Christusglaube, wenn
nicht Christus, der lebendige Gottessohn, selber den Tod für uns
geschmeckt hätte, sondern das wäre ein angenommenes Fleisch und Mensch
von Maria gewesen, mein Lieber, wie könnte er dann davon sprechen (Joh.3 (16)): „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er
seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat, damit jeder, der an ihn
glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ etc. Nun, die
Stätte, die wider solches in der Schrift anweisen, wollen wir hier zum
Teil in Kürze anführen, du magst sie, lieber Leser, selber erwägen, und
bitte Gott, dass er dir deinen Verstand erleuchte, auf dass du Christus
recht kennen mögest, denn, wie die Propheten sagen, viele werden in der
rechten Erkenntnis gerechtfertigt (Jes.53 (11. Also magst
du kein rechter Christ sein, solange du nicht weißt, was du von Christus
halten sollst, wer er sei (Da.2 (45),
7 (13ff), 9 (26), 1.Joh.1 (1ff), Heb.1 (2ff), Luk.1 (32ff))
etc. Es wäre wohl nicht vonnöten, so viel Schrift hier anzuführen,
doch es ist um der Einfältigen willen geschehen. Andererseits in summa
gibt Johannes (Joh.1 (1ff)) so hell und klar Zeugnis, dass
alle Pforten der Hölle dagegen keine Gewalt haben können, also sagt
Johannes: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Man
ziehe hier, man ziehe da, man mache, was man will, so muss man das doch
stehen lassen. Nun haben die Widersprecher etliche Argumente und Stätte aus der
Schrift, die sie nach ihrer fleischlichen Weisheit dagegen anzuführen
pflegen. Aber etliche sind so ganz ungeschickt, dass es nicht nötig ist,
an jenige Arbeit zu legen. Etliche aber, die einen Schein haben und die
einfältigen Unwissenden irre machen möchten, wollen wir nun kurz
behandeln und überantworten, auf dass die heilsame Erkenntnis Jesu
Christi, die eine lange Zeit nicht allein bei uns, sondern bei Vielen
verdunkelt gewesen ist, durch Gottes Gnaden restituiert werden möchte.
Zum
ersten stehen sie auf und bringen bei, dass geschrieben steht, dass
Christus nach dem Fleisch aus dem Samen Davids geboren sei, so wie auch
die Verheißungen davon handeln und hieraus schließen sie und sagen also:
Ist nun Christus nach dem Fleische von dem Schoße oder Geschlecht Davids
geboren, und wir wissen, dass er von keines Mannes Schoße empfangen ist,
so muss er ja von Marias Fleisch oder Schoß, die vom Geschlechte Davids
war, gekommen sein. Antwort: Es ist wahr. Er ist aus dem Geschlecht
David. Nämlich aus Maria geboren und das nach dem Fleisch. Aber er ist
nicht vom Schoße Davids geworden noch empfangen. Maria hat ihn
empfangen, wie die Schrift sagt: „Eine Jungfrau soll empfangen“ (Jes.7 (14)), mehr nicht von ihr selber, sondern vom Heiligen
Geist hat sie empfangen. Nämlich Gottes Wort, dasselbe ist Fleisch in
ihr geworden und dann nach menschlicher Weise nach dem Fleische aus ihr
geboren (Mat.1 (23)). Wie wir dann auch in unserem
gemeinen Artikel des Glaubens bekennen. „Empfangen vom Heiligen Geist,
geboren aus Maria, der Jungfrau“, so ist es ja ein großer Unterschied,
ein Kind zu empfangen und ein Kind zu gebären.
Weiter sagen sie und meinen, es würde ihrer Sache dienen, dass da steht:
aus dem Schoße Davids nach dem Fleische – meinen, daraus sollte folgen,
er hätte sein Fleisch von Davids Schoß. Dann also nicht. Vielmehr: Er
ist nach dem Fleische von keinem anderen Geschlecht als von Davids, dem
er es versprach, hergekommen (Rö.1 (3)), das heißt aber,
dass nach dem Fleische kein Geschlecht Gottes Wort und Verheißung, ja
seinen eingeborenen Sohn so empfangen hat, wovon er fleischlich geboren
ist, wie Davids Geschlecht.
Christus selber gibt solches genügend zu verstehen
(Mat.12 (50)),
da er alle seine Mutter nennt, Schwester und Bruder, die den Willen
seines Vaters tun. Also dann – wer Gottes Wort empfängt und bringt es
mit Vollbringung des Willen Gottes weiter, der ist eine Mutter Christi
und davon wird Christus geboren, aber nicht nach dem Fleische wie von
Maria.
Item
alle Schwere in diesem ist, dass nicht mit Fleiße bedacht noch
unterschieden wird, dass das Herkommen von dem Schoße Davids nach dem
Fleische, das heißt aus Maria geboren werden, nicht den Verstand hat,
dass Christus sein Fleisch davon genommen hätte, denn man muss wohl
bedenken, dass ein großer Unterschied zwischen empfangen werden und
geboren werden ist.
Hier
wäre natürlich, das doch auch in der Schrift gegründet ist, wohl was von
zu reden, mehr achten wir, es sei nicht mehr vonnöten, deshalb wollen
wir das auch vorbeigehen lassen, so dass was mehr vorgebracht werden
mag. David wird verheißen, dass von der Frucht seines Leibes auf seinen
Stuhl gesetzt werden sollte, was doch bildlich gesprochen ist, denn als
die Juden daraus auch verstehen, Christus wäre Davids Sohn (Ps.110
(1)), straft sie Christus und spricht: „David selbst also nennt
ihn Herr, woher ist er dann sein Sohn?“ (Mk.12 (37), Mat.22 (45))
Und sie wussten ihm keine Antwort zu geben. Desgleichen, dass zu Maria
gesprochen ist: „Gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ (Luk.1
(42)), ist allzumal aus dem Vorhergehenden leicht aufzulösen und
zu verstehen. Denn so Christus wahrhaftig in Marias Leib Mensch geworden
ist und von ihr getragen und hervorgebracht wurde, so mag er ja billig
ihres Leibes Frucht wohl geheißen werden, aber daraus folgt nicht, dass
Christus von Marias Schoß und Fleisch wesentlich geworden ist.
Hiervon nun diesmal genug. Wir bitten, dass Gott, der allmächtig ist und
voll unaussprechlicher Erbarmungen, der uns armen Sündern aus milder
Gnade in diesen und dergleichen Erkenntnissen reichlicher, als wir
schreiben können, begnadet hat, derselbe will allen Gutherzigen, die
Lust an der Wahrheit haben, die Augen ihres Herzens gnädiglich auftun
und sie mit reiner Erkenntnis seines Wortes und Willens erleuchten. Amen.
top
Von der Erlösung und Genugtuung
(Rechtfertigung) Christi
Dat
vyffte Capitel
Nachdem wir
nun hiervor von dem, wer und was Christus sei, genugsam gehandelt haben,
und er dann solches auch zur Erlösung des menschlichen Geschlechts
geworden ist, folgt, dass wir uns ordentlich die Erlösung Christi
vornehmen. Und was uns der Herr darin zu erkennen gegeben hat, das doch
bis hierher auch jämmerlich verdüstert gewesen ist, wollen wir fortan
milde und gerne mitteilen.
Demnach, so
Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, gekommen ist, den Menschen zu
erlösen, hat er sich für alle Menschen, niemand ausgenommen, in den Tod
begeben und sie erlösen wollen. Wie Johannes sagt (1.Jo.2 (1ff.)):
„Wir haben einen Fürsprecher beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten,
und er ist eine Sühnung für unsere Sünden, und nicht nur für unsere,
sondern auch für die der ganzen Welt.“ Und wiederum sagt Paulus
(1.Ti.2 (4)): „Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen
selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ Also ist die
Erlösung Christi allen Menschen zugute geschehen. Und ist des Erlösers,
unseres Herrn und Heilandes Christi, Schuld nicht, dass viele sich die
Erlösung nicht zunutze machen, sondern sie in den Wind fahren lassen und
verachten.
Dies sagen wir
anfänglich darum, dass summige befunden werden, die mit Unverstand
eingeführt und gesagt haben, dass Christus´ Erlösung nicht allemann
zugute geschehen sei, mehr sei er allein zu einer Erlösung der
Auserwählten gestorben.
Wiewohl dies
nun im rechten Verstand wohl geduldet werden möchte, so ist es ja doch
bei den Einfältigen ärgerlich, die daraus also zu denken bewegt werden:
Lieber Gott, ist Christus alleine für die Auserwählten gestorben und hat
sie erlöst, was weißt du nun, ob du erwählt bist, und also werden sie
erschreckt und der Teufel stärkt und härtet dazu, dass sie sich der
Erlösung Christi nicht annehmen und bleiben also in ihren Sünden
schmorend liegen. Hierum sagen wir anfänglich und beschließen mit der
Schrift, dass Christus gestorben ist, alle Menschen der ganzen Welt
damit zu erlösen, nicht einen einzigen davon ausgenommen, auf dass
niemand verzagen müsste, er hätte keinen Teil an der Erlösung Christi.
Die ihre Lust
an vernünftigen Reden, Verfechten und kiuen haben, die können
hier viel Blähens von der verkeisinge und vom eigenen Willen des
Menschen anführen und verwenden, was mehr zu unendlichen Fragen denn zur
Klärung dient, und wallichte werden wir durch Gottes Gnade, wenn
wir hernach vom freien Willen schreiben werden, solches zum Teil was
beantworten. Mehr hier, wo wir vorhaben, die schlichte Wahrheit an den
Tag zu geben, wollen wir uns mit solcher Disputation nicht bekümmern,
nämlich als sie fragen: Ist Christus für alle Menschen gestorben und hat
sie so alle erlöst, warum werden sie dann nicht alle selig? Wiewohl
hierauf eine gute Antwort zu geben wäre, wie aus dem folgenden auch wohl
vernommen werden sollte, so wollen wir uns aufs erste davon enthalten,
mehr, wie wir gesagt haben und sich also auch in der Wahrheit befinden
lässt. Nämlich, dass die Erlösung Christi alle Menschen angehe und sich
der alle Menschen annehmen mögen, also wollen wir zu mehr
Stichhaltigkeit nun fortan, wie sie geschehen sei, auch, wieweit sie
sich strecke, desgleichen, wie man sich ihrer annehmen und daran halten
solle, auf dass man selig werde, wieder mit Gottes Hilfe anweisen und
dem Gutherzigen zu verstehen geben.
Item, zum
ersten von der Erlösung Christi, wie sie geschehen ist, davon bezeugt
die Schrift allenthalben und offenbar, nämlich, als der Mensch durch
Ungehorsam im Paradies von Gottes Wort in Gottes Zorn gefallen ist, dem
Tod und dem Teufel eigen geworden und den Lügen des Teufels
volschafftich, in welcher Vorgabe das ganze menschliche Geschlecht
versoffen ist und durch kein anderes Mittel, als durch den Tod des
Sohnes Gottes, genesen mochte. Also hat sich der Vater erbarmen lassen
und die schwere Last der Sünden auf seinen liebsten Sohn gelegt, dass er
für sie bezahlen solle, das ist, den Tod leiden (Jes.53 (5)).
So ist nun der Sohn dem Vater bis zum Tode hin gehorsam gewesen, ja bis
zum Tod am Kreuz. Also ist der Mensch von Sünden, Tod, Teufel und Hölle
erlöst worden, wie dann hiervon überflüssig genug in aller Schrift
befunden wird.
Nun zum
anderen, wieweit sich die Erlösung Christi strecke, sollst du also
verstehen, dass sie sich nicht wider sich streckt, sondern an den ersten
Tod, in den wir durch Adam gefallen sind (Rö.5 (15)). Und
fort streckt sie sich zu einer Rechtfertigung für die Unwissenheit und
Krankheit des Fleisches, die von der selben Übertretung verursacht sind,
wie geschrieben steht. Wie sie in Adam alle gestorben sind, so werden
sie in Christo wieder lebendig gemacht. Und geschieht genauso, da der
Mensch im Tode gefangen liegt, und ist von Natur ein Kind des Zorns, in
seiner bösen Lust dem Teufel zur Ungerechtigkeit gefangen. So kommt nun
Christus und bietet seine Gnade und Hilfe all denjenigen an, die ihn
annehmen und an ihn glauben, löst sie und schenkt ihnen das Leben,
versöhnt sie mit seinem Vater und in Kraft seines Geistes macht er sie
frei von des Teufels Gefängnissen und darüber hinaus bietet er ihnen
noch seine gnädige Hand an und will sie in seines Vaters Reich geleiten,
wollen sie ihm anders gehorsam und willig folgen.
So weit
streckt sich die Erlösung Christi, und also den Menschen aus dem ersten
Tode und Gefängnissen des Teufels zu retten, ist sein Amt. Dies hat
Jesaja wohl gesehen (Jes.61 (1)), den auch Christus von
sich selber in der Synagoge der Juden anführt und sagt also (Luk.4
(18)): „Der Geist des Herrn ist bei mir, denn der Herr hat mich
gesalbt und gesandt, gute Botschaft den Armen zu verkündigen, dass ich
die verwundeten Herzen verbinde, dass ich den Gefangenen Erlösung
verkündige und den Gebundenen den Stock auftue“ etc. Seht, was der
Prophet sagt: Christus´ Amt ist, den Armen gute Botschaft zu verkünden,
das heißt denen, die ihre Sünde von Herzen bekennen. Und den Gefangenen
verkündet er Erlösung und denen, die gebunden sind, tut er den Stock
auf, das ist, er löst und macht frei, und das gleich, als wenn einer auf
seinem Leib gefangen sitzt, und derselbe wird gelöst und freigelassen,
sofern er weiterhin recht tue, will er aber das nicht tun und gelüstet
ihm mehr der Gefängnisse denn der Freiheit, so fällt er wieder in die
Verdammnis und bleibt in der Verdammnis, in der er vorher gewesen ist
und noch viel schwerer.
All so endlich
streckt sich die Erlösung Christi und seine Genugtuung, bis dass er uns
von dem ersten Tode, Unwissenheit und Krankheit frei mache. Aber wenn
wir all so erlöst und frei gemacht sind und ein Mal erleuchtet und
gereinigt von der Beschmutzung dieser Welt durch die Erkenntnisse
unseres Herrn und Heilands Jesu Christi, ist es Sache, dass wir dann
wiederum überwunden werden, Wissens und Mutwillens uns wiederum
versündigen, so hilft dann die Erlösung und Genugtuung Christi nicht
mehr (Heb.6 (4-8); 10 (26ff.). Wir haben dann auch kein
Opfer mehr für die Sünde, sondern eine schreckliche Erwartung des
Gerichts etc. Hiervon besieh die Schrift mit Fleiß, auf dass du dich
durch Unwissenheit nicht verläufst. Denn alle Unwissenheit hat keine
Unschuld. (4Mo.15 (30)): „Wenn eine Seele aus Hurerei oder
Frevel was tut“ etc. Ebenso in Kain und Juda hast du ein Exempel, und
dergleichen mehr (Mat.12 (43); 2Pe.2 (20); Heb.6 (4ff.); 1Joh.5).
Für mehr Zeugnisse der Schrift, dass, nachdem wir einmal durch die
Erkenntnisse Christi erleuchtet und erlöst sind, so wir dann mutwillig
wieder sündigen, dass wir dann in den anderen Tod fallen und keine
Erlösung mehr bei Christo haben, sondern all den Tag tiefer in
Verachtung und Verdammnis versinken, lies die Schrift mit Fleiß, so
wirst du sie wohl finden. Christus sagt: „Es ist ein schmaler Weg und
ein enges Pförtchen zum ewigen Leben.“ (Mat.7 (14)) So du
zu jeniger Seite abweichst oder jeniges Päckchen vor das Pförtchen
bringst, damit magst du nicht hineingehen. Hierum, so seht euch wohl vor
und nimm dir die Erlösung Christi recht an, davon wir nun wieder was
sagen wollen.
Als es manche
gibt, die sich des Christennamens annehmen und sich alle der Erlösung
Christi berühmen, so befinden wir in Sonderheit zweierlei, die sich
ihrer zu unrecht annehmen. Zum ersten die Papisten. Zum anderen die so
genannten und vermeintlichen gemeinen Evangelischen, die sich auch
anders Luters, Swingels oder mit dergleichen Namen nennen lassen.
Die Papisten
nehmen sich der Erlösung Christi also an. Sie sagen auch, Christus habe
sie erlöst, aber allein von der Erbsünde, dann, was sie mehr wollen oder
begehren erlöst zu sein, vermeinen sie mit ihren eigenen erdichteten
Werken und Fegefeuer auszurichten. Damit tun sie, was sie wollen, ihre
bogenckenisse und Jahreszeiten und was der abgöttischen Pfründe
mehr ist, halten sie, die sind mit Behelf des Fegefeuers und da auch
alle gut für.
Nun, die
Evangelischen berühmen sich noch mehr der Erlösung Christi und die
halten also davon, sie sagen, Christus hat uns erlöst und für uns genug
getan, so helfen nun unsere guten Werke nicht, sondern gestehen wir
Christus das zu – wir tun, was wir wollen, so ist es all wohlgetan und
mag uns nicht schaden. Falls jemand dies verneinen wollte und verwenden,
dass es nicht genauso wäre, derselbe merke wohl an beiden Werken und
richte den Baum nach seinen Früchten (Mat.7.(16)), wie es
billig ist, so wird er uns solches zugestehen müssen. Auch besieh er
ihre Schriften, so wird er dergleichen da auch drin finden. Mit den
Papisten hat es ganz keine Zweifel, deshalb ist es nicht nötig, ihre
Schriften anzuführen, dann mit den Evangelischen, die sich Luthers
nennen, falls jemand daran zweifeln sollte, dass sie genau so herum
müssen, wollen wir von des Luthers eigener Schrift zum Teil anweisen. In
der Postille des dritten Sonntags im Advent ( wie sie es nennen ) sagt
Luther, dass man alle Werke fallen lasse, allein glaube und nichts tue.
Ebenso in dem Böxken gegen die Wiedertäufer sagt er, der Glaube sei so
zart, er möge keine guten Werke bei sich leiden. Hieraus siehst du, wie
dem Glauben, der ohne Zweifel für die Erlösung Christi steht, so weit
und unendlich zugestanden und gestreckt wird, und das ohne Tun oder
zumindest keine achtzuhaben, was man tut. Dann recht sollte man
sprechen, Christus hat uns erlöst, es gilt nun gleich viel, was wir tun,
denn gute Werke gelten nicht. Nun wird in diesen beiden gröblich
gefeilt, denn der eine Teil, die Papisten, geben der Erlösung Christi
zuwenig zu, der andere aber gibt ihr zuviel zu und nimmt alle
Gottesfurcht hinweg, daraus ein wildes und wüstes Leben folgt und die
Erlösung Christi verspottet wird. Wie du dies aus täglichen Exempeln der
oben genannten und nun fort, so wir anweisen, wie man sich der Erlösung
Christi recht annehmen und daran halten soll, wieder und klarer
vernehmen magst.
Demnach,
willst du nicht feilen, sondern gewiss deines Glaubens in Christo Jesu
durch seine Erlösung die Seligkeit erlangen, so musst du fürwahr dich
ihrer nicht kürzer noch weiter annehmen, als Gott will und die Schrift
davon meldet. Nun also meldet die Schrift ( Eph.2.(3ff)),
dass du wie alle Menschen von Natur ein Kind des Zornes bist, der Sünde,
dem Tod, Teufel und der Hölle unterworfen. Da du nun in solchen
Gefängnissen liegst, kannst du dir selber nicht helfen, auch niemand
anders denn alleine Christus. Hier kommt nun Christus und lässt dir
verkünden, er habe dich gekauft und erlöst, und dazu du gefangen bist,
zum Tode, den habe er für dich bezahlt. Ist es nun Sache, dass du, der
du gefangen bist und dem solches verkündet wird, sodann die gute
Botschaft von Christo annimmst und glaubst, so bist du frei und selig
(Joh,3.(16)). Glaubst du aber nicht, so bist du in dem Tode.
Und wenn bei dir diese Botschaft von Christo ankommt, du seiest dann, wo
du willst, auch so sündig, wie du magst, so wirst du doch von allen
Dingen gereinigt und magst empfangen, ein Kind Gottes zu werden, so du
anders Christum rechtschaffen annimmst (Joh.1.(12)). Nun ist das
aber nicht Christum rechtschaffen annehmen, dass ( wie die Papisten tun
) man ihm allein der Erbsünde Erlösung zuschreibt. Denn wenn er kommt,
so erlöst er von allem, worin wir durch Adams Fall, Unwissenheit und
Blindheit unseres Herzens vorher gefangengelegen waren. Auch ist das
nicht Christum rechtschaffen annehmen, dass wir seiner Erlösung glauben
und nehmen uns ihrer an, um dann fort gleichwohl im vorherigen Wandel
steckenzubleiben, wie man leider bei den gemeinen Evangelischen spürt.
Sondern Christum recht annehmen und lernen, wie denn in Jesu ein
rechtschaffenes Wesen ist, das ist, alsbald und nachdem wir von ihm
gehört und ihn bekannt haben, dass wir dann den alten Menschen mit dem
vorhergehenden Wandel ablegen, uns erneuern im Geiste unseres Gemüts und
ziehen den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist, in
rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit an. Der also Christum und
seine Erlösung annimmt, der nimmt sie recht an. Und ist es, dass er
dabei bleibt und sich daran hält und weitergeht, so ist er rechtschaffen
erlöst und selig. Anders wer sich Christum und seiner Erlösung also
nicht annimmt oder der, nachdem er Christum und seine Erkenntnisse
empfangen hat, sich wieder umsieht und zurückfällt, lässt sich das alte
Leben noch gelüsten und von der Beschmutzung dieser Welt überwinden
(Gal.5.(19)), also da sind die Werke des Fleisches, an dem
ist die Erlösung Christi verloren und desselben Verdammnis soll recht
sein. Wie sie dann recht verdammt werden, nämlich die beiden, die
Christum nicht rechtschaffen aufnehmen wollen und die sich auch nicht
recht daran halten.
Nun, dass wir
also durch Christum erlöst werden, bezeugt Zacharias, ein Vater
Johannes´, ganz artig und öffentlich in seinem Lobgesang
(Lk.1.(68ff.)): „Gelobt sei Gott, der Herr Israels, weil er sein
Volk heimgesucht und erlöst hat“ etc. Nun, wie und wozu ist die Erlösung
geschehen? Spricht er wieder, dass wir, erlöst aus der Hand unserer
Feinde, ihm ohne Furcht die Tage unseres Lebens dienen sollen, und das
in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist etc. Seht, also
erlöst Christus die Seinen, also nehmen dieselben seine Erlösung auch an
und also halten sie sich auch dabei. Hieraus magst du nun selber
bedenken, wie unwürdig und gering die Erlösung Christi eine lange Zeit
gehalten wurde und bitte Gott, dass er dich gelehrt mache, sie recht und
in Würden zu halten und dass dazu die rechte Lehre Christi wiederum an
den Tag kommen möge. Davon wollen wir in dem nachfolgenden Artikel auch
handeln.
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Von der rechten und ordentlichen Lehre Christi
Dat seeste Capittel
Derweil die rechte Lehre Christi lange Zeit verdüstert gewesen ist und
noch auf mancherlei Weise angesehen und nicht recht geteilt wird,
sondern die eine Weile hierher, die andere daher, und kiuen
gemeinhin über Fragen, die der Sache nicht dienen, womit dann nicht
alleine Zwiespältigkeit angerichtet wird, sondern auch der gemeine,
einfältige Mann all so verworren, dass er nicht weiß, wohin er sich doch
wenden soll. Hierum, wie Gott uns davon gerettet und die rechte
Christliche Lehre restituiert hat, wollen wir hier, den Einfältigen und
Gutherzigen zugute, auch zu verstehen geben.
Paulus sagt (Rö.9.(28)), ein verkürztes Wort wird Gott auf
Erden machen. Also ist die rechte Lehre Christi in kurzen Worten
begriffen, nämlich in dieser Hauptsumme: Bekehrt euch und glaubt dem
Evangelium (Mk.1.(15)). Genauso kurz hat auch Christus
seine Lehre seinen Aposteln befohlen. „Gehet hin und lehret alle Heiden,
tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.
Lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe“ (Mat.28.(20)).
Also auch Markus 16 (15): „Gehet hin und predigt das
Evangelium allen Kreaturen.“ Dies ist nun kurzgesagt das Evangelium und
die Lehre, welche sie führen sollten, nämlich, bekehrt euch und lasst
euch eure Sünden leid sein, glaubt dem Evangelium, dass Christus für
eure Sünden gestorben ist und lasst euch auf seinen Namen taufen, zur
Abwaschung eurer Sünden, so sollt ihr die Gabe des heiligen Geistes
empfangen, dass ihr Lust habt, euch an Gottes Gebot zu halten. Auf diese
Weise liest du, dass Petrus dem Volke die rechte und ordentliche Lehre
vorgehalten hat (Apg.2 (38)). Also ist die rechte Lehre
Christi eine schlichte, einfältige Lehre, die für niemanden zu hoch zu
begreifen ist. Ist auch nicht in geschmückten Reden, sondern in der Tat
und Kraft gelegen, nämlich, wie es David auch kurz ausstreckt: „Steh auf
von den Quaden und tu Gutes.“ (Ps.34 (15))
Dies ist der Grund der rechten Lehre Christi, wer hierin gelehrt ist all
so, dass er dies mit der Tat bewies, der ist recht gelehrt. Nämlich,
dass er die Sünde hasse und, nachdem er so in Christum glaubt, sich
daraufhin taufen lässt, dass er alles, was er gelehrt werden mag und
befinden kann, was Gottes Wille und Gebot ist, dass er das willig und
gerne halten will (Mat.5.(13)). Hierum ist auch in der
Lehre Christi ordentlich fortzufahren. Also,
Anfänglich soll man dem Menschen, derweil er ein Sünder ist und deshalb
dem Tode unterworfen, Buße und Bereuen der Sünden vorhalten. Sind ihm
alsdann seine Sünden leid und ist er deswegen von Herzen betrübt, so
soll man ihm die Erlösung Christi von all seinen Sünden, das ist das
rechte Evangelium, verkündigen, glaubt er dem und nimmt es an, so folgt,
dass er, getauft in Abwaschung seiner Sünde, mit Christo den Sünden
begraben, seiner heiligen Gemeinde einverleibt wird. Danach, so er nun
ein Gliedmaß Jesu Christi geworden ist, ja ein Bruder und Miterbe
Christi, so muss er fortan den Fußstapfen Christi in aller Gehorsamkeit,
Gerechtigkeit und Heiligkeit nachfolgen. Ist es, dass er dann in dem
Wege bis zum Ende vollherzig bleibt, so soll er selig sein. Wer aber
zurücksieht oder zur Seite abweicht oder in der Bahn liegen bleibt und
seinen Lauf nicht vollendet, dem wäre es besser, dass er den Weg der
Gerechtigkeit niemals gekannt hätte (Apg.22; 1Pe.3; Rö.6 (11);
1Ko.12 und 9 (24); 1Pe.2 (1ff); Mat.10; Luk.9 (23); 2Pe.2 ).
Hier hast du nun kurz angezeigt, was die rechte und ordentliche Lehre
Christi ist. Nimm dir die ganze Schrift vor und durchleuchte sie wohl,
so wird sie dir doch keine andere Lehre und auf keine andere Weise ( als
nötig zur Seligkeit ) anweisen. Weithin wird diese ganz wenig geachtet,
sondern um viele andere unnötige Fragen und Stücke kümmern sich die
Menschen, in Sonderheit die Gelehrten über alle maßen. Das kommt daher,
dass wir mehr zu unnötigen Fragen klockweßen geneigt sind, auf
dass wir bei den Menschen Preis haben, als dass wir schlicht und recht
auf Gottes Wegen mit Demut unter dem Kreuze wandern sollten. Mehr,
lieber Leser, wer du auch bist, Bruder oder guter Freund, hast du Lust
zur Seligkeit, so lass doch allerlei Disputation fahren und halte dich
an die rechte, schlichte und ordentliche Lehre Christi, schicke dich
danach mit freiwilliger Tat, denn es ist hohe Zeit. Und alsdann sollst
du die Lehre Christi recht verstehen und mittels des Vollbringens und
tätigen Haltens der Gebote Gottes gelehrt werden – und wenn du hundert
Jahre mit Disputieren und Fragen umgehst – wie Christus sagt
(Joh.7 (17)): „So jemand Gottes Willen tun will, der wird
bekennen, ob diese Lehre von Gott sei“, etc. Wenn man die Lehre Christi
den Menschen also ernstlich vorhält und dass man darin beständig bleiben
muss, oder das Letzte würde ärger sein als das Erste (Mat.12 (45);
2Pe.2 (20)), so pflegen wohl etliche zu antworten und zu sagen:
Eych, steht es jetzt so, so ist es besser, dass wir davonbleiben.
(Lk.8 (7,14)) Hierauf antworten wir: Der Mensch liegt von Natur
im Tode, und so er durch Christum nicht erlöst wird, muss er im Tode
bleiben, da es keinen anderen Weg zum Leben gibt als den schmalen, engen
Weg durch Christum. Wenn du nun auf diesen Weg hingewiesen wirst und
darauf treten mögest, willst du dann nicht, so bleibst du im Tode, aber
begibst du dich darauf, so bist du ja in dem Wege und hast eine
Hoffnung, zur Seligkeit zu kommen, willst du anders fortan und nicht
mutwillig abfallen. Denn Christus will dir helfen. Hierum verzage nicht,
auf den Weg der Gerechtigkeit zu treten, denn wie wir in uns das
Vermögen nicht haben, es zu vollbringen, so werden wir alles in dem
vermögen, der uns stärkt, Christus, und ohne welchen wir nichts vermögen
(Php.4 (13); Joh.16 (23)).
top
Von
der Taufe
Dat seuende Capittel
Gleich wie im Papsttum alle Christliche
Lehre und Ordnung verwüstet ist, also auch die Taufe. Christus hatte die
Taufe dazu eingesetzt und befohlen, man solle denjenigen damit von
Sünden waschen und in seine heilige Gemeinde aufnehmen, die gelehrt
waren, das Evangelium gehört und ihm geglaubt hatten, und das in
schlichtem Wasser, wie du aus den Werken und Schriften der Apostel
verstehen magst [Apg.2.(3,38); 1Ko.12.(12,13)]. Nun aber hat der
Widerchrist ein Kinderwaschen daraus gemacht und mit seiner Zauberei,
wie mit Pusten und Schmieren, einen Abgott von dem Wasser gemacht. Als
wir das nun gemerkt und verstanden haben, hat Gott durch seine Gnade,
durch Zeugnisse der Schrift und seines Geistes uns wieder gegeben und
wieder eingesetzt – mit Namen – da wir geneigt waren, mit aller
Sorgfältigkeit in Gottes Wegen zu wandern. Dann, auf dass du auch
verstehen magst, dass die Taufe unwissender Kinder eine falsche,
widerchristliche Taufe ist und die rechte Taufe alleine den Gelehrten
und den Gläubigen in Christo Jesu zusteht, so wollen wir etliche Sprüche
der Schrift dazu dienend anweisen und erklären.
Wie wir hier zuvor von der Ordnung
Christlicher Lehre gesagt haben, da verstehst du, dass es das erste ist,
dass sich der Mensch bekehre und glaube dem Evangelium, dann folgt zum
anderen, dass er getauft werde, gereinigt von Sünden in den Leib und die
Gemeinde Christi angenommen werde. Also spricht Christus Marci im
letzten (16): „Wer gläubig ist und getauft wird, der soll selig sein.“
Wenn dann nun die Lehre des Evangeliums und der Glaube vorgehen müssen
und danach die Taufe folgen muss, wer ist dann so dull, der nicht merken
kann, als alleine die, denen die papistische Zauberei die Augen
beköchelt, dass Taufen ohne Glauben eitel und vergebens ist, ja nicht
alleine vergebens, mehr auch ein Spott und Laster der rechten Taufe und
Ordnung Gottes. Item die Apostel haben sich erschreckt, jemanden zu
taufen, wenn sie sich nicht vorher des Glaubens versicherten. Also da
der äthiopische Kämmerer Candacis von Philippo die Taufe begehrte,
antwortete Philippus: „Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es
geschehen.“ [Apg.8.(37)] Recht sollte er sprechen: Anders
auch nicht. Desgleichen ist auch aus den Worten Petri zu verstehen. [Apg.10.(47)] „Wer soll verhindern mögen, diese mit Wasser zu taufen, die gleich uns
auch den heiligen Geist empfangen haben?“ Hätten sie aber den heiligen
Geist nicht empfangen, so hätten sie sich fürwahr beschwert, dieselben
so bald zu taufen, und aufgehalten. Also ist es offenbar aus der
Schrift, dass man erst gelehrt sein muss und glauben, ehe man dann recht
getauft werden mag. Hiervon ist vor und nach so viel geschrieben und
bewiesen, dass wir es bei den Gutherzigen nicht vonnöten halten, hier
mehr und länger Worte von zu machen, und den Böswilligen und
Kyffafftigen dienen wir nicht. Denn obschon wir denen die Sonne der
Wahrheit in die Hand täten, so hilft es doch nichts, sondern sie werden,
je länger je mehr, verblendet und verstockt. Nachdem wir nun von Gottes
Gnaden durch Zeugnisse der Schrift und des Geistes Christi befunden
haben, dass das ganze papistische Christentum eine Verwüstung und
Verkehrung der Lehre und aller Ordnungen Christi ist, also auch die
Taufe, haben wir wohl bekannt, dass wir, ungelehrt, ungläubig und
Unwissende in der Blindheit, in dem betörenden Wasser gewaschen, nicht
recht getauft worden sind. Denn wollten wir rechte Christen sein und in
den Weg der Gerechtigkeit gehen, so müssten wir, nachdem wir gelehrt und
gläubig wären, zur Begrabung unseres sündigen Fleisches, wie es sich
Christlich gehört, getauft werden. Lies die Schrift selber. [Mat.28.(19);
Mar.16.(16); Rö.6.(37); 1Ko.12.(13); Gal.3.(27); Kol.2.(12); 1Pe.3.(21);
Apg.2.(38), 8.(12), 10.(47), 16.(15), 19.(5ff), 22.(16)] etc. Und
wir dôren vor Gottes Angesicht sprechen: So wahrhaftig wie
Christus lebt, es gibt keinen anderen Weg noch Lehre zur Seligkeit,
sondern man entziehe sich ganz der papistischen Verwüstung und aller
dwellinge, und gehe recht nach der rechten und ordentlichen Lehre
Christi auf dem Weg seiner Gerechtigkeit fort und seinen Vorstapfen
nach.
Christus, der unser Vorbild ist, wie
Petrus sagt, ist zur Taufe gegangen, da er sich ganz in den Gehorsam
seines Vaters übergeben wollte. [Mat.3.(15)] Und als ihm der
Täufer wehren wollte, sprach er zu ihm: „Lass es nun also geschehen,
denn also müssen wir alle Gerechtigkeit erfüllen.“ Also ist die Taufe
ein Rat Gottes, damit sich der Mensch mit Gott verbindet und sich ganz
in Gott und seinen Gehorsam übergibt. Das heißt auch im Namen Gottes
oder Christi oder in Christum getauft sein. Wie Paulus sagt [Gal.3.(27)]:
„Die ihr getauft seid, ihr habt Christum angezogen.“
Wir wissen wohl, dass die Weltweisen in
Sonderheit und die sonst Gott wenig fürchten die Taufe vast für
einen Spott halten und meinen, es sei nicht vonnöten, obschon die
Kindertaufe unrecht ist, dass man dennoch mit Wasser recht getauft
werden müsste. Aber das liegt nicht an, deswegen soll Gottes Ordnung
wohl recht bleiben. Denn die Pharisäer und die recht Weisen verwarfen
auch Gottes Rat für sich selber und wollten nicht getauft sein. [Luk.7.(30)] Gottes Werk ist darum nicht nachgeblieben, also wird es der HERR auch
noch wohl schicken.
Christus hat geschworen und gesprochen [Joh.3.(5)]:
„Es sei, dass einer wiedergeboren sei aus dem Wasser und dem Geiste, so
mag er das Reich Gottes nicht beschauen.“ Wohlan, lasst sehen, was
hiergegen alle menschliche Weisheit und Kraft zu seiner Zeit
herauszubringen vermag. Er sagt, wiedergeboren werden aus dem Wasser,
und nicht schlicht hereingesteckt und herausgezogen werden, wie man in
der päpstlichen und widerchristlichen Verwüstung den Kindern tut und den
anderen Getieren und Kreaturen auch wohl tun kann. Bedenk das wohl,
wiedergeboren werden aus dem Wasser, was das sei, wie Paulus auch sagt,
dass wir aus der Taufe aufstehen in einen neuen Menschen oder in ein
neues Leben. [Rö.6.(4)] Es sei nun hiervon genug, wir wollen in
dieser Schrift nicht langweilig disputieren, sondern alleine, wie die
Christliche Lehre durch Gottes Gnaden bei uns restituiert ist, anweisen,
wie wir dann von der Taufe gesagt haben, dass die Gläubigen damit zu dem
Willen Gottes in eine heilige Gemeinde und Leib Christi mittels einen
Geistes verbunden werden, wollen wir nun ordentlich von der Heiligen
Kirche schreiben und handeln.
top
Von der heiligen Kirche oder Gemeinde Christi
Dat
Achte Capittell
Nachdem der erste Mensch, den Gott zu
seinem Preis geschaffen hatte, von solcher leiblichen und seligen
Schöpfung abgefallen ist und hat Gottes Wort, durch welches er Gott
mittels des Gehorsams preisen sollte, verlassen, so hat der
allerbarmherzigste Gott dennoch, auf dass er von den Menschen geehrt
werden möge, um seiner Güte willen wiederum aufgerichtet und gewollt,
dass fortan von Geschlecht zu Geschlecht ein Volk auf Erden sein sollte,
dass ihn vor Augen habe und preise, auf dass er mit seiner Güte allzeit
desto gnädiger bei ihnen weilen möchte. Denn seine Lust ist, umgehen und
weilen mit den Menschenkindern. Hierzu (weil die leider sehr unachtsam
in dieser Sache waren) hat sie Gott selber lange Zeit unterrichtet und
gelehrt, so lange, bis dass der Menschen Bosheit überhand genommen hat
und deshalb Gott, der alleine und das vollkommen gut ist, sie nicht
länger ertragen mochte. Also liest du, dass er mündlich Adam, Cayn und
derer mehr zum guten unterrichtet hat. [1Mo.6.(12); 3.]
Und wiewohl er hiermit aufgehört hat, so
hat er doch nicht unterlassen, den einen Boten und Propheten über den
anderen allzeit zu senden, die die Menschen zum guten lehren und
ermahnen sollten, auf dass also seine Güte von den Menschen bekannt und
gepriesen und die Menschen selig werden mögen. Aber das hat alles nicht
helfen mögen, denn endlich sind sie doch alle ungehorsam gewesen und
haben Gottes Stimme und Wort verachtet, ja nicht alleine das, sondern
auch alle Propheten und Gottesdiener verhöhnt und ermordet. Also hat
Gott allzeit von Anbeginn wiederum ein Volk gesucht, das seine Gerichte
halten sollte, seinen heiligen Namen in Ehren haben und selig werden,
und hat dazu mancherlei Patriarchen und Propheten, Moses mit den anderen
Propheten, Priester und Richter, Herzog und Könige und allerlei seiner
Diener erweckt. Dann, es hat nicht geraten mögen, sind sie endlich alle
entfallen, unnütz geworden und niemand wollte Gutes tun.
[Ps.14.(3)]
Nun zum letzten wie Gott sagt, dass Kost
und Arbeit schier mit den Menschen verloren war und dass sie keinen
Propheten hören wollten, hat dennoch Gott, der allergutherzigste
Liebhaber der Menschen, die Menschen nicht verlassen wollen, und wiewohl
sie sosehr undankbar waren, hat er dennoch aus unaussprechlicher Liebe
seinen eingeborenen Sohn gesandt, ob die Menschen vielleicht diesen
empfangen würden, und er ein neues Volk versammeln möge, das in
Heiligkeit und Gerechtigkeit seinen Namen preisen wolle. Ja, er hat den
Heiden dazu seinen Sohn geschenkt und ihn über Zion, seinen heiligen
Berg, zu einem König eingesetzt, dass er ihnen seinen Willen verkünden
sollte und sie seinem Vater zu einem angenehmen Volke zu rüsten.
[Ps.2.(6)] Nun, der Sohn Gottes ist gekommen und hat die
Botschaft und den Willen seines Vaters mit allem Fleiß ausgerichtet. Er
hat das verlorene Schäfchen gesucht und auf seinem Hals wiederum zum
Vater gebracht, und wiewohl er nicht nach seiner Würde auf Erden
empfangen worden ist, sondern ist von den Undankbaren, gleich wie alle
Gesandten Gottes, getötet worden, so hat er dennoch, wiewohl ein sehr
kleines Häufchen, ja doch ein Völkchen versammelt, das sein Wort
aufgenommen hat und das zu tun, was sein Wille war, geneigt war. Nachdem
er sie selbst gelehrt und alles, was er von seinem Vater empfangen,
verkündet hatte, ist er von ihnen zum Himmel aufgefahren und, auf dass
sie in allen geschickt sein möchten, hat ihnen den heiligen Geist, einen
Tröster und Meister aller Wahrheit, gesandt. Seht, dies Völkchen nun,
das Christus also versammelt und mit einem Geiste begabt hat, war die
Gemeinde Christi und ein Anfang der heiligen Kirche. Also hat die
heilige Kirche begonnen, das ist eine Gemeinde solchen Volkes, von Juden
und Heiden und allen Völkern der Erde versammelt, die, welche die Lehre
Christi aufgenommen hat, sich darin nach dem Willen Christi zum Preise
Gottes, seines Vaters, aufhalten. Diese Gemeinde ist auch fortan
wahrhaftig und alleine Gottes Volk gewesen. Und wiewohl sich die Juden
auch Gottes berühmen und das um Abraham und des Gesetzes willen, derweil
sie Christum, den Sohn Gottes, dennoch verworfen und nicht annehmen
wollten, so hat sie Gott auch verworfen und hat sich von den Heiden, die
Christum, seinen Sohn, annehmen, gnädig finden lassen.
Item nun weiter ist von der heiligen
Gemeinde Christi zu wissen, dass, nachdem sie nach der Zeit der Apostel
jämmerlich verstört und verwüstet worden ist, so dass auch nichts
Gesundes darin geblieben ist, dass es vonnöten ist, dass man fleißig
unterscheide, was die heilige Christliche Gemeinde eigentlich sei und
was ihr Zubehör ist. Denn nicht alles, das Christ heißt, ist Christ,
mehr der rechtschaffen in Christo steht und lebt, das ist ein Christ.
[Mat.7.(24ff)] Nun die rechte Christengemeinde ist diese:
Eine Versammlung, groß oder klein, die mit wahrer Bekenntnis Christi
also auf Christum gegründet ist, dass sie alleine seine Rede halten und
all seinen Willen und Gebote vollbringen. Solch eine Versammlung, die
sich so schickt, ist wahrhaftig eine Gemeinde Christi. Welche aber
hierin mangelt, und wenn die schon hundertmal den Namen hat, so ist sie
doch in der Wahrheit keine Gemeinde Christi. Das dies wahr ist, und dass
die rechte Erkenntnis, wer und woher er sei, und dass er alleine der
Seligmacher und Heiland sei, bezeugt die Schrift allenthalben
überflüssig. [Jes.28.(16)]: „Nehmet wahr, ich will in Zion
einen Stein legen“ etc. „wer auf ihn vertraut, soll nicht verschämt
werden.“ 1Pe.2.(6); Mat.16.(13) gibt Christus solches mit
klaren Worten zu verstehen. Da sprach er zu seinen Jüngern also: „Für
wen halten die Leute den Menschensohn?“ etc. Und er sprach noch zu
ihnen: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ So antwortete Symon Petrus
und sprach: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Und wie
du da selbst wieder lesen magst [Joh.7.(7,29)], dass es
also auch vonnöten ist, auf dem Grunde zu bleiben, dass wir uns
alleine an die Rede Christi halten [Joh.15.(6)] und tun,
was sein Wille ist, bezeugt er offenbar selbst seinen Jüngern und
spricht [Joh.8.(31)]: „So ihr mein Wort haltet, so seid
ihr wahrhaftig meine Jünger.“ Und wiederum [Joh.15.(14)]:
„Ihr seid meine Freunde, so ihr alles tut, was ich euch befehle.“ Aber
wer sich um andere Lehren und Gebote kümmert, der mag kein Jünger noch
Freund Christi sein und deshalb auch nicht in der Gemeinde Christi
[Mat.27.(19)], denn dazu gehört niemand außer den Jüngern und
Freunden Christi, die seine Lehre und Gebote halten. Hierum, als
Christus seine Apostel aussandte, um seine Gemeinde zu sammeln, sprach
er zu ihnen und gab ihnen diesen Befehl [Mat.28.(19)]:
„Gehet hin und lehret alle Völker, tauft sie im Namen des Vaters, des
Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, das ich
euch befohlen habe.“ Als erstes, Lehren heißt, dass sie ihnen Gottes
Willen in Christo vorhalten und von Grund auf lehren müssten. So sie
dann die Lehre aufnehmen und Jünger Christi werden wollten, sollten sie
sie taufen, damit sie Christum anzögen und seiner heiligen Gemeinde
einverleibt würden. [Gal.3.(27); 1Ko.12.(12ff.)] Danach
zum letzten, auf dass sie Freunde Christi bleiben mögen, sollten sie die
Getauften lehren, alles zu halten, das Christus befohlen hat, wie du
dies klar in den apostolischen Schriften vernehmen magst. Seht, dies ist
die rechte Gemeinde am Anfang gewesen und ist es auch noch, denn obschon
sich viele andere der Christengemeinde annehmen, wie es dann auch der
rechte widerchristische Haufen, die Papisten, tut, ist es doch eitel und
umsonst. Es ist nicht alles Gold, was dem Golde gleich scheint.
Nun weiter, wie aus dem vorherigen
leicht verstanden werden mag, dass zuerst zweierlei vonnöten ist und der
rechten Christengemeinde zugehören, nämlich mit rechter Erkenntnis
Christi in Christum glauben, und alleine seine Rede bewahren und alles
halten, was er befohlen hat, so ist diese Wahrheit leider seit
vierzehnhundert (und mehr) Jahren so ganz verfälscht, verstopft und
unterdrückt, und das allermeist durch den Papst und seinen Anhang, dass
man schier keine Fußstapfen der rechten Christlichen Gemeinde auf Erden
finden kann. Und als zu diesen letzten Zeiten, durch die Klarheit der
Wiederkunft Christi, der nun seine Gemeinde wiederaufbauen und gegen
alle Höllenpforten herrlich machen will, das Licht der Wahrheit, die
Lehre des heiligen Evangeliums hervorgebrochen ist, och Lieber, wer
hätte davon gesprochen – Seht da ist ein rechtschaffener Christ, wir
verschweigen eine Gemeinde Christi? – sondern alle waren sie abgetreten,
dass wir wohl mit den Propheten und Paulo zu diesen Zeiten auch sprechen
möchten [Jes.1.(9); Rö.9.(29)]: „Hätte uns Gott nicht ein
malateken (Same) behalten, wir wären wie Sodom und Gomorra umgekommen.“
Falls nun jemand hieran zweifeln wollte
oder verneinen, dass es all so geschehen ist, wohlan, so wollen wir
etliche Stücke leicht beweisen. Erstens von der rechten Erkenntnis
Christi, dass er der ewige und lebendige Sohn Gottes sei und dass das
Wort Fleisch geworden ist etc. Wer hat doch davon die Wahrheit gewusst?
Und solche Wahrheit, wie Johannes und die alten Schreiber bezeugen,
Johannes, der die Lügen straft [1Jo.4.(6)], die Schreiber,
die ihr beipflichten, ist zuzeiten der Apostel angefangen, verdüstert zu
werden. Item von der Erlösung Christi, dass er alleine unser einziger
Mittler und Seligmacher ist und dass man allein auf ihn sein Vertrauen
setzen soll. Ist es nicht offenbar, dass es verwüstet gewesen ist, mehr
Silber und Gold, Stein und Holz, Wasser und Brot und die verstorbenen
Heiligen und römische Bullen etc. dafür gehalten werden und daran die
Seligkeit gesucht worden ist. Dies ist bekannter, als dass wir es
vonnöten achten, davon viel zu schreiben, und Gott hätte wohl zu uns
gesprochen, wie er vormals zu Juda und Jerusalem durch Jeremias
gesprochen hat [Jer.2.(28), 11.(13)]: „So viele Stätte du
hast, O Yuda, so viele Götter hast du auch, und so viele Straßen in dir
sind, O Hyerusalem, so viele schändliche Altäre habt ihr aufgerichtet,
auf denen ihr dem Baal geräuchert habt.“ Wieder, dass man nicht in der
gesunden Lehre Christi geblieben ist und seine Gebote nicht gehalten
hat, sondern mit eitlen Menschenlehren umgegangen ist, bezeugen genug
das Dekret und Dekretall, Consilia und Statuta und der ganze greueliche,
abgöttische Dienst, der noch im Papsttum im Schwange ist und zum Teil
auch den Evangelischen hart anklebt, das ja zum Erbarmen ist, denn wie
der Herr sagt [Off.3.(15)]: „Och, wärst du kalt oder warm,
denn derweil du so wlak bist, so muss ich dich ausspeien.“ Also wäre es
auch besser, dass sie ganz Papisten blieben, als dass sie mit halber
Wahrheit umgehen, da doch halbe Wahrheit keine Wahrheit ist, wie,
mittels der fünf dullen Jungfrauen, die mit halber Wahrheit handelten,
Matthäus 25.(1-13) bezeugt und anweist, Türen geschlossen
werden. Also die Lutersschen, die der papistischen, lateinischen Messe
Feind sind, sie hochverdummen, und eigene erwählte, deutsche Messen
anrichten, gar eben, als wäre in Latein übler zu handeln als im
deutschen. Dies lass dir zu Herzen gehen, lieber Leser, und bedenk es
wohl, so wirst du ohne Zweifel dem Herrn Preis geben und die Wahrheit
mit uns bekennen, es würde zu lang sein, sollten wir von allem
schriftlich vorhalten.
Nun nachdem wir gesagt haben, was die
rechte heilige Kirche ist und was ihr zugehört, auch wie sie verfallen
ist, dass sie zwar schwer wiederum zu ihrem Status kommen kann, so
wollen wir nun endlich sagen, wie sie durch Gottes Gnade bei uns
restituiert ist und noch täglich vermehrt wird. Anfänglich, so wir durch
Gottes Gnade aus Gottes Worten nach viel Mühe und Arbeit die rechte und
ordentliche Lehre Christi verstanden haben, so haben wir auch begehrt,
uns danach zu schicken. In dem hat Gott erweckt, die uns, so wir gläubig
waren, im Namen Gottes getauft haben, und also sind wir durch seinen
Geist ein Leib in einem brüderlichen Leib zu Hofe gewachsen, all so,
dass wir Gottes Wort und Gebot mit Christlicher Gemeinschaft
untereinander zu halten uns steter Weile befleißigt haben und auch noch
befleißigen, ja also auch, was wir noch täglich befinden können, was
Gottes Wille ist, das wollen wir tun, es koste, was es will. Dies sagen
wir nicht zu unserem Preis, sondern alleine unserem Gott sei die Ehre,
der uns zu solchem Leib neu geschaffen und seinen Sohn Christum zu einem
Haupt über uns gesetzt hat. Nun hiervon genug, doch dessen seid noch
ermahnt, wie in der Gemeinde Christi wahrhaftiges Vergeben der Sünden
ist und ein offener Weg zur Seligkeit, also ist ein enges Pförtchen
davor. Darum streitet, durch das Pförtchen reinzugehen, denn viele, sage
ich euch fürwahr, spricht Christus, werden danach trachten und doch
nicht können, nämlich von da an, wenn der Hausvater aufgestanden ist und
die Tür verschlossen hat. [Mat.7.(14); Luk.13.(24ff.)]
top
Vom Halten der Gebote Gottes und guten Werken
Dat Negende Capittel
Da
wir hier zuvor von der heiligen Kirche geschrieben und da gesagt haben,
wie es wahr ist, wer da hineingeht und da drinnen ein Freund Christi zu
bleiben begehrt, dass derselbe all dasjenige halten muss, das Christus
geboten hat, hierum wollen wir nun weiter vom Halten der Gebote Gottes
und guten Werken wieder was traktieren. Und das der Ursache, da wir hier
in mancherlei volent, sowohl unter den Gelehrten als auch beim
gemeinen Manne, spüren. Wir befinden vast dreierlei Meinung von
den guten Werken und Halten der Gebote Gottes.
Erstens gibt’s die Papisten, die halten ihre gedichtete Heuchelei für
die rechten guten Werke und wissen von Gottes Geboten und Worten schier
nichts zu sagen und vermeinen, dadurch die Seligkeit zu erlangen. Mehr,
diesen ist der Mantel wohl so sehr zu kurz, dem Herrn sei Lob und Dank,
dass man ihre Schande wohl sehen kann und dass uns nicht vonnöten ist,
sie weiter aufzudecken.
Zum anderen, so gibt’s die gemeinen Evangelischen, diese berühmen sich
so sehr des Glaubens und halten sich mit Unverstand daran, dass sie
schier ganz nicht oder gar wenig auf das Halten der Gebote Gottes und
auf die guten Werke Acht haben, und sagen öffentlich aus, die guten
Werke helfen nicht zur Seligkeit etc. Dazu macht ihnen der Teufel weis,
wäre es Sache, dass sie sich im Halten der Gebote Gottes und in den
guten Werken übten, so sollten sie für Hypokriten und Heuchler
gescholten werden. Diese Meinung hat dem Evangelium leider großen
Schaden und Schande eingebracht und, wie wohl zu befürchten, manchen
Menschen in die Verdummung geleitet, die sich des Glaubens des
Evangeliums mit Rate der Papisten und dergleichen angenommen haben. Dann
die Kraft des Glaubens und des Evangeliums um solcher falscher Meinung
willen vergessen, und müssen deshalb endlich Arbeiter der Bosheit
gescholten werden, wie Christus von denen spricht, die sich berühmen,
sie hätten in seinem Namen prophezeit und Wunder getan.
[Mat.7.(22)]
Zum dritten gibt’s auch etliche, die sagen: Halten der Gebote Gottes und
der guten Werke sind wohl nütze und vonnöten, doch der Mensch vermag es
nicht, dass er sie halte und tue. Diese Meinung macht auch manch gutes
Herz verzagt, dass es sich nicht in den Streit und die Arbeit, das Übel
zu überwinden und das Gute zu vollbringen, begibt.
Nun hier ist wohl vonnöten, dass ein Christ recht unterwiesen sei.
Hierum, wie die drei vorhergehenden Meinungen unrecht und ärgerlich
sind, was dann die beiden letzten mit Behilf der Schrift annehmen, so
wollen wir durch Gottes Hilfe und Gnade den rechten Verstand vom Halten
der Gebote Gottes und guten Werken aufdecken, und hoffen, dass damit der
Irrtum in dieser Sache ohne Widerwiderlegung genügend bekannt sein
sollte und auch vermieden werden möge.
Es
ist ja unwidersprochen, dass Gott dem Menschen von Anbeginn ein Gebot
gegeben hat, welches er halten und sich in seinem Leben danach schicken
soll. Also liest du im alten und neuen Testament, dass Gott seinen
ewigen Segen und Reich denjenigen zusagt und geben will, die mit der Tat
seinen Willen vollbringen, in keinem Titelken, sofern sie es wissen,
daran fehlen, es koste auch Leben oder was es wolle. 5Mo.6.(3):
„Israel, du sollst hören und halten, dass du es tust, dass es dir wohl
gehe und du sehr vermehrt wirst, wie dir der Herr, deiner Väter Gott,
zugesagt hat ein Land, darin Honig und Milch fließt.“ Etc. Ebenso im
neuen Testament spricht Christus [Mat.7.(21)]: „Es werden
nicht alle, die da sprechen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen,
sondern die den Willen meines Vaters tun, der im Himmel ist.“ Hierauf
lies die ganze Schrift, so wirst du befinden, dass Gottes Wille getan
und seine Gebote gehalten werden müssen, und das mit aller
Sorgfältigkeit und nerstycheit, wollen wir anders zum Leben und
in Gottes Reich eingehen. Wie Christus sagt [Mat.19.(17)]:
„Willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote.“ Und Paulus
[Php.2.(12)]: „Mit Furcht und Zittern bewirkt eure eigene
Seligkeit.“ Etc. Also, so du die Schrift mit einfältigen und gleichen
Augen ansiehst, so befindest du klar daraus, dass nicht alleine das
Halten der Gebote Gottes und die guten Werke nütze und vonnöten sind,
sondern dass auch niemand ins Reich Gottes kommen mag, der nicht, sofern
er gewusst hat, Gottes Willen und Gebot mit der Tat vollbracht hat.
Wir haben die Papisten Meinung, wie dann auch zuvor angerührt, nicht
dafür angesehen, dass wir da was drauf antworten wollen, denn es ist
eitel Heuchelei und Abgötterei, mit der sie umgehen. Nun zu der gemeinen
evangelischen Meinung, die sprechen: Halten der Gebote Gottes und der
guten Werke sind zur Seligkeit nicht vonnöten, allein der Glaube mache
rechtfertig und selig etc. Hier antworten wir drauf und sagen mit der
ganzen Schrift da laut nein zu. Und es ist ein sehr großer und
ärgerlicher Unverstand, denn wie die guten Werke hieraus verachtet
werden, so ist diese Meinung dem gemeinen Manne eine Ursache der
fleischlichen Freiheit, also dass du schier mehr Freiheit, oder
zumindest wohl so große, bei den Evangelischen wie bei den Papisten oder
anderen finden magst. Hierum, wie wir hier zuvor aus der Schrift
angeführt haben, dass Gottes Wille und Gebot mit der Tat auf das aller
ernsthafteste getan werden muss, auf dass die unverständigen
evangelischen dwelynge vermieden und die heilsame Wahrheit
bekannt werden möge, wollen wir hier aufs kürzeste, was und wie man tun
muss, anweisen.
Anfangs musst du hier bedenken, dass es in Sonderheit zweierlei
Menschenkinder auf Erden gibt, nämlich Ungläubige und Gläubige. Von den
Ungläubigen wissen wir, dass die ohne Christo von der Gemeinde Israels
abgeschieden sind, in welchen der Fürst dieser Welt sein Werk hat, in
Wollust des Fleisches, die tun, was ihrem Fleische und Sinnen gelüstet
und sind Kinder des Zorns. [Eph.2.(3)] Diese, gleich wie
sie von Gott nichts wissen oder zum wenigsten nicht recht kennen, also
bekümmern sie sich auch nicht mit seinen Geboten, dann ist es nicht Not,
hiervon zu schreiben.
Nun zum anderen zu den Gläubigen. Dies sind dann nun die Gläubigen, die,
nachdem sie von Christo gehört und rechte Erkenntnis erlangt haben, in
seinem Namen gelobt haben und sich ganz mit Christo all so vereinigt,
dass sie alles was unter Christo ist, für Dreck und Unflat halten. Dies
sind nun die rechtschaffenen Christen und Gläubigen, für die Christus
sich selbst hingegeben hat, sie von aller Ungerechtigkeit erlöst und
gereinigt hat, sich selber zu einem eigenen Volke, das da vollschaffend
aller guten Werke sein sollte. [Tit.2.(14)] Seht, so steht
es nun mit einem recht Gläubigen, wenn ein Mensch das Evangelium Christi
hört und derselbe glaubt daran und nimmt Christum auf, so werden
demselben Menschen mittels des Glaubens in Christum alle seine
vorherigen Sünden und Missetaten vergeben. Und ist es Sache, dass er
fortan bis zum Tode beständig bleibt, die Gebote Christi zu tun und zu
halten, so soll er selig sein. Anders, wenn er schon tausendmal gelobt
hätte, tut er Gottes Willen nicht und ist säumig in seinen Geboten, ja
folgt er noch des Fleisches Lust, so muss er doch sterben und mag nicht
in Gottes Hallen bleiben. Also spricht Paulus zu den Gläubigen zu
Rom 8.(13): „Ist es Sache, dass ihr nach dem Fleische lebt, so
werdet ihr sterben müssen, so ihr aber durch den Geist die Werke des
Fleisches tötet, werdet ihr leben.“ Item Christus sagt
[Joh.5.(29)]: „Die Gutes getan haben, werden zur Auferstehung
zum Leben hervorgehen, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung zum
Gericht.“ Hierum befiehlt auch Christus seinen Jüngern, wenn sie die
Gläubigen getauft hätten, sollten sie sie lehren, alles das zu halten,
was er ihnen geboten hatte. Also befindet es sich in der Wahrheit, dass
nicht alleine Glauben, sondern jeden Willen Gottes mit der Tat zu
vollbringen zur Seligkeit nütze und vonnöten ist. Hierum, die all so
fühlen und sagen, das Halten der Gebote Gottes und der guten Werke
helfen nicht zur Seligkeit, die irren sehr, haben einen toten Glauben
und preisen den, predigen die Freiheit, so sie doch selber Knechte der
Verderbnisse sind. [2Pe.2.(18ff.); Joh.2.(24)]
Es wird hieraus leicht verstanden, dass es zweierlei gibt, die sich des
Glaubens annehmen. Sûmmige, von denen wir nun gesprochen haben,
wollen wohl glauben, dass Christus für sie gestorben ist, mögen auch
wohl leiden, dass er sie mit seinem Blute gewaschen hat, aber hierbei
lassen sie es bleiben. Dass sie seinen Fußstapfen folgen sollten und all
seinen Willen mit der Tat vollbringen, achten sie, sei zur Seligkeit
nicht vonnöten, mehr sind dies falsche Gläubige, geboren ohne Wasser,
die viele stolze Worte wissen, die nicht weiter beachtenswert sind, wie
2Pe.2.(17ff.) und Jud.(16) davon
aussprechen.
Zum anderen gibt es etliche, die wohl recht fühlen, nämlich dass, wie
zur Seligkeit vonnöten ist, mit rechter Erkenntnis an Christum zu
glauben, also auch all seine Gebote zu halten, denn wie der Prophet
Habakuk sagt [Hab.2.(4)]: „Der Gerechte lebt seines
Glaubens.“ Und Johannes sagt [1Jo.3.(7ff.)]: „Wer
Gerechtigkeit tut, der ist gerecht. Aber wer sündigt, ist aus dem
Teufel.“ Dass hier die Luttersschen mit Gerechtigkeit allein den Glauben
verstehen und mit Sünde den Unglauben, und also auf die Werke keine Acht
haben, ist ein sophistischer Spitzfund. Denn Gerechtigkeit tun heißt,
aus rechtem Glauben mit der Tat Gottes Willen tun. Ohne Tun heißt, aus
Unglauben Gottes Willen mit der Tat entgegen tun. Und hier bedenke wohl
fleißig, die sich des Glaubens annehmen und sagen, sie kennen Christum,
aber sind Versäumende und unachtsam und sündigen, das heißt, tun gegen
Christi Gebot, lassen sich von der Lust dieser Welt überwinden,
derselben Sünde ist viel schwerer, als wären sie ungläubig und
Unwissende. Wie Johannes 9.(41) sagt: „Wäret ihr blind, so
hättet ihr keine Sünde. Nun ihr aber sprecht, ihr seht, darum bleibt
eure Sünde.“ Summa summarum: Gott will Gehorsam haben und Vollbringung
seines Willens. Also gehört dann zweierlei zum rechten Christen, nämlich
dass er in Christum rechtschaffen glaube und dass er heilig wandert in
all seinen Geboten. Vom ersten sagt Christus [Joh.6.(29)]:
„Das ist der Wille meines Vaters, dass ihr an den glaubt, den er gesandt
hat.“ Vom anderen spricht Christus [Joh.15.(14)]: „Ihr
seid meine Freunde, so ihr alles tut, was ich euch befehle.“ Und Paulus
[1Th.4.(3)]: „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“
etc. Was nun die rechte Heiligkeit ist, magst du in Jacobo lesen im
1.Kapitel (19ff.).
Demnach kurzum, du magst hier so viele glosen suchen und mit
Feigenblättern dich bedecken, wie du willst, so wird es doch vor Gott
nicht gelten, denn seinen Willen mit Ernst getan zu haben.
Ja, sagen nun wohl auch die Gutherzigen, lieber Gott, wir wollen ja
gerne Gottes Willen tun, mehr wir können noch vermögen es nicht.
Antwort: Es ist wahr, von uns selber vermögen wir es nicht, und solange
wir noch ungläubig und Unwissende sind, haben wir weder Lust noch Macht
dazu. Aber nachdem wir gläubig geworden sind, die Wahrheit bekennen und
Christum angenommen haben, so haben wir dann auch die Macht, seinen
Willen zu tun, nicht von uns selber, mehr Christus gibt sie uns, wie bei
Johannes 1.(12) steht: „Die ihn angenommen haben, denen
hat er Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden.“
Wie wir durch Adams Fall in die Gefängnisse des Teufels gefallen sind
und das ohne unsere eigene Schuld, also werden wir durch Christum
wiederum erlöst und frei gemacht ohne unseren eigenen Verdienst. Wenn
wir dann nun von Christo frei gemacht sind, so sind wir wahrhaftig frei
und ungezwungen [Rö.5.(6, 18,21)], das heißt, wir mögen
uns wenden und kehren, wohin wir wollen. Wie Christus selber bei
Johannes im achten (36) sagt: „So euch der Sohn frei macht, so
seid ihr wahrhaftig frei.“ Gott will keinen erzwungenen Dienst haben,
deshalb gibt er denen Freiheit, welche durch Christum seine Diener
werden, auf dass sie ihm freiwillig dienen und gekrönt werden oder
verachtet und vordômet werden.
Ja, sagst du, dies hat ja ein Mensch von sich selber nicht. Antwort: Das
sagen wir auch nicht. Denn Gott kommt ihm zuvor und gibt es ihm, und
wenn er es ihm gegeben hat, alsdann hat er es ja. Der Herr gibt einem
jeden sein Pfund und befiehlt, dass er damit arbeite, gibt ihm dazu
Macht, dass er es tun möge. Welche nun gehorsam sind und bringen ihr
Pfund auf die Wessel Bank, die werden angenommen und belohnt. Die es
aber nicht tun wollen, mehr graben es in die Erde, die werden bestraft.
[Mat.25.(14-30); Luk.19.(12-27); Esr.7.(18, 21-23)] Summa:
Gott gibt einem jeden so viel, dass er an niemands Verda(u)mmung Schuld
hat, denn Gott hat keine Lust am Tode des Sünders. Er gibt einem jeden
Macht, sich zu bekehren. Doch leider will der meiste Teil nicht, wie
Christus sagt [Mat.23.(37)]: „Wie oft habe ich euch versammeln wollen
wie eine Kluckhenne ihre Küken, mehr ihr habt nicht gewollt.“ Hierum
darf niemand sprechen, er könne Gottes Willen nicht tun, mit Namen die
gläubig sind. Denn solchen ist doch die Macht gegeben, und kurzum, wem
Gott seinen Befehl und Wort vortragen lässt, dem gibt er auch die Macht,
dass er es annehmen mag und halten oder lassen. Was du anderes
causeerst oder verwendest, wird dich vor Gott nicht entschuldigen.
[Joh.16.(13)]
Noch wieder geben die Gutherzigen wohl vor und sprechen: Ich bin doch
guten Willens, geneigt und bereit, jeden Willen Gottes zu tun,
befleißige mich auch stets danach, trotzdem kann ich es nicht all so zu
Wege bringen, wie ich wohl gerne wollte, das mir herzlich leid ist.
Antwort: Es ist offenbar aus der Schrift, dass die gutwilligen
Gottesdiener gegen den Anlauf des Bösen streiten müssen, der sich durch
Anspornen des Lüsten im Fleische allzeit untersteht, den Ritter Christi
zu stürzen und zu überwinden, und wird also auch bisweilen gegen seinen
Willen wohl geschwächt, dass er wollte, dass es besser wäre, und kann
nicht so bald überwinden, wie er wohl gerne wollte, doch hierum ist er
nicht machtlos, Gottes Willen zu tun, denn solchen Streit will Gott von
ihm haben, und wer tapfer und männlich streitet, der soll gekrönt
werden, und der überwindet, der soll alles besitzen. [2Ti.2.(5);
Off.2.(26)] Wir wollen alle wohl, wenn wir zum Streit gehen,
dass wir alles überwunden hätten, mehr, die Arbeit gehört dazu und es
will was kosten, dann, bleiben wir in Christo und kehren uns nicht
mutwillig von ihm [Joh.16.(2); Php.2.(12)] und geben uns
dem Bösen gefangen, sondern halten uns ausschließlich an Christum, so
hat er uns die auerwinnige zugesagt, und wir vermögen alles in
dem, der uns stark macht.
Hierum, auf dass wir
schließen, wie Gott will, dass wir seinen Willen tun sollen, also will
er auch, dass wir gegen des Bösen Lust und Willen streiten sollen, hin
bis zu der Zeit, dass wir auerwinnen, und dann sollen wir es all
besitzen. Aber werden wir von dem Bösen überwunden und geben uns
demselben gefangen, Och Arme, so ist es verloren. Hierum lasse ein jeder
sein Disputieren und Gott zu beschuldigen, als gäbe er uns nicht die
Macht, Gutes zu tun, und wäre es seine Schuld, dass wir Böses tun, mehr,
ein jeder bekräftige sich im Herrn und in der Macht seiner Stärke, ziehe
den Harnisch Gottes an, dass er gegen den listigen Anlauf des Teufels
bestehen könne. [Eph.6.(11)]
top
Vom freien Willen
Dat teende Capittel
Es
haben sich die Gelehrten zu dieser Zeit, des Willen des Menschen halber,
ganz heftig bemüht, der eine will und fechtet, er sei frei, der andere
aber sagt, und das mit swinderen snorken, er sei eigen. Derweil
also nun die Gelehrten zu Hofe kiuen, steht der arme, simple Mann
leider in großer Bedrückung und Zweifel, der eine hält es mit diesem,
der andere mit jenem, aber niemand steht gewiss und unwankelbar, wie es
dann die Christen billig sollten. Das kommt daher, dass sie mehr auf die
Gelehrten denn auf Gottes Wort sehen, und die Gelehrten feilen, weil sie
mehr über ihre Weisheit und Vernunft nachdenken und darüber kempen,
als dass sie der schlichten Wahrheit und der simplen Schrift
nachtrachten. Und sie richten ihren Verstand nicht nach der Schrift,
mehr beugen sie die Schrift nach ihrem Verstand. Nun, so wir die Kraft
der göttlichen Schrift durch Gottes Gnaden gemerkt und verstanden haben,
dass nicht in der Rede und in den Worten, mehr in der Tat Gottes Reich
gelegen ist, und deshalb Gottes Wort mit der Tat ausgedrückt und
verfolgt werden muss, so hat uns Gott in dieser Sache auch einen
gesunden Verstand wiedergegeben, den wir zu seiner Ehre und den
Gutherzigen zugute nun entdecken wollen.
Anfangs muss in dieser Sache fleißig bedacht werden, dass Gott gerecht
ist und niemandem unrecht tut und deshalb niemanden ohne seine eigene
Schuld verdammt und auch niemanden gegen seinen Willen selig macht. Aus
großer Erbarmung kommt er den Menschen wohl mit Anbieten seiner Gnaden
zuvor, aber er zwingt niemanden, dieselbe anzunehmen oder zu lassen,
denn so er das täte, wären seine Gerichte nicht recht, und so er den
einen seliger machte oder verdammte, ohne seine eigene Schuld, wäre ein
Ansehen der Personen bei Gott, aber das sei ferne, dies ist nicht Not,
mit vielen Worten zu beweisen, derweil die ganze Schrift auf diesen
Grund hinausläuft.
Nun
soll dann Gott gerecht sein und seine Gerichte wahrhaftig, wie es
ungezweifelt und wahr ist, so mag er ja niemandem unrecht tun, sondern
muss einem jeden vergelten, wie er es verdient hat. Denen, die ihm von
ganzem Herzen gedient haben und mit Geduld in guten Werken beständig
geblieben sind, Preis, Ehre und das unvergängliche Wesen. Aber denen,
die zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorsam, mehr sind der
Ungerechtigkeit gehorsam, Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst, über alle
Seelen, die da Böses tun etc. [Rö.2.(8ff.)]
Demnach so hat Gott den Menschen von Anbeginn geschaffen, dass er in
Gehorsam und Gerechtigkeit sein Diener sein sollte, aber dabei dem
Menschen eine freie Willkür gegeben, ob er es tun wolle oder nicht.
Hiervon spricht die Schrift [5Mo.11.(26)]: „Seht, ich
setze euch heute einen Segen und einen Fluch vor, einen Segen, so ihr
gehorsam seid etc., einen Fluch, so nicht.“ Etc. Item 5Mo.30.(19): „Ich
bezeuge euch heute den Himmel und die Erde, dass ich das Leben und den
Tod vor deine Augen gesetzt habe, den Segen und die Vermaledeiung, wähl
das Leben, auf dass du lebst und dein Geschlecht.“ Item
Eccle.15.(14ff.): “Gott hat von Beginn den Menschen gemacht und
ihn in der Hand seines Rates gelassen, er hat Gebote und Befehl dabei
getan, willst du die Gebote bewahren, so sollen sie dich bewahren etc.
Er hat dir Wasser und Feuer vorgesetzt, wozu du willst, streck deine
Hand aus. Für den Menschen ist das Leben und der Tod, das Gute und das
Böse, welches ihm behagt, soll ihm gegeben werden.“ Etc. Also hat nun
Gott den Menschen geschaffen und hat ihm seine freie Willkür gegeben,
das Gute oder das Böse zu erwählen.
Item
noch mehr hat Gott getan, auf dass er ja der Sünde unschuldig und ein
rechter Richter sein möge. Als Adam im Paradies, betrogen durch die
Frau, aus dem Gehorsam Gottes gefallen war und Gott denselben mit einer
gnädigen Zusage getröstet und aufgerichtet hatte, und danach Kain, der
erstgeborene Sohn Adams, wieder zur Sünde gelockt wurde und auf dem Feld
seinen Bruder zu töten hatte, hat Gott denselben vor der bösen Tat
gewarnt und Kain einen Herrscher über der Sünden Lust geheißen, dann
sprach er also zu Kain [1Mo.4.(7)]: „Wovon bist du so
zornig und warum ist dein Angesicht all so verschattet? Ist es nicht so,
wenn du Böses tust, liegt die Sünde in der Pforte, und in dir soll ihre
Begierde sein und du sollst über sie herrschen.“ [vgl. 1Mo.3.(16)]
Also hat Gott dem unnöselen Adam ein Gebot gegeben und
mit Drohen des Todes vor der Sünde gewarnt. Desgleichen dem
sündlüsternen Kain den nachfolgenden Zoll der Bosheit, nämlich die
Sünde, angewiesen und dadurch gewarnt. Wenn nun Gott den Menschen nicht
all so geschaffen hätte, dass, wenn er Gut und Böse erkennen kann und
vor Augen sieht, dass er dann eine freie Willkür hat, zu erwählen, was
er will, so wäre Gottes Warnen also umsonst, die Schrift wäre auch
falsch und lügenhaft, und wollte endlich Gottes Schuld sein, dass der
Mensch sündigt und verdammt würde. Aber das sei ferne. Hierum muss
ausschließlich und unwidersprechbar folgen, dass Gott den Menschen
geschaffen und ihm Erkenntnisse vom Guten und Bösen vor die Augen
gesetzt und dabei eine freie Willkür gegeben hat, zu erwählen, welches
er will. Wie das aus vorangehender Schrift genügend bezeugt ist.
Nun,
auf dass dies noch klarer werde, so soll man fleißig darauf sehen, was
die Schrift vom Erwählen und Willkür des Guten und Bösen, dass wir das
annehmen und uns behagen lassen, und vom Willen, das Gute oder Böse mit
der Tat zu vollbringen oder zu meiden, sagt. Wenn und sobald die
Erkenntnisse des Guten und Bösen dem Menschen vor die Augen gesetzt
werden, so hat er Macht, von beiden zu wählen, ja nicht alleine das,
mehr auch, die noch nicht durch mutwillige Sünde in verkehrte Sinne
gegeben sind, werden in ihren Herzen von Gott zum Guten ermahnt und vor
dem Bösen gewarnt, wie dann wiederum das Widerspiel im Menschen vom
Teufel betrieben wird, was der Mensch erwählt, welchem Herrn er dienen
will, der hilft ihm fortan, solchen Dienst zu vollbringen. Gott zum
Guten, der Teufel zum Bösen. Von solchem Erwählen und Ermahnen hast du
ein Exempel für das Gesetz in Adam, Kain und dergleichen mehr. Im Gesetz
aber hast du Gottes offenbares Wort davon zeugend, wie
5Mo.11.(26); 26.(16ff.) und 30.(19), nämlich so:
„Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen, ich habe euch
Leben und Tod, Segen und Fluch vorgesetzt, dass du das Leben wählst.“
Etc. Josua 24.(22): „Da sprach Josua zum Volke: Ihr seid
Zeugen über euch, dass ihr euch den Herrn erwählt habt, dass ihr ihm
dient.“ Psalm 119 (30): „Den Weg der Wahrheit habe ich
erkoren.“ Etc. Item Ri.10.(14) : « Rufet die fremden
Götter an, die ihr erkoren habt. » Vom Warnen, das Gott in der Menschen
Herzen tut, auch in die, die kein Gesetz haben, da sie die innerlichen
Erkenntnisse Gottes verachten und solchen Warnungen Gottes nicht folgen
und gerichtet werden, hat Paulus zu den Römern mit hellen Worten genug
zu verstehen gegeben 2.(1ff.). Auch von dem, dass Gott den
Heiden bekannt ist, sagt Paulus im Römer im 1.(18ff.):
„Gottes Zorn vom Himmel wird über alle gottlosen Wesen und Unrecht der
Menschen offenbar, die die Wahrheit Gottes im Unrecht aufhalten, denn
was von Gott kundig ist, ist ihnen offenbart worden, denn Gott hat es
ihnen offenbart, denn sein unsichtbares Wesen, seine ewige Macht und
Göttlichkeit sind seit Erschaffung der Welt an seinen Werken durch die
Vernunft zu erkennen. Sie sind darum nicht zu entschuldigen, weil sie
trotz ihrer Erkenntnis Gottes ihn nicht als Gott verherrlichten und ihm
nicht dankten.“ Etc. Und gleich, wie sie nicht geachtet haben, dass sie
ein Wissen Gottes hatten, so hat Gott sie auch in einen verkehrten Sinn
dahingegeben etc. Item vom Warnen vor dem Bösen, das in den Herzen der
Menschen geschieht, spricht er fort danach im anderen Kapitel
[Rö.2.(11ff.)] und sagt: „Es gibt kein Ansehen der Personen vor
Gott. Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz
verdammt werden, und welche im Gesetz gesündigt haben, die werden durch
das Gesetz gerichtet werden. Denn nicht die, die das Gesetz hören, sind
gerecht vor Gott, mehr die das Gesetz tun, werden rechtfertig sein, denn
die Heiden, die das Gesetz nicht haben und doch von Natur aus des
Gesetzes Inhalt tun, dieselben, derweil sie das Gesetz nicht haben, sind
sich selbst ein Gesetz, damit sie beweisen, dass des Gesetzes Werk in
ihren Herzen geschrieben sei, das ihnen ihr Gewissen bezeugt, dazu auch
die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen, auf
den Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richten wird. Urkunde
meines Evangeliums durch Jesum Christum“ etc.
Seht,
also sind dann alle Menschen von Gott geschaffen, der auch die begnadet,
denen er kein auswendig Wort noch Gesetz gegeben hat, dass sie einen
Gott bekennen, und durch ihre eigene Bewusstheit vor dem Bösen, und das
Gute zu tun, gewarnt werden, wollten sie anders darauf Acht haben und
Gott preisen und danken. So auch, dass Paulus sagt, sie sind nicht
unschuldig, so sie es nicht tun. Nun, viel mehr der Gnaden ist denen
widerfahren, denen Gott seinen Bund und Gesetz, ja seinen einzigen Sohn
geschenkt und in allen verheißen hat, seien es Heiden, Juden oder
Christen. (2Ko.8.) So viel Erkenntnis ihnen von Gott und
seinem Willen gegeben wird, haben sie auch von Gott die Macht, zu
wählen, dass sie es tun oder lassen wollen, denn wenn ihnen solche Macht
von Gott nicht gegeben wäre, so würde Gott auch nicht von einem jeden
fordern, wonach er empfangen hat, wie Christus sagt [Luk.12.(48)]:
„Von jedem, dem viel gegeben ist, soll viel gefordert werden.“ Also, die
ohne Gesetz übertreten und sündigen, nämlich über die Erkenntnisse und
Warnungen Gottes, ihrer Bewusstheit eingebildet, sollen ohne Gesetz
verloren sein, [Heb.6.; 10.(26ff.)] und die im Gesetz
sündigen, sollen durch das Gesetz gröber gerichtet werden. Die aber
unter dem Evangelium sündigen und die bekannte Wahrheit Christi
übertreten und die vorherige Reinigung ihrer Sünde vergessen, die werden
noch gröber bestraft werden. In Summe und kurz davon zu reden, wie einem
jeden gegeben ist, will Gott wiederum von ihm fordern. Und also hat Gott
einem jeden so viel Macht gegeben und Gnaden angeboten, dass niemand die
Schuld seiner Verdammung Gott zuerkennen mag. Denn so viele das
rechtfertige Gericht Gottes zur Strafe erfahren haben, müssen bekennen,
es sei ihre Schuld, und sie haben Gottes Willen verachtet und sich
mittels ihres eigenen Herzens willens von Gott abgewandt.
So
steht nun des Menschen Sache. Gott der Allmächtige, der ein Gott großer
Erbarmungen und ewiger Gerechtigkeit ist, begnadet zuerst den Menschen
mit seiner und seines Willens Erkenntnis, setzt ihm Gutes und Böses vor
Augen, gibt ihm daneben Macht, das Gute oder das Böse zu erwählen. Denn
so spricht der Herr durch Moses [5Mo.30.(11)]: „Das ich
dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch noch zu fern, dass du sagen
möchtest: Wer will für uns in den Himmel steigen und uns das bringen,
dass wir es hören und tun? Es ist auch nicht an der anderen Seite des
Meeres, dass du sagen möchtest: Wer will uns über das Meer führen und es
uns reichen, dass wir es hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nah
bei dir in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“
[Rö.10.(8)] Recht sollte Gott sprechen: du darfst keine Ursache
noch Ausflucht suchen noch jenes Unschuldigmachen, nachdem du nun mein
Gebot weißt, hast du die Macht, solches zu erwählen und zu tun oder zu
lassen. Hierher gehören auch alle Ermahnungen der Schrift, die zum Guten
raten, welche alle vergebens geschehen wären, so der Mensch keine Macht
hätte, sich danach zu schicken, ein jeder in seinem Grad. Mehr vermag
ein Jude als ein Heide, noch mehr ein Christ als ein Jude. Und ein jeder
nach den von Gott empfangenen Gnaden, denn alleine Gott gibt die Gabe,
aber der Gebrauch derselben zum Guten oder zum Bösen ist der Menschen
und sollen danach von Gott auch gerichtet werden.
Hieraus und aus der ganzen heiligen Schrift (sofern die anders recht
geteilt wird) ist klar und offenbar, dass den Menschen all solche
Erkenntnisse des Guten und Bösen, sei es dann durch das Gesetz der
Natur, durch Propheten und Gesetze Mosi oder durch das Evangelium und
Geist Christi von Gott vorgehalten und gegeben wird, und dabei eine
freie Willkür, wie der Herr sagt: Erwähle das Leben etc. Dann, so steht
der Mensch nichtsdestominder im Streit, Gott ermahnt und lockt ihn zum
Guten, der Teufel aber zum Bösen, welchen der Mensch dann erwählt zu
dienen, desselben Knecht wird er, wie Christus sagt [Joh.8.(34)]:
„Der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünden.“ Und Paulus [Rö.6.(16)]:
„Wisset ihr nicht, dass, welchem ihr euch zu Knechten in Gehorsam
begebt, dass ihr desselben Knecht seid, dem ihr gehorsam seid, sei es
dann der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit.“ Wie sollte
also die Schrift sprechen, dass wir uns begeben und dass wir es tun
sollten und wir wollen es nicht tun, wenn wir unserer Willkür und
Willens keine Macht hätten. Darum im Schluss, es ist wahr, wir haben von
uns selber weder Erkenntnisse noch Willkür noch Willen, ja nicht
überall, Gott gibt uns dann, und wem er es nicht gibt, davon wird er es
auch nicht fordern. Aber ein jeder sehe wohl zu, dass er das Pfand, das
er von Gott empfangen hat, recht gebrauche. Niemand spreche: Ich kann
das nicht, so ihm Gott doch die Macht gegeben hat. Denn solches gibt
einem der Teufel ein, auf dass er das Gute verhindere und Gott zu einem
Sünder gemacht werde, so Gott doch ein Gott ist, der keine Bosheit will.
Du glossierst und ziehst die Schrift, wohin du willst. Desgleichen gibst
du alle Schuld der Vorsichtigkeit Gottes, solange du willst, willst du
nun nicht glauben und, so viel Erkenntnisse du hast, danach tun, so
sollst du doch endlich befinden, Gott wird solches nicht ansehen,
sondern wird seine gute Rechenschaft, wie du sie gebraucht hast, von dir
fordern. Also hat Gott uns den Verstand des freien Willen wiedergegeben,
dass wir, durch die ganze Schrift gelehrt, durch seine Gnade wohl mehr
Zeugnisse und Beweisrede anzuführen hätten, mehr, das wollte zu lang
fallen, wir vermuten, es sei in dem vorhergehenden und diesen Punkten
den Gutherzigen (denn den Zänkischen schreiben wir nicht) überflüssig
genug davon geschrieben. Nichtsdestominder, was die Zänkischen, die den
freien Willen verneinen und dazu die Schrift beim Haar zu Hilfe ziehen,
dazu für Schrift und Rede gebrauchen, wollen wir aufs kürzeste
hervorholen und den prinzipaliten Missverstand entdecken und widerlegen.
Erstens sagen sie: So wie Gott alle Dinge vorhergesehen habe, so müsse
es geschehen, sowohl die Bosheit wie das Gute, und schließen, den, den
Gott vorhergesehen hat, dass er sündigen sollte, den habe er also
vorgesehen, dass er sündigen müsse, daraus folgt, dass Gott eine
wollende Ursache der Sünden wäre. Ja sie sprechen wohl unverschämt, Gott
wirke sowohl das Böse im Menschen wie das Gute. Diese Meinung ist nicht
allein gegen alle Schrift und göttliche Wahrheit (denn Gott ist ja kein
Liebhaber der Sünde und will auch nicht, dass sie geschehe), auch alle
guten Herzen erschrecken davor und werden verdummt. Hierum ist es nicht
Not, weiter davon zu schreiben, die Schrift, die sie hierzu einführen,
wollte hier auch zu lang zum Auslegen sein, denn was da ein jeder weiß,
des bedenke er mit Fleiß und bitte Gott um Verstand, so soll ihn Gott
selber lehren, dass sie dich bewahren. Noch weiter sagen sie: Ja ist der
Wille frei, warum tun wir dann nicht und bekommen, das wir wollen?
Dessen sich Paulus auch beklagt und sagt [Rö.7.(19)]: „Das
Gute, das ich will, das tue ich nicht.“ Antwort: Das Wollen ist frei bei
uns, wenn wir durch Erkenntnisse des Guten gefreit sind, aber das
Vollbringen, das wir wollen, ist eben zugleich so bald nicht da, wie
Paulus nicht sagt, ich kann das Gute nicht wollen, mehr sagt er, kann
nicht tun. Nun, wollen und tun ist zweierlei, wovon wir hiervor in dem
Punkt vom Halten der Gebote Gottes gerührt haben. Also sagt Paulus noch
[Rö.7.(18)]: „Das Wollen habe ich wohl, aber vollbringen
das Gute finde ich nicht.“ Da siehst du, dass Paulus das Wollen nicht
aufgibt, obschon er das Vollbringen nicht fand. Darum, obschon wir zur
Stunde nicht tun können, das wir wollen, folgt nicht, dass darum das
Wollen nicht frei sein sollte.
Was
noch mehr gegen den freien Willen eingebracht werden mag, ist aus den
vorhergehenden und anderen Schriften und Reden leicht zu verwerfen,
sofern als man Acht hat, dass die Schrift zweiklauig ist, und anders
spricht von denen, die noch blind Unwissende sind, und anders von denen,
die erleuchtet sind und danach beständig bleiben oder zurückweichen. Die
beständig bleiben, sind frei und werden je länger je freier und vermögen
es alle durch Christum, der sie bekräftigt, die aber willens sündigen
und von der bekannten Wahrheit abweichen, werden je länger je eigener
der Sünden und machtlos zum Guten. Nun fragst du, ob wir denn solche
Macht von uns selber haben. Antwort: Nein, Gott muss sie geben, und wenn
er sie uns gegeben hat, so haben wir sie dann, und wo wir der Gnaden
dann gebrauchen wollen, gibt er uns eine freie Willkür, wählen wir das
Gute, dazu uns Gott auch ermahnt, so hilft er uns all den Tag fort,
wählen wir aber das Böse, dazu uns der Teufel schûnet, so
geleitet uns auch derselbe fort. Dann, ein jeder widersteh dem Teufel,
und denke dazu mit Fleiß, dass er die Gnaden Gottes nicht vergebens
empfangen habe, auf dass er frei und unverschämt vor Gottes Gericht
bestehen möge.
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Von der Sünde und mutwilliger
Sünde
Dat Elffte Capittel
Seitdem die Sünde aus dem freien Willen verursacht und herkommt, hierum,
was uns Gott davon wieder zu erkennen gegeben hat, wollen wir nun fort
entdecken. Sünde ist all dasjenige, das gegen Gottes Willen und die
Gerechtigkeit geschieht. Wie Joh. sagt: „Alles Unrecht ist Sünde.“ Und
da selbst ermahnt Joh. gegen die Sünde und spricht [1Jo.3.(4ff.)]:
„Ihr wisst, dass er erschienen ist, nämlich Christus, auf dass er die
Sünde hinweg nehme, und die Sünde ist nicht von ihm, wer in ihm bleibt,
der sündigt nicht, wer da sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch
erkannt. Kinder, lasst euch von niemandem verführen, wer recht tut, der
ist gerecht, gleich wie er gerecht ist, wer Sünde tut, der ist vom
Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an.“ Nun aber, wiewohl alles
Unrecht Sünde ist, so muss man trotzdem die Sünde wohl weise
unterscheiden, denn wie Johan. sagt [1Jo.5.(16)]: „Es ist
eine Sünde zum Tode und eine Sünde nicht zum Tode.“ Demnach sollst du
also die Sünde unterscheiden.
Zum
ersten ist zu merken, dass, nachdem der Mensch mit Erkenntnis und
Geschmack der göttlichen Gnaden begabt ist und dennoch übertritt und
sündigt, die Sünde groß und größer von Gott geachtet wird [Heb.6.;
10.(26ff.); 2Pe.2.(20)], wie Christus sagt
[Joh.9.(41)]: „Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde.“ Etc.
Wie dann auch alle Sünden, die in der Blindheit und Unwissenheit
geschehen, wohl von Gott vergeben werden, wie Paulus von sich selbst
bezeugt [1Ti.1.(13)]. Von diesen Sünden wollen wir diesmal
nicht schreiben, mehr von denen, die von den Menschen geschehen, die
Erkenntnisse des Willen Gottes erlangt haben. In diesen werden zweierlei
Sünden gefunden, das heißt, die auf zweierlei Weise geschehen und auch
danach gerichtet werden.
Zum
ersten, die durch Krankheit unversehens geschehen (1.Jo.1.),
und dieselben, so sie mit wahrem Bereu bekannt werden, haben sie einen
gnädigen Fürbitter, Christum Jesum [1Jo.2.(1)], werden
auch durch denselben quitt gescholten und vergeben. All so sündigen
nennt Paulus vorraschet werden [Gal.6.(1)]: „Liebe
Brüder, so ein Mensch von irgendeiner Sünde vorraschet wird, so
unterweist ihn mit sanftmütigem Geiste, ihr, die da geistlich sind.“ Von
den Fürbitten [1Jo.2.(1)]: „Meine Kinderken, solches
schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündigt, und wenn jemand sündigte,
so haben wir einen Fürsprecher bei Gott, Jesum Christum.“
Zum
anderen die aus Verachtung mutwillig und wissentlich geschehen, und
diese sind Sünden zum Tode und werden nicht vergeben, deshalb auch im
Gesetz für solche kein Opfer war. 4Mo.15.(30): „Wenn eine
Seele aus Hochmut und Mutwillen was täte, sie soll schlicht ausradiert
werden.“ Desgleichen Heb.6.(4ff.); 10.(26): „So wir
mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnisse der Wahrheit empfangen
haben, ist uns kein Opfer mehr vorhanden.“ [2Pe.2.(20ff.)] Dies ist auch
die Sünde, die Christus eine Sünde gegen den heiligen Geist nennt und
sagt, dass sie weder hier noch hiernach vergeben werden
[Mat.12.(32)]. Und Joh. nennt dieselbige eine Sünde zum Tode,
für die man nicht bitten mag [1Jo.5.(16)].
Hierum so wache ein jeder mit Fleiß auf und nehme Gottes wahr, und so
viele Erkenntnisse er von Gott erlangt, lasse er sich getreu finden,
denn wer Gottes Willen weiß und verachtet zu tun, wird vorgerührter
Sünde nicht unschuldig sein.
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Von leiblicher Gemeinschaft der Heiligen
Dat twelffde Capittel
Welcher Gestalt die Gemeinschaft der Heiligen, die zu Zeiten der Apostel anfing, fort danach und bis hier verwüstet worden ist und die Eigensüchtigkeit und Eigentum in die Stätte gekommen sind, ist nicht Not vorzuhalten, weil die ganze Welt das genügend bezeugt, dann bei uns, dem Herrn sei ewig Lob und Dank, ist die Gemeinschaft von Gott wieder restituiert [Heb.13.(1)], wie es dann von Anfang an gewesen ist und den Heiligen Gottes wohl ansteht, wie davon geschrieben steht [Apg.2.(44ff.); 4.(32ff.)]. Wir hoffen auch, dass die Gemeinschaft bei uns so kräftig und herrlich sei und mit reinen Herzen durch Gottes Gnade gehalten werde, wie sie zu führen gescheit sein mag. Weil wir nicht allein unsere Güter insgemein unter die Hände der Diakone gemein gemacht haben und davon notdürftig leben, mehr auch eines Herzens und Mutes preisen wir Gott durch Christum und sind geneigt, mit allerlei Dienst manch anderen zuvorzukommen. Und demnach, alles das der Eigensüchtigkeit und dem Eigentum gedient hat, wie Kaufen und Verkaufen, Arbeiten um Geld, Rente oder Wucher gebrauchen, ja, auch mit den Ungläubigen, dazu der Armen Schweiß essen und trinken, das heißt eigene Leute und unseren Nächsten all so gebrauchen, dass sie vorarbeiten müssen, wovon wir uns mästen, und fort was dergleichen mehr der Liebe abbrüchig sein müsste, ist in Kraft der Liebe und Gemeinschaft bei uns ganz gefallen, und wie wir wissen, dass Gott nun all solchen Gräuel abtun will, also wollen wir lieber den Tod angehen, als dass wir uns da wiederum zukehren sollten, wir wissen, dass man mit solchem Opfer dem Herrn behagt. Ja es mag keinem Christen oder Heiligem Gottes behagen, der nicht in solcher Gemeinschaft steht oder zumindest von Herzen geneigt ist, sich darin zu befinden. Der Drache und das Biest behindern die Gutherzigen noch an solcher Gemeinschaft [Off.13.(4)], der Herr möge sie erlösen und mit seinen Heiligen eine reine Gemeinschaft anrichten. Amen.
top
Vom Abendmahl Christi und dem Brotbrechen
Dat Derteinde Capittel
Die evangelische und apostolische Schrift bezeugen genug, wie unser Herr und Heiland Christus Jesus nach dem Paschamahl, vor seinem Leiden, den Abend, als er in der Nacht verraten wird, ein Denkmal seines heiligen Leidens mit seinen Jüngern gehalten und eingesetzt hat, und das zu einer Losung seines und des neuen Testaments, welche Mahlzeit man gemeinhin auf deutsch das Nachtmahl Christi nennt. Dasselbe, wie die Schrift bezeugt, war von Christo zu einem heiligen Gebrauch eingesetzt, nämlich seiner dabei zu gedenken, wie mit Namen, was er für uns getan und was er uns zu tun befohlen hat, und also sollten bei demselben, wo seiner bedacht wird, alle anderen Dinge unter ihm vergessen und über sein. Nun aber, das hoch zu erbarmen und zu beklagen ist, so heilig wie Christus das Nachtmahl eingesetzt hat, all so gräulich hat der Bösewicht, der Widerchrist zuschanden gemacht, denn er hat das Nachtmahl abgetan und die Messen davon gemacht, was so ein Gräuel ist, dass nun kein Gräuel auf Erden desgleichen gewesen ist, denn in den Messen nimmt sich der Widerchrist an, er könne von Brot einen Gott machen, und er zeigt den Brotgott dem Volke, dass sie ihn anbeten, nimmt eine Hostie (Opfertier) und frisst sie auf und macht den Leuten weis, er erlöse die Seelen damit etc., so dass schier der gemeinen Christenheit Gott die gottlosen Messen geworden sind.
Nun, der allmächtige und barmherzige Gott hat uns armen Sündern solchen Gräuel bekannt gemacht und dazu gewaltig davor gerettet, und das nicht allein, sondern darüber hinaus hat er uns noch den gesunden Verstand seines heiligen Nachtmahls wiederum gegeben und geschafft, dass wir es nach Inhalt seines Befehls und der Schrift miteinander leiblich halten und gebrauchen, wovon wir nun kurz schreiben wollen.
Der Befehl und das Einsetzen des Nachtmahls ist in der Schrift genügend ausgedrückt, und da wir uns daran halten, wollen wir ihn kurz anziehen, auch unseren Verstand und Gebrauch hiermit entdecken. Also lesen wir, was Paulus zur Gemeinde Christi zu Korinth schreibt [1Ko.11.(23ff.)]: „Ich habe vom Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus nahm in der Nacht, da er verraten wurde, das Brot, dankte und brach es und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, solches tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch der Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist ein neues Testament in meinem Blute, solches tut, so oft ihr ihn trinkt, zu meinem Gedächtnis, denn so oft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, so sollt ihr des Herrn Tod verkünden, bis dass er kommt.“ Dies ist der Text vom Nachtmahl, wie ihn Paulus beschrieben hat. Die anderen Texte der Evangelisten stimmen hiermit überein, da Paulus vom Gebrauch ein wenig klarer schreibt, deshalb wollen wir den hier auch alleine anführen. Nun wollen wir kurz vom Verstand, danach vom Gebrauch, auch was sagen.
Wie nun des Textes Inhalt, dass Christus solch ein Nachtmahl mit seinen Jüngern gehalten und denselben seinen Leib und Blut mit großem Begehr und Liebe in den Tod übergeben, und solches Essen und Trinken des Brotes und des Weines zu einem Gedächtnis eingesetzt und befohlen hat. All solche Befehle „Dies tut zu meinem Gedächtnis“ verstehen wir durch Gottes Gnade, wie Christus mit seinen Jüngern getan hat, das wir also mit manch anderen nachtun sollen, das heißt: Brot nehmen, brechen und teilen, das untereinander zu essen und alle aus einem Kelch trinken, und das nicht zum natürlichen, gemeinen Gebrauch, mehr zum Gedächtnis an unseren Herrn und Heiland Jesu Christi. Also verstehen wir den Text, dass wir genauso tun müssen, wie Christus getan hat. Aber da die Macht daran liegt und die endliche Sache ist, wozu wir es tun sollen, als mit Namen zu seinem Gedächtnis, verstehen wir also: Sollen wir Christi recht gedenken, so müssen wir zweierlei gedenken, nämlich was er für uns getan hat und was wir ihm zum Dank wiederum tun sollen. Er hat seinen Leib und Blut für uns in den Tod gegeben und ausgestreut, und uns dasselbe zur Vergebung unserer Sünden gemein gemacht. Dessen sollen wir ihm von Herzen danken und vor seinem Namen, auch vor unserem Nächsten all so zu tun gedenken und geneigt sind, und was wir sind und haben unseren Brüdern in Christo gemein machen. Dies ist unser Verstand des Textes, und wie Gottes Reich nicht in den Worten gelegen ist, mehr in der Kraft und Tat, so verstehen wir das Viele um das Wort fechten, ob das Brot Fleisch sei oder da Fleisch drin sei etc., wie leider zu dieser Zeit da viel von gehadert und gehandelt wird, als ganz unnütz und ärgerlich, mehr in rechtem Gedächtnis tun, wie er getan hat, daran ist alles gelegen, und wer dazu gesinnt ist, soll auch der Worte Christi einen guten Verstand kriegen, denn wer die Schrift verstehen will, der tue, was sie Tun nennt, so soll ihm der Schlüssel Davids gegeben und die Kanne der Verborgenheit geöffnet werden. Deshalb verdrießt uns auch, von dem Wort zänkisch zu schreiben, tut, ja tut, tut, das euch der Herr befiehlt, so braucht ihr nicht zu kiuenn.
Vom Gebrauch des Nachtmahls. Die Schriften weisen davon an, Christus habe es in einem Obergemach gebraucht und das nach dem Abendmahl in schlichter Weise, als er seine Jünger und Liebhaber versammelt hatte. Desgleichen bezeugt auch Paulus, nämlich das die Christgläubigen zu Hofe gekommen sind, haben von einem Brot gegessen und von einem Kelch getrunken, nicht den Leib damit zu speisen, denn dazu essen sie vorher oder nachher zu Hause , wann sie wollen, mehr zu einer heiligen Losung des Todes Jesu Christi und Verbund der ungeheuchelten, christlichen Liebe. All so ist nun des Nachtmahls Gebrauch auch bei uns im Schwange. Wir versammeln uns auf einem gelegenen Platz oder Stätte, erwarten einander, dass wir zu Hofe kommen, ein jeder mit untersuchtem Herzen, auf dass wir würdig hinzugehen mögen, mit wahrem Glauben den Tod des Herrn zu verkünden und in rechter Liebe gegeneinander das Brot miteinander zu brechen, danach bitten wir einträchtig zu Gott für allerlei nötige Sachen, in Sonderheit für unsere lieben Brüder und Schwestern, die noch dem Drachen unterworfen sind [Off.13.(4)] etc., danach, so irgend ein Mangel in der Gemeinde sein möchte, der wird dann auch geschirrt und gebessert. Also hat der Herr sein Nachtmahl wieder restituiert und deshalb auch allzeit verschafft, wenn wir dazu versammelt gewesen sind, dass wir mit himmlischem Segen und anderen geistlichen Gaben reichlich erquickt worden sind. All so, dass wir des von nun bis in Ewigkeit nimmermehr genug danken können.
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Vom rechten und christlichen Ehestand
Dat Veirteinde Capittel
Der allmächtige, ewige Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und den Menschen nach seinem Bilde, hat in den Menschen einen Segen des Wachstums und der Vermehrung gepflanzt, und das all so, dass vom Mann durch die Frau, die zu einem Fleisch verordnet sind, das menschliche Geschlecht zu seiner Ehre und nach seinem Willen wachsen und vermehrt werden sollte. Nun, wo derselbe Gott gewollt hat und noch will, dass der Segen oder Ehestand ehrbar sein sollte und herrlich bei allemann und das Bett der Ehe unbefleckt, so hat die alte Schlange allzeit danach gearbeitet, Gottes Willen und Wohlgefallen hierin, wie auch in allem anderen, in den Menschen zu verkehren. Und wie wir in allem den lästerlichen Gräuel der Schlange voll spüren, so insonderheit im Ehestand, dann, dem Herrn sei Lob und Dank, wie er uns das in anderen Stücken bekannt gemacht hat, so hat er uns auch in dieser Sache die Augen geöffnet, dass wir durch seine Gnade den Gräuel erkennen und meiden können. Und hat also den Gebrauch der heiligen Ehe bei uns wiederum in ihren rechten Schwang gebracht, wovon wir nun den Grund den Gutherzigen zu verstehen geben wollen.
Anfangs verstehen wir, was die Ehe ist, welches Wörtchen bei uns soviel wie Gesetz heißt. Nämlich, die Ehe ist eine Vereinigung Manns und Weibs, den Segen Gottes zu seiner Ehre und nach seinem Willen zu bekommen, das ist Kinderkens zeugen in Gottesfurcht, die seinen Namen in Ewigkeit preisen. Hierzu hat Gott Mann und Weib geschaffen und gesegnet und sowohl natürlich als auch schriftlich mit allem Ernst allen anderen Gebrauch, Lust und Unzucht verboten. Also sind auch ein Mann und ein Weib in der Ehe, so sie sich unter dem Gesetz Gottes halten, dass sie Kinder suchen und anderes nicht, denn das ist der Segen und endliche Sache, darum Gott Mann und Weib geschaffen und zu Hofe vereinigt hat. Also sprach Gott der Herr selber [1Mo.1.(27ff.)]: „und Gott schuf den Menschen in seinem Bildnis, in dem Bildnis Gottes schuf er ihn, Mann und Weib schuf er sie, und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Wachset und vermehret euch und erfüllet die Erde und beherrschet sie.“ Dies ist das Gesetz über Mann und Weib bezüglich der natürlichen Zeugungen, solches soll herrlich und ehrbar bei allemann sein, und hieraus ist unwidersprechbar, dass die allein recht ehelich vor Gott sind, die sich danach und nicht anders schicken, das heißt, die den natürlichen Segen, mit dem sie von Gott begabt sind, nicht nach Fleischeslust noch auf jenige andere Manier vergebens und unzüchtig gebrauchen, sondern allein dass sie Kinderkens werben, die Gott fürchten. Die so tun, halten sich nach seinem Worte und lassen sich solchen Segen gelüsten, wie im Psalm steht (Ps.127, 128). Die anderen aber, die Gottesfurcht nicht haben, achten auch nicht auf sein Wort und suchen nicht den Segen in der Ehe, mehr die Lust und Willen des Fleisches und deshalb, obschon sie ehelich genannt werden, ist es doch vor Gott keine Ehe sondern eine eitle Ehebrecherei und Hurerei, die Gott richten wird.
Die blinde Welt meint, die um Geld und guten Willen und aus Fleischeslust zu Hofe laufen, obschon sie der Ehe Gottes, das heißt des Gesetzes Gottes von der Ehe, nicht eins gedenken, ja wissen nicht ein mytlen von Gottes Wort und tun wohl gegen die Ehe und, wenn da ein beschorener Pape mit seiner Zuhörerschaft herkommt und spricht, er gebe sie zu Hofe in Gottes Namen, Eych, so ist es eine feine Ehe und ist fortan ehrbar, was sie zu Hofe handeln. O Gräuel über Gräuel! Also ist Ehebrecherei und Hurerei ehrbar gemacht und der heilige Name Gottes durch den Widerchrist ein Deckel der Schande geworden, das sie auch selber mit einem Sprichwort bekennen und sagen: In nomine domini. Das ist im Namen des Herrn erhebt sich alle Schalkheit und noch schändlicher in nomine domini fordert der Mönch seine Kappen. Phy der Schande! Dies sagen wir darum, dass sich niemand fortan um des herrlichen Wortes willen in Schande enthalte, sehe vielmehr auf die Wahrheit, ob auch solch Handel all solcher Worte würdig sei. Es ist des Widerchristen Art, seinen Gräuel mit geschmückten Worten und heiligen Namen zu bedecken. Hierum wache ein jeder auf und nehme den Deckel hinweg und sehe die Wahrheit an, so wird er den Gräuel in der heiligen Stätte befinden, also auch im Ehestand. Ja, mehr Gräuel wird er darin finden, wie wir dann befunden haben, als er vermutet hätte. Nun, wir wollen vom rechten Ehestand noch was weiter und klarer schreiben, so wird durch Gottes Gnade die Düsternis des Gräuels durch das Licht der Wahrheit gemeldet werden.
Wir haben hier zuvor gesagt, was der Ehestand sei, nämlich, dass der Ehestaat eine Vereinigung des Mannes und Weibes sei, den Segen Gottes zu seiner Ehre und nach seinem Willen zu bekommen, wie dann dazu der Mensch von Gott geschaffen ist und einen Befehl empfangen hat [1Mo.1.(28)]. Nun versteh hier wohl, es heißt ein Ehestaat, das ist ein Staat, den Gott eingesetzt und mit der Ehe oder Gesetz seines Wortes befangen hat, daran sich Mann und Weib halten sollen und anderes nicht tun noch vornehmen. Welche sich nach dem selben Worte gleichmütig halten und danach schicken, dieselben sind ehelich. Die anders tun oder das selbe Wort übertreten, die sollen Ehebrecher und Hurer von Gott gescholten werden, denn es ist keine Ehe, was die Menschen wohl für ehelich halten, mehr die sich an Gottes Gesetz halten, sollen wahrhaftig ehelich befunden werden.
Nun, das Gesetz der Ehe, darin all solcher Staat von Gott verwaltet steht, ist dies: „Gott segnete die Menschen“, das etliche verdeutschen, Gott begabte sie reichlich und sprach zu ihnen: „Wachset und vermehret euch und erfüllet die Erde“ etcet. Erstens segnet Gott den Menschen, gibt ihm Fruchtbarkeit, einem jeden nach seiner Art, danach macht er eine Ehe und gibt ihm ein Gesetz, wie der Mensch solchen Segen und Fruchtbarkeit gebrauchen soll. Und all solches Wort und Gesetz, wozu Gott seinen Segen gegeben hat, mag niemand sonder Sünde unterlassen. Auch sündigen sie sehr schwer, die solches missbrauchen. Hierum steht es mit allen fruchtbaren Menschen all so, dass sie in Kraft des Befehls Gottes zur Ehe wie zu allen anderen Gottesgeboten verpflichtet sind, es sei denn, dass Gott sonderlich wen davon behält.
Gott segnet den Menschen und macht ihn fruchtbar, gibt ihm daneben einen Befehl, wie er solche Gabe gebrauchen soll. Nichtsdestotrotz hat der Mensch Macht, sie zu missbrauchen und deshalb, wie der rechte Gebrauch geboten, so ist der Missbrauch verboten. Der rechte Gebrauch ist, so sich wer fruchtbar fühlt, dass ein jeder dann nach seiner Gestalt, nach Gottes Wort und Willen sich schicke und halte, das heißt, dass ein jeder in Gottesfurcht einen gleichen Gehilfen zur Vollbringung des göttlichen Befehls annehmen und sich damit gebührlich halten soll, wie die Schrift davon allenthalben lehrend ist. Der Missbrauch in der Ehe und derselben Übertretung, das heißt, dass wir, und insonderheit der Mann, den Segen und Gabe Gottes anders als nach seinem Willen gebrauchen, ist leider mannigfaltig und doch von Gott nicht allein schriftlich sondern auch natürlich verboten. Und so Gottes Befehl eigentlich ist und auch der rechte Gebrauch der Ehe, fruchtbar sein und Kinder zeugen, so ist der Missbrauch daran gelegen, wenn was anderes als die Zeugung der Kinder gesucht wird, und dagegen sind auch die Verbote alle gegründet.
Zum ersten wird Überspiel verboten, das heißt, dass kein Mann eines anderen Mannes Weib beschlafen soll, denn es hat kein Wachstum und auch noch um anderer Sachen mehr. Zum anderen ist Hurerei verboten, weil davon auch keine Frucht kommt und Fleischeslust gesucht wird. Zum dritten ist der lästerliche und biestliche Gebrauch verboten, welcher gegen die Natur ist. Zum vierten wird es auch für Sünde gerechnet, so jemand ein Weichling ist und in sich gebrannt wird [1Ko.7.(9)] oder durch den Schlaf sich verunreinigt, weil die Gabe und Segen Gottes nicht dazu gebraucht wird, dazu ihn Gott geschaffen und zu gebrauchen befohlen hat. Item so ist es auch unrecht, dass man eine schwangere Frau und eine, von der man weiß, dass sie unfruchtbar ist und unbequem zu empfangen, bekennt und sich damit vermengt. Diese Missbräuche und Unreinheiten werden nicht allein durch die Schrift verboten, sondern auch durch die Redlichkeit des natürlichen Gesetzes und demnach, aus dem Gesetz der Ehe – wachset und vermehret euch – und fort aus allen anderen Geboten und Verboten Gottes folgt, dass beide, Mann und Weib, all so der Ehe Gottes verpflichtet sind, dass sie den göttlichen Segen und Fruchtbarkeit nirgendwo anders gebrauchen müssen, denn sich zu vermehren und Kinder zu zeugen. Welche anders tun, sündigen gegen Gott, dies ist dann, dass Paulus sagt [Heb.13.(4)]: „Der Ehestaat soll bei allemann ehrbar gehalten sein und das Bett unbefleckt.“ Wenn beide, Mann und Weib, in Gottesfurcht und reinem Glauben stehen und sich in ehelicher Verpflichtung nicht weiter noch anders zu Hofe halten, als dass sie wachsen mögen und sich vermehren, so ist der Ehestaat recht, was mehr oder minder oder anders geschieht, ist unrein, Hurerei und Ehebrecherei.
Hieraus verstehst du nun wohl, was der rechte Ehestaat ist, welcher Art Menschen da recht drin sind und wie rein er gehalten werden soll, und hier wiederum, dass deshalb keine rechte Ehe sein kann, als alleine bei den Rechtgläubigen, die Gott von Herzen fürchten und nach seinem Willen stets trachten, denn nicht die wohl zu Hofe kommen und natürlich vereinigt werden, sind darum recht ehelich, obschon sie tausendmal ehelich genannt werden, sondern die sind recht ehelich, die nach der Ehe, das heißt nach Gottes davon gegebenem Gesetz und nach seinem Willen zu Hofe kommen, vereinigt werden und sich allzeit rein und züchtig daran halten. Und darum heißt es auch ein Ehestaat, dass so eine Vereinigung Mannes und Weibes nach der Ehe, das heißt nach Gottes Gesetz, geschehen muss, und wo die Ehe, das ist Gottes Befehl in der Ehe, nicht gehalten wird, da ist Ehebrecherei und eitel Hurerei, denn die Ehe wird gebrochen, da nicht nach dem Wort und Gesetz Gottes in der Ehe gelebt wird. Wie sollten doch nun die Ungläubigen und unwissenden Menschen ehelich sein, die doch so wenig, wie sie von Gott und seinem Wort und dem Glauben wissen, sich noch viel weniger danach schicken und halten. Hierum, wie leider die ganze Welt bezüglich des göttlichen Wortes und Gesetzes in der Ehe Unwissende oder zumindest unbedacht sind, also wird sie auch in Ehebrecherei befunden, wie ein jeder selber richten mag. Und also ist Gottes Wille gewesen und ist es noch, dass, welche in Christum zu dieser Zeit getauft wurden, auch im Ehestaat erneuert werden müssten, auf dass sie, gewaschen von allen Sünden, allenthalben fortan rein wandern möchten etc.
Es ist nun insgemein von der Ehe, was sie sei, wie sie gehalten und gebraucht werden soll, genug gesagt. Wir vermuten, ein jeder Verständige habe hieraus leicht zu begreifen, welch Elend, Gräuel und gräuliches Laster bis hierher in der Ehe gewesen ist. So wollen wir wohl, falls es hiermit nicht genug wäre, dass wir Ursache haben möchten, einem jeden zu gutem Verstand zu verhelfen, auf dass der lästerliche Gräuel der gemeinen Ehe, einmal bekannt, zumindest von den Gutherzigen und dann fort von denselben zu Gottes Preis vermieden werden möchte. Und auf dass wir nicht nachlassen, was dazu dienen möchte, wollen wir eine jede Person in der Ehe, d.h. Mann und Weib, vornehmen und von eines jedem Zubehör was weiter vermelden, auf dass also die Sache noch verständiger werden möge.
top
Vom Behör und Herrlichkeit des Mannes in der Ehe
Dat 15. Capittel
Allzumal Gott Allmächtig den Menschen zur Ehe geschaffen hat, menken und wyffken, so hat er sie nicht der Künste oder Art halber unterschieden, mehr auch, nachdem sie gefallen waren, einen jeden wiederum in seinen rechten Behör und Gehorsam gestellt, den Mann, dass er in untertänigem Gehorsam stracks auf Gott sehe und den zu seiner Ehre allein höre und folge, und also Gott durch den Mann geehrt werden möge, wie da geschrieben steht [1Ko.11.(2)]: „Der Mann ist die Ehre Gottes.“ Dass er nicht mehr auf jemand anders höre, auf dass er nicht betrogen werde, da er auf das Weib hörte. Das Weib hat Gott dem Mann unterworfen, dass sie in untertänigem Gehorsam ihren Mann in Ehren halten soll, dem alleine anhängen und hören, auf dass mittels ihres untertänigen Gehorsams der Mann ehrbar gehalten werde, wie da geschrieben steht [1Ko.11.(7)]: „Die Frau ist eine Ehre des Mannes“, und sie soll auch auf niemand anders hören, auf dass sie nicht betrogen werde, da sie auf die Schlange hörte. All so hat Gott Mann und Weib, die ehelich sind, in ordentliches Behör und Gehorsam gestellt.
Der Mann ist stracks dem allmächtigen Gott unterworfen, deshalb gebührt ihm, dass er Gott ohne Mittel untertänig und gehorsam sei, allein auf das göttliche Wort acht habe und sich nach dem göttlichen Willen schicke. Also ist dann der Mann eine Ehre Gottes, da Gott durch den Mann geehrt wird.
Weiter, so ist der Mann auch noch ein Bilde Gottes, und das, wenn er mit rechtschaffenem Gehorsam Gott, seinem Herrn, anhängt, denn alsdann hat er Macht von Gott, ein Herr über seine Frau zu werden, gleich wie Gott ein Herr über ihn ist. Ja, Paulus vergleicht deshalb den gläubigen Mann mit seiner Frau mit Christo und seiner Gemeinde, wie mit Namen. Wie sich Christus und seine Gemeinde zu Hofe halten, so sollen sich Mann und Frau auch miteinander schicken. Demnach mag ein jeder fleißig bedenken, was dem Manne behören will und was seine Herrlichkeit in der Ehe sei [Eph.5.(23)].
Zum ersten gebührt dem Mann, der recht ehelich werden soll, dass er Gott von Herzen fürchte und aufgedeckten Angesichts vor seinen Augen wandele, dass er sich schlicht und recht in Gottes Willen und Gesetz bewähre. Und demnach, ist es Sache, dass er sich männlich fühlt, dass er sich alsdann nach Gottes Willen und Gesetz in die Ehe begebe und alle Unreinheit vermeide.
Zum anderen gebührt danach dem Mann, dass er eine gezierte und geschmückte Frau suche und nehme, aber nicht geziert mit Gold, Silber oder Edelgestein, auch nicht in Leibes Schönheit, mehr, die mit Gottesfurcht geziert sei und mit einem stillen und sanftmütigen Geiste. Dies ist dann, das Paulus “im Herrn heiligen“ nennt [1Pe.3.(3ff); 1Ko.7.(14)]. Und also hat es Gott von Anbeginn behagt und sein Wohlgefallen gehabt, dass die Kinder Gottes sich zu Hofe heilig halten und seinen Segen vor Augen hatten. Aber er ist sehr ergrimmt, da sie sich der Menschentöchter um des schönsten Fleischeswillen gelüsten ließen [1Mo.6.(1ff)]. Also haben auch alle heiligen Männer, wie in Abraham offenbar ist, für ihre Kinder gesorgt, dass sie die an gottfürchtige Weiber vergeben wollten [1Mo.24.(3ff)], also gebührt es den Männern auch noch.
Zum dritten, so der Mann sich nun geheiligt hat, muss er sich in Gottes Angesicht spiegeln, dass er seiner Frau also ein Herr und Haupt sei, wie Gott sein Herr und Haupt ist, und deshalb soll er sein Weib so lieb haben wie Christus seine heilige Gemeinde. Und wie Christus derselben vorsteht, soll er seiner Frau auch vorstehen, das heißt, er soll, zu Gottes Ehren, Frucht aus ihr suchen, dazu soll er sie lehren, wo sie unwissend ist. Auf Gottes Wegen soll er ihr weiterhelfen und geleiten, tragen, da sie krank ist, strafen, da sie schuldig ist, und will sie wohl in aller Liebe behalten. Aber will sie nicht, sondern übertritt mutwillig die Ehe, das heißt die eheliche Verpflichtung des Gehorsams, so mag er sie lassen, wie Christus seine ungehorsame und mutwillige Gemeinde fahren lässt und Gott den Mann verwirft, der seinen Willen verachtet, darum auch Paul sagt [1Ko.7.(15)]: „Will der Ungläubige scheiden, so lasse ihn scheiden“ etce.
Nun weiter und zum vierten gebührt dem Mann, sich mit aller Klugheit und Sorgfältigkeit vorzusehen, dass er sich in sich selber nicht vergreife noch verunreinige, auch seinen Leib in Heiligkeit zu besitzen weiß [1Th.4(3); 1Pe.3.(1ff)]. Hiervon haben wir hier zuvor ein wenig gerührt, da wir den Missbrauch der Ehe angewiesen haben und was für Unreinheit darin wohl zu geschehen pflegt, die dann Gott auch verboten hat und die Gottfürchtigen fleißig vermeiden sollten. Dann, angesehen, dass die herrliche Freiheit des Mannes in der Ehe verloren und ganz verdüstert ist, so ist der Mann damit sehr beschwert, und, so er der Freiheit unverständig bleibt und sie nicht gebraucht, ist es unmöglich, dass er der Sünde und Schande der Unreinheit entfliehen möge. Hierum wollen wir davon ein wenig mehr sagen und die Freiheit anweisen. Nun wohlan denn, die Freiheit des Mannes in der Ehe ist, dass er wohl mehr als eine Frau zugleich ehelich haben mag, und das, mit diesen nachfolgenden Reden und Bescheiden.
Zum ersten, angesehen, Gottes Segen ist “fruchtbar sein“, und Gott solchen Segen nirgends gebraucht haben will, denn nach seinem Willen [1Mo.1.(28); Ps.127(3); 1Esra9.], das heißt, dass ein Mann seinen Samen nirgendwo anders, als im Gehorsam, Gotteskinder zu zeugen, anlegen soll, weil solcher Segen und Saat der Gehorsamen Gottes in der Schrift heilig genannt wird, und deshalb Gott nicht will, dass es jenigerleiweise verunheiligt werden soll. Hierum, so ein Mann reichlicher von Gott gesegnet wäre, als eine Frau zu befruchten, und er muss wegen des göttlichen Gebots solchen Segen nicht missbrauchen , so ist ihm freigelassen, ja vonnöten, mehr fruchtbare Frauen in die Ehe zu nehmen, denn unehelich, das ist, anders als nach Gottes Willen und Gesetz eine Frau zu bekehren, ist Ehebrecherei und Hurerei. Wir wissen wohl, so fremd uns die Wahrheit gewesen ist und doch die Wahrheit war, und so wenig auf den rechten Gebrauch der Ehe geachtet wird, dass auch diese Sache dem gemeinen Manne wunderlich vorkommen wird. Mehr, die ihr Gott fürchtet, habt doch acht auf die Wahrheit, lernt, alle Unreinheit zu meiden, und lass euch kein Unglaube davon bewegen, denn wahrhaftig dürfen wir sprechen, was gewöhnlich ist zu dieser Zeit auf Erden, ist ein Gräuel vor Gottes Augen.
Item, dass es einem Mann frei ist, mehr als eine Frau zugleich in der Ehe zu haben, bezeugen noch die Exempel der heiligen Altväter vom Anfang des menschlichen Geschlechts an, wie dann viel in der Schrift ausgedrückt steht, nämlich von Lamech, Abraham, Jakob, David, Helkana etce. bis zur Apostelzeit. Denn dass es noch bei der Apostelzeit frei gewesen ist, ist wohl aus den Schriften Pauli zu verstehen, denn er sagt [1Ti.3.(2)]: „Ein Bischof soll eines Weibes Mann sein.“ Wäre es Sache, dass jedermann daran gebunden gewesen wäre, so wäre es unnötig gewesen, insonderheit den Bischöfen davon zu raten. Denn warum Paulus solches noch vom Bischof fordert, und auch den Korinthern die Einsamkeit so fleißig rät und für gut ansieht, hat seine Ursache. Nämlich die gegenwärtige Not, dass der Abfall anstand, wovon wir wohl weiteren Bescheid schreiben wollen, aber wir halten es diesmal nicht vonnöten, auch wäre es zu lang zu schreiben, doch zu seiner Zeit wird es noch bekannt werden.
Es mag niemand bestreiten, dass es von Gott bei den Alten zugelassen und auch bei denselben ehrbar gewesen sei, mehr als eine Frau zu haben, und es mag niemand beweisen, dass es irgend von Gott verboten sei. Was nun Gott zugelassen hat und den heiligen Gottesfreunden ehrbar gewesen ist, mag uns auch nicht verboten noch Schande sein, angesehen, dass Gott es nicht verboten hat, sofern wir im gleichen Glauben und um der gleichen notdürftigen Sachen willen ihren Taten nachfolgen. Nun, welche Sachen sie gehabt haben, die auch noch einen jeden bewegen sollten, und mit welchem Glauben sie fortgefahren sind, wollen wir hier nun entdecken. Erstens, so wie Gott seinen Segen den Menschen von Geschlecht zu Geschlecht eingepflanzt hat und geboten: „Wachset und vermehret euch“ , und hier wiederum verboten, den Segen in Unreinheit, vergebens und ohne Hoffnung auf Zeugung zu gebrauchen, wie wir davon hier oben genug angewiesen haben, so haben sie die Zeugung und Wachstum nach Gottes Befehl gesucht, und, da sie an einer Frau solches in Reinheit nicht vermocht haben, haben sie frei mehr Frauen dazu genommen, denn wäre ihnen das nicht frei gewesen, hätten sie sich, wie jemand auch wohl noch nicht vermag, von der Sünde nicht enthalten können, und das bei diesem Reden: Gott hat geboten „wachset und vermannigfaltigt euch“, hiermit ist dem Mann geboten, seinen natürlichen Samen nirgends anders, als dass da Frucht von kommen möge, anzulegen. Also ist es natürlich und öffentlich verboten, eine schwangere oder unfruchtbare Frau zu bekennen, auch verboten, seine Natur, wissend oder unwissend, vergebens zu verströmen. Hierum ist leicht zu merken, dass dem Mann solche Freiheit vonnöten sei, soll er der Sünde entlaufen, denn hat er eine schwangere Frau oder die unfruchtbar ist, das heißt, die unbequem ist zu empfangen, mag er die ohne Sünde nicht bekennen. So mag er auch keines anderen Mannes Frau anrühren. Item so mag er auch keine Hure gebrauchen, auch muss er kein Weichling sein oder gebrannt werden [1Ko.7.(1-9); Mat.5.(31-32)]. Weiterhin mag er seiner Natur in sich selbst, weder wissentlich noch durch den Schlaf, nicht lassen oder seine Natur auf jenige Weise, anders als mit seiner fruchtbaren und bequemen Ehefrau, um Frucht zu erwecken, gebrauchen. Hierum, so folgt notwendigerweise, dass, welche reichlicher von Gott gesegnet sind, als dass sie mit einer Frau rein leben können, mögen zu ihrer Notdurft, auf dass sie nicht sündigen, mehr als eine Frau zur Ehe nehmen.
Dass man eine schwangere Frau oder eine, die unbequem zum Empfangen ist, nicht bekennen soll noch mag, ist zum ersten hieraus beweisbar. Gott gebietet, man soll wachsen und sich vermannigfachen, und dazu allein, und nicht nach Lüsten sollen Mann und Weib den Segen Gottes gebrauchen. Hierum, so das mit einer schwangeren und unfruchtbaren Frau nicht geschehen mag, so ist es gegen Gottes Gebot, sie zu bekennen.
Zum anderen ist es auch unziemlich wegen der Redlichkeit der Natur, denn die unredlichen Biester lehren dich solches, o du unredlicher und unverschämter Mensch. Item, man frage alle bescheidenen und frommen Männer und Frauen, was denn davon anstehe, gewiss werden sie sprechen, es sei lästerlich und unrecht, eine schwangere oder unfruchtbare Frau zu bekennen. Und falls sie schon anders mit dem Mund sprechen so beschuldigt sie doch ihr eigenes Gewissen, sofern es redlich und bescheiden ist.
Noch wird es auch von Gott figürlich verboten, als er sagt [3Mo.19.(19)]: „Du sollst keinerlei Acker mit zweierlei Samen besäen.“ Dann hiervon nun genug. Wir haben keinen Zweifel, den Verständigen und Gutherzigen sei hiermit genug Bescheid gegeben. So aber jemand widerspenstig und zänkisch sein will, ist es unsere Sache nicht, dass wir dem schreiben wollen, sondern ein jeder denke der Wahrheit mit Ernst nach und lasse das Zanken achteraus, auf dass er die reine Wahrheit erlangen möge. Nichtsdestotrotz, auf dass die Sache noch klarer werde, wollen wir auf etliche Widerrede, die die Gutherzigen verwenden mögen, Antwort geben.
Demnach, so möchte jemand zum ersten also sprechen, wir lassen wohl zu, dass es bei den Alten frei gewesen ist und ehrbar gehalten wird, wie dann im Gesetz Mosi und aus den Exempeln der Alten offenbar bekannt ist, mehr, solches gelte nun nicht unter dem neuen Testament, denn es sei ja in dem Neuen nirgends befohlen noch zugelassen, sondern es werde darin mehr das Widerspiel befunden, wie man in Paulo zu den Korinthern lesen mag. Antwort: Gott hat kein Gebot von der Ehe gegeben, weder im alten noch im neuen Testament, als allein das einige „wachset und vermehret euch“, dass unter diesem Gesetz und dieser Ehe Mann und Weib in einem Fleisch zu Hofe kommen sollen, ein jeder aber in seiner Ordnung und fortan unterschiedlich bleiben, es sei denn um der redlichen Ursache willen.
Es ist kein anderes Gebot von der Ehe in der ganzen Schrift noch sonst wo einander gegeben oder dieses aufgelöst. Was dann nach diesem Gebot bei den Alten recht gewesen ist, mehr als eine Frau zu haben, mag auch bei uns nicht unrecht sein. Genauso, was bei ihnen nach diesem Gebot unrecht gewesen ist, wie seinen Samen zur Lust und vergebens zu gebrauchen, mag bei uns nicht recht sein. Wiederum ist hier oben vom Unterschied des alten und neuen Testaments gesagt, wie uns dieselbe Schrift auch angehe.
Dass im neuen Testament das Widerspiel befunden werden sollte, ist nicht so, denn wäre es Sache, dass es ein gemeines Verbot gewesen wäre, mehr als eine Frau zu haben, so hätte Paulus den Bischöfen keinen gesonderten Befehl davon gegeben [1Ti.3.(2)], denn wenn es allen Männern verboten und bei keinem Christen im Gebrauch gewesen wäre, so hätte er den Bischöfen vergebens davon geschrieben.
Dass man aber davon sagt, was Paulus zu den Korinthern schreibt, als sollte das gegen die Freiheit der Ehe sein und dieselbe auflösen, ist ein Unverstand, denn Paulus gibt da einen Rat um der gegenwärtigen Not willen, wie er selbst sagt, nämlich wegen des grausamen Abfalls, der vorhanden war, dass man sich der Ehe ganz enthalten solle [1Ko.7.(1)], sieht auch dasselbe für gut an, aber dass es besser wäre zu heiraten, als in Unreinheiten gebrannt zu werden. Sollte nun um diesen Rates Pauli willen die Freiheit aufgelöst sein, so müsste man gar kein Weib nehmen, denn das sieht Paulus für das beste an. Dann kurz davon gesagt, da die Christenheit damals verwüstet und in die Gefängnisse gezogen und gedrungen wurde, das die Apostel jämmerlich beschreien, mussten sie ihre Freiheit fallen lassen. Da sie nun aus den Gefängnissen in die Freiheit restituiert wird, muss sie auch in ihre herrliche Freiheit fortgehen und dieselbe gebrauchen. Dies sagen wir darum, auf dass die Worte Pauli recht angesehen werden, und falls jemand sagen wollte, war es dort nicht geraten, warum lässt man es sich auch nun nicht gefallen, dann: alle Zeit hat seine Zeit.
Noch möchte jemand sagen, dass Christus Mat.XlX.(9) sagt: „Es sollte sich doch ein Mann von seiner Frau nicht scheiden, es sei denn um Ehebrecherei willen“ etce. Doch damit will Christus nicht, dass ein Mann zu seiner Notdurft nicht mehr als eine Frau nehmen muss, mehr, dass er sich von der, die er zur Ehe genommen hat, um allerlei Ursachen willen nicht scheiden soll, und darum sagt er: „Denn die beiden sind ein Fleisch.“ [Mat.19.(6)]
Hierauf möchte jemand noch sagen, da steht doch: die Zwei sind ein Fleisch. Antwort: das ist recht, denn mit welchen Frauen sich der Mann vermengt, da wird er ein Fleisch mit [1Ko.6.(16)]. Nun will der Herr damit, ein Mann soll also ein Fleisch mit dem Weibe sein, was ehrbar sei, und nicht um allerlei Ursachen willen sich von ihr scheide. Es ist der Meinung nicht, dass ein Mann nicht mehr als mit einem Weibe ein Fleisch sein muss, denn wenn das Gottes Meinung wäre, so hätten die heiligen Väter gesündigt, dann das sei ferne, und Gott selber, der seinem Knecht David all die Frauen Sauls in seinen Schoit gab [2Sa.12.]. Also versteh nun recht, was es sei, zwei sind ein Fleisch, verbietet nicht, mehrere Frauen zu nehmen, lehrt mehr, wie Mann und Weib eins sein sollten. Willst du dies noch klarer verstehen, so bedenke, wie Paulus die Ehe des Mannes und Weibes mit Christo und seiner Gemeinde vergleicht [Eph.5.(21ff)]. „Es ist ein großes Geheimnis,“ spricht er etc. Christus ist ein Mann und Herr seiner Gemeinde, er ist mit einem ydtliken ein Fleisch, also auch mit allen, desgleichen der Mann mit seiner Frau. Ein jeder Gläubige besonders und insgemein alle sind Christo, ihrem Herrn und Mann gehorsam und dienstlich, also auch die Frauen den Männern, wie die Christengemeinde unter Christo eins ist, also auch die Frauen mit ihren Herren.
Noch möchte jemand denken, Ey, hiermit will den Unkeuschen großer Ruhm gegeben werden, und hiervon mag gro0er Widerspott zwischen Mann und Frau erwachsen. Antwort auf das erste: den Unkeuschen und Ungläubigen ist all Ding unrein, denen ist auch die Ehe unrein und die sündigen alle Wege, aber um dieser willen sollen die Gläubigen ihrer Freiheit nicht beraubt sein und auch zu Sünden gereizt werden. Alle christliche Freiheit mag fleischlich missbraucht werden, das auch leider wohl dûck und vaken geschieht, gehört sich deshalb nicht, dass die rechten Christen ihre Freiheit zu Gottes Ehren nicht gebrauchen sollten.
Auf das andere, dass es Widerspott zwischen Mann und Weib machen sollte, das hat bei den Rechtgläubigen keinen Mangel noch Gebrechen, weil denen nichts lieber ist, als Gottes Ehre und Willen zu fördern. Aber bei den anderen geht uns nicht an, wie sich die zu Hofe vertragen. Ja, die haben doch keine Lust, Gottes Willen zu tun, und müssen deshalb allzeit um Gottes Wort willen in Unfriede leben.
Nun in summa, wie Christus die Juden auch zurückweist, wie der Ehestaat von Anbeginn gewesen sei [Mat.19.(4)], dass sie sich daran halten sollen, also sagen wir auch, wer das Gebot Gottes von der Ehe recht betrachtet, der befindet in der Wahrheit, dass es einem behört, seinen natürlichen Samen nicht nach Lust noch vergebens zu gebrauchen, und dass es ihm deshalb von Gott freigelassen wird, nach seiner keuschen Notdurft mehr als eine Frau in der Ehe zu haben und zu halten.
So viel vom Behör und Herrlichkeit des Mannes in der Ehe, und hiermit wollen wir einen jeden gutherzigen Mann ermahnt haben, dass er Gottes rechtschaffene Lehre für einen Herrn kennen und alsdann sich seiner Herrlichkeit auch über die Frau mit männlichem Gemüt annehmen und die Ehe rein halten will. Die Weiber haben fast allenthalben die Herrschaft und leiten die Männer wie man die Bären leitet, und alle Welt ist in Ehebrecherei, Unreinheit und Hurerei versoffen. Wer verstehen kann, der verstehe, wir wissen, die Verständigen, in Sonderheit die Gutherzigen, werden da nicht widersprechen können. Nun fort vom Behör der Frauen in der Ehe.
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Vom Behör und Untertänigkeit der Frauen in der Ehe
Dat sesteinde Capittell
Wie wir vom Mann, was dem in der Ehe zugehört, geschrieben haben, also wollen wir nun auch von den Frauen tun, und es ist wohl vonnöten, dass da fleißig drauf gesehen werde, da es mit den Frauen auch ganz verkehrt gewesen ist. Nun soll man dann hier zum ersten wissen: Die Frau ist eine Person in der Ehe, bequem zu empfangen, dem Manne ordentlich unterworfen. Dies sagen wir darum, weil, welche nicht fraulich sind, mögen dem Mann in der Ehe in natürlichem Gebrauch nicht dienen, wiewohl sie anders in Liebe und Gehorsam eins mit ihrem Manne und ihm gleichwohl als ihrem Haupt und Herrn unterworfen bleibt.
Nun, auf dass wir bescheidlicht hiervon schreiben, wollen wir den Grad der göttlichen und ordentlichen Gewalt und Gehorsams vorhalten. Also soll, in was Gutem die Frau steht und was ihr zugehört, licht erscheinen, die Schrift hält uns all solche Ordnung vor wie folgt: Das Haupt und der Gebieter Über alle ist Gott Allmächtig, der ist das Haupt Christi, welchem auch Christus in allem gehorsam gewesen ist. Und er hat seinen eigenen Willen versagt, auf dass er seines Vaters Willen vollbringen möchte. Christus ist nun fortan das Haupt des Mannes, wie dann Christus Gott, seinen Vater, vor Augen hat und sich alleine nach seinem Willen hält, also soll auch der Mann Christus zugetan und unterworfen sein [1Kor.11.(3)]. Christus ist ein Ebenbild und eine Ehre seines Vaters [Php.2.(2ff); Mat.26.(39,56); 2Ko.4.(4); Kol.1.(15)], darum, da in Christo des Vaters Wille ausgebildet und von Christo nichts als des Vaters Ehre gesucht wird. Also wird der Mann in der Schrift ein Ebenbild und eine Ehre Christi geheißen, da der Mann sich dann auch gegen Christo, gleich wie Christo gegen seinen Vater, mit aller Sorgfältigkeit und Ernst halten soll. Nun fort, der Mann ist das Haupt der Frau [Eph.5.(23)], also ist die Frau eine Ehre des Mannes, und wie nun der Mann Christo ordentlich und gehorsam unterworfen sein muss, also die Frau ihrem Mann, und das ohne jedes Murren und Widersprechen als ihrem Herrn, und gleich wie der Mann Christum vor Augen haben muss, also die Frau ihren Herrn. Hieraus mag man nun wieder merken, was der Frauen Behör und Untertänigkeit in der Ehe sein soll.
Es ist nicht Not, hiervon weiter zu schreiben, aber es ist hoch vonnöten, dass sich die Männer recht gegen Christum halten und alsdann Weiber, die nun fast allenthalben die Brocken anhaben, in rechten und gebührlichen Gehorsam bôgen, denn solches ist angenehm vor Gott, dass ein jeder in seinem Orden steht, der Mann unter Christo, die Frau unter dem Manne, und das in aller Untertänigkeit, dass ein Mann ein freier Herr über die Frau sein und ein gelassener Diener seines Herrn Christi werden mag. Dem Manne gebührt Christo ohne Widersprechen gehorsam zu sein und mag seinem Herrn in seinem Vorhaben nicht reinreden, also haben auch die Frauen nicht zu regieren, sondern mit Stille gehorsam zu sein. Wir reden aber von den Männern, die männlich in Gottes Wort gesinnt sind, nicht von den Weiberreichen, die von Gott nicht regiert sein wollen und deshalb sei das auch des Teufels, und die Weiber tragen und schleppen müssen, wovon die ganze Welt leider voll ist.
Weiter, so wie Gott nun die herrliche Freiheit der Ehe bei uns restituiert hat, nach seiner Zusage Hiere. XXXlll ausgesprochen [Jer.33.(1ff)], nämlich: Denn ein neues Ding will Gott auf Erden machen, die Männer sollten nicht länger Weiber sein ( bei uns geschaffen ), wie dann die Weiber insgemein Herren gewesen sind und ihr eigenes Regieren gehabt haben, so hat er nun bei uns alle Weiber in den Gehorsam der Männer gestellt, dass sie alle, sowohl jung als alt, sich vom Manne durch Gottes Wort regieren lassen müssen. Nicht, dass sie zur Ehe gebraucht werden, sondern dass sie des Mannes Namen ehelich über sich und zu einem ordentlichen Haupt und Beschirmer anrufen mögen, auf dass also alle Dinge, wie durch die Propheten verheißen, in seiner rechten Gestalt wiederum restituiert werde. Nun hiervon genug, Gott will sein herrliches Wunder kundtun.
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Vom Reiche Christi und desselben Herrlichkeit auf Erden
Dat seuenteinde Capittel
Wie die reine Erkenntnis Jesu Christi, dem Sohn des lebendigen Gottes, nun eine lange Zeit her verdunkelt und unbekannt gewesen ist, desgleichen seine Erlösung und rechte Lehre. Also ist dann auch vom Reiche Christi kein rechter Verstand auf Erden vorhanden gewesen, insonderheit von der Herrlichkeit seines Reiches auf Erden. Man hat wohl vom Kreuze Christi verstanden, wiewohl nicht in der Kraft bewiesen, wie er mittels Leiden und Tod in seine eigene Herrlichkeit eingegangen ist und ihm seine Diener all so gefolgt sind. Aber von dem, dass Christus, der Sohn des allerhöchsten Königs, der auf Erden kam, sein Reich einzunehmen, dann von seinen Knechten verworfen wird, wollten nicht, dass er über sie herrschen sollte, von dem sagen wir, dass er noch König sein und alle seine Feinde vor seinem Angesicht umbringen lassen will [Jes.2.(3); Ps.2(9); Ps.110(5,6)], was hier auf Erden geschehen soll, davon hat schier niemand gewusst, wir denken auch, dass es dem gemeinen Mann noch unbewusst sei. Denn da dies den Gutherzigen, Gläubigen sehr tröstlich und nützlich zu wissen und nach Zeiten der Restitution laut aller Schrift sicherlich zu erwarten ist, so wollen wir nun auch davon kurz schreiben.
Die ganze heilige Schrift, insonderheit die Propheten, ist voll und zeugt überfließend von der Herrlichkeit des Reiches Christi auf Erden, desgleichen auch die Apostel [Jes.4.(2-6); 10.(20ff); 11.(1-10); 12.(1ff); 14.(1-4); 24.(1ff); 25.(8-12); 27.(6); 29.(22); 35.(4ff); 40.(1ff); 39.(17ff); 51.(3); 52.(9); 54.(1ff); 60.(4ff); 61.(1-11); 62.(1ff); 65.(17ff); 66.(22); Jer.3.(17); 23.(6ff); 30.(9); 31.(1ff); Hes.7.(1ff); 8.(1ff); 9.(1ff); 10.(2); 11.(8ff); 34.(11ff); 37.(3ff); 38.(1ff); 39.(1ff); 43.(7); Da.2.(44ff); 7.(26ff); 9.(26); 11.(21); 12.(1) etc. und alle Propheten. Mat.13.(12); 24.(29ff); 25.(31ff); Apg.3.(21); 15.(16); Off.überall]. Ja, die ganze Schrift läuft darauf hinaus, nichtsdestoweniger können wir nicht spüren, dass nach der Apostelzeit davon jemand rechten Verstand gehabt hat, es ist mehr, wie alle anderen Dinge auch, in der Düsternis der Unwissenheit begraben gelegen. Nun, wir denken, es gibt zweierlei Ursachen, womit solche Wissenschaft vom Reiche Christi aufgehalten worden ist und die es auch wohl noch belassen möchten, deshalb wollen wir die vorerst hinweg tun, auf dass wir dann fortan desto leichter und lichter davon zu schreiben haben, damit auch ein jeder diese Sache besser vernehmen mag.
Die erste Ursache ist, dass die Schrift, aus der solches vernommen werden sollte, verachtet und nirgends angesehen gewesen ist und nicht, wiewohl behörlich gewesen wäre, mit Fleiß untersucht wurde, denn wer von Christo und seinem Handel wissen will, der muss die Schrift wohl untersuchen, und deshalb, da das ausgeblieben ist, so ist auch der Verstand von christlichen Sachen ganz verdüstert gewesen.
Die andere Ursache ist, obschon jemand die Schrift gelesen hat, so ist sie doch mit Unverstand geteilt und ausgelacht worden, denn was von dem Reiche Christi allhier auf Erden geschrieben steht, ist auf den jüngsten Tag und auf das Reich der Himmel danach gezogen worden und also unachtsam in den Wind geschlagen, recht ginge uns solches nichts an. Nun, die erste Ursache hat Gott gnädig von uns genommen, derweil Er uns die Schrift in gesundem Verstand wiederum restituiert hat, dass wir die mit Fleiß untersuchen. Also berührt uns die andere Ursache auch nicht, da die Schrift offenbar bezeugt, dass sie zu Zeiten dieser Generation erfüllt werden muss, und deshalb, was vom Reiche Christi in der Schrift vermeldet steht, ist hier auf Erden zu erwarten. Dass dies wahr ist, dass die Schrift zu diesem Menschheitsgeschlecht oder Generation soll und muss beendet werden, bezeugt Christus offenbar mit diesen Worten, Mat.24.(34), danach, nachdem er von den letzten Zeiten und von seiner Zukunft gesprochen hat – die Zukunft soll sein, sein Reich einzunehmen, seine Feinde unter seine Füße zu legen und seine Freunde herrlich zu machen – spricht er unter anderem endlich also: „Fürwahr sage ich euch, es soll diese Zeit nicht vorbeigehen, bis dass diese Dinge alle geschehen sind.“ Hieraus ist klar und offenbar, dass auch Christus noch in dieser Zeit auf dieser Erde erscheinen wird, und dass er sein Reich einnehmen will und seine Feinde umbringen, wie auch die Parabel Lukas´ am 19.(11ff) klar zu verstehen gibt. Dann hiervon genug, dies wird sich in dem nachfolgenden noch klarer befinden. Wir wollen nun die Sache weiter angreifen und vom Reiche Christi schreiben.
Es ist unwidersprochen, wir denken, auch ungezweifelt bei jedermann, dass Christus ein wahrhaftiger König ist, denn wie davon alle Propheten zeugen [Jes.9.(6)], also hat auch Pilatus aus Gottes Verhängnis Christo in seiner höchsten Verachtung den königlichen Namen nicht verweigert [Lk.23.(38); 1Ti.6.(13ff)]. Ist dann nun Christus ein König, so muss er ja jemals ein Reich haben, denn anders wär´s ein eitel König, denn dass ihm von Gott, seinem Vater, ein Reich gegeben und er darüber auch zu einem König gemacht wurde, ist auch ungezweifelt. Aber der Mangel und was am nötigsten zu wissen ist besteht darin, was das Reich Christi sei, ob er allein im Himmel in herrlicher Kraft regieren oder dass er auch noch allhier auf Erden in Herrlichkeit herrschen soll? Und das nicht allein von seiner Auffahrt zum Himmel an, inwendig mittels des Geistes Macht, und das unter dem Kreuz geherrscht hat, mehr auch in voller Kraft und aller Herrlichkeit soll er über alle Menschen gewaltig und gnädig regieren, gewaltig über seine Feinde, gnädig über seine getreuen Freunde. Hierauf sagen wir, ja, Christus ist über Zion zum König eingesetzt, die Heiden und alle Enden der Erde sind ihm zum Erbe geschenkt [Lk.19.(27)]. Nun, wiewohl er solange verachtet und verworfen worden ist und es haben die Menschen nicht gewollt, dass er über sie herrsche, so wird er doch sein Reich einnehmen, seinen Feinden spotten und das Reich besitzen [Lk.18.(29ff)], dass ihm von seinem Vater geschenkt worden ist. Und davon verkünden alle Propheten, wie davon hiernach wieder verstanden werden soll.
Nun, wir wissen wohl, dass solche Verheißungen der Propheten alle geistlich insgemein genommen und ausgelacht werden, wie dann auch die Verheißungen Christi all so gedeutet werden, nämlich dass der, der einen verlässt, hundertfältig auch in diesem Leben wiederempfangen soll [Mk.10.(29ff)]. Dies ist nicht so unrecht. Denn seit Christi Tod haben die treuen Gottesdiener die Verheißungen all so empfangen, dass sie geistlich in Kraft des Glaubens mit Freuden und Trost solche Verheißungen besessen haben. Doch es mag all so nicht bleiben, vielmehr müssen die Verheißungen in ihrer herrlichen Kraft und vollkommenen Einhaltung erscheinen, wie sich dann alle Verheißungen Gottes nie verfehlt haben und auch nicht verfehlen können [Hab.2.(4)]. Es ziehen sich die Verheißungen wohl hin bis zu ihrer Zeit und werden im Glauben und Hoffen erwartet, welche dann den Gläubigen keinen geringen Trost und Freude der Verheißungen reicht, dass dann die Geistlichen die Verheißungen empfangen, die danach noch zu seiner Zeit vollkommen begriffen werden soll. All so ist es mit Adam, Abraham und im neuen Testament mit allen gewesen, die an die Zeit der vollkommenen Verheißungen nicht gereicht haben, doch das Vollkommene wird darum nicht ausbleiben. Also ist nun mit Christus von Gott, dem Vater, ein König eingesetzt und gelobt, sein Reich soll in überfließender Gerechtigkeit und Friede über die ganze Erde gestreckt und gehalten werden. Dies hat geistlich wohl angefangen, ist aber noch nicht kräftig bewiesen. Hierum sind solche Verheißungen noch vorhanden und zu erwarten. Darum wir auch täglich bitten: „Dein Reich komme, dass dein Wille werde wie im Himmel so auch auf der Erde.“ Es ist offenbar, dass der Teufel die Erde mittels der Sünde in den Menschen beherrscht hat, und ist ein Fürst der Welt [Joh.12.(31); 14.(30); 2Ko.4.(4)], besitzt auch solches Reich mit aller Ungerechtigkeit in dem gottlosen Menschen und Wesen. Denn Christus, der ein rechter Herr und König über die Erde und alles was darin ist, wird durch den Teufel und seinen Anhang aufgehalten, so dass sein Reich, welches in aller Gerechtigkeit und Friede ist, noch nicht in rechter Herrlichkeit auf Erden zutage erschienen ist. Es ist des Teufels Gewalt noch zu groß gewesen, dass von Anfang an bis hier alle haben leiden müssen, die das Reich Christi gesucht und dafür zu streiten begehrt haben. Gott Allmächtig hat solches zugelassen, die getreuen Ritter Christi damit zu erproben und dass er die Gottlosen, die lieber dem Teufel denn ihm gedient haben, rechtfertig richten möge und denselben mit solchem Maße zumisst, wie sie ausgemessen haben.
Das Reich auf Erden kommt mit Recht Christo zu, dass er billig darüber herrschen solle, dass sein Wille geschehe zu seinem und auch seines Vaters Preis, und darum sind auch die Menschen auf Erden als Diener in seinem Reiche gesetzt. Nun aber hat der Teufel den Menschen zu sich gezogen und der Mensch ist seinem rechten Herrn abgefallen, steht insgemein den Unrechten bei und dient denselben lieber als den Rechten. Ja, die Menschen wollen bloß nicht, dass der rechte König über sie herrschen möge, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit [Mat.21.(15ff); 22.(5); Lk.19.(27)]. Also hat der Teufel Christum aus seinem Reiche auf Erden ausgestoßen und ist mit Unrecht ein Fürst der Welt geworden. Hier arbeitet dann Christus gegen und fechtet mit all seinen treuen Dienern von Anfang an und auch noch, den Gewalttätigen wiederum zu verstören und sein Reich mit Herrlichkeit zu erobern. Und dies soll gewiss geschehen, dass der Herr Christus mit seinen wohlgerüsteten Dienern den Teufel und alle Ungerechtigkeit samt allen gottlosen Wesen unterdrücken und ausradieren und dann in aller Gerechtigkeit und Frieden sein Reich einnehmen und regieren soll. Dies bezeugen die Propheten alle gleich, und die Apostel haben viel von der Zeit der Erquickung gesagt, wenn des Gottlosen ein Ende werden soll und die Sanftmütigen und leidsamen Gerechten sollen die Erde in Gerechtigkeit und Frieden erobern, dass Christus allein Herr und König sei [Apg.4.(12); Jes.3.; Mat.5.]. So lange will Christus hier auf Erden herrschen, bis alle seine Feinde unter seinen Füßen liegen und seine Diener ihre Lust an ihren Feinden sehen, und danach wird er seinem Vater das Reich überantworten [1Ko.15.(24)]. Wenn nun der Gottlosen Ungerechtigkeit von der Erde hinweg getan und die liebliche Gerechtigkeit wieder eingeführt wird, dann ist der Tag der Rache, der Tag der Erquickung, einem jeden nach seinem Verdienst, erschienen, dann werden alle Verheißungen, ja alles, was alle Propheten gesprochen haben, auf das allerherrlichste vollbracht und gehalten werden, ja dass auch nicht ein Titelchen nachbleiben mag, das nicht vollkommen ausgerichtet werden sollte. Dies ist der Tag, von dem die Propheten so viel zeugen, von dem die Apostel auch schreiben und die Christen sich so fröhlich drauf vertrösten. Ja, auch noch aller Christenherzen fröhlicher Trost, dass sie durch die Verheißungen wissen, dass ihr Herr Christus noch endlich das Feld behalten und überwinden wird [Jer.2.(12); Ze.1.; 1Ti.2.; 2Ti.4.(8)].
Wir wollen wohl, dass allen gutherzigen und gläubigen Brüdern diese Sache recht bekannt wäre, so würde ihnen ungezweifelt keine Arbeit verdrießen, dem Teufel zu widerstehen und mit Christo gegen den Widerchrist zu fechten. Es ist die Schrift hiervon wohl so klar, dass niemand billig unwissend sein sollte, denn wir haben den Mangel unterbunden, der diesen Verstand aufhält. Es ist, dass der Teufel den Menschen weismacht und die Menschen lassen sich dünken, was von der Herrlichkeit des Reiches Christi, vom Tage der Erquickung, fort vom Tage der Rache geschrieben steht, dasselbe am Jüngsten Tag im Himmel oder in der Hölle ausgerichtet werde, verstehen nicht, dass solche Wunder Christus, der Herr, mit seinem Volke gegen seine Feinde allhier auf Erden vollbringen will. Mehr, solchen Wahn lasse ein jeder fahren. Wie die Schrift sagt, auf Erden muss dies vollendet werden. Der Herr, unser Gerechter, muss Gericht und Gerechtigkeit auf Erden tun, der Mund der Gottlosen muss auf Erden verstopft werden, alle Bosheit und alles, was der himmlische Vater nicht geplant hat, muss ausradiert und hinweggetan werden [Jer.23.(3-7); Ps.63(12); 107(42); 104(35); Mat.18.(13); Joh.10.(16); Hes.37.(22)]. Es muss ein Schafstall und eine Herde werden. Ein König, der über sie alle gebietet, alle Kreaturen müssen befreit werden. In summa: Gottes Volk, welches überbleibt, das unbefleckt und rein in aller Gehorsamkeit wachsen soll, muss die Erde einnehmen und Christo, dem König über die ganze Erde, zu Diensten stehen. Dies wird alles zu dieser Zeit geschehen und das auf Erden, auf der die Gerechtigkeit alsdann wohnen soll [2Pe.3.(13); Mat.24.(30); 4Esr.16]. Dass man die Schrift verstehen will, dass sie nach dem Jüngsten Tag vollbracht werden soll, ist ein Missverstand. Denn die Schrift ist den Menschen für die Zeit ihres Lebens auf Erden geschrieben, dass Christus sagt, nicht ein Titelchen soll davon nachbleiben, und Petrus [Apg.3.(21)] sagt, es solle alles, das alle Propheten gesprochen haben, in den letzten Tagen wieder aufgerichtet und restituiert werden.
Item dass die herrlichen Verheißungen der Propheten, welche auf Christum als das Haupt und auf seine heilige Gemeinde, die wahren Israeliten, gehen, noch vorhanden sind, ist leicht zu verstehen, da sie bisweilen öffentlich bekennen, dass sie nicht alleine nicht geschehen, mehr auch nicht verstanden werden sollen denn in den allerletzten Tagen. Dass man auch die Verheißungen der Propheten, die doch offenbar bekannt werden, dass sie noch nicht geschehen sind, mit geistlichen Deutungen hier- und dahin ziehen will, das will all so nicht werden, denn all so wahr wie der Gott der Propheten ist, all so wahrhaftig muss es geschehen, was sie gesprochen haben, und nicht ein Titelchen davon verändert werden. Es ist wohl wahr, im Glauben werden sie wohl geistlich verstanden und empfangen, aber endlich müssen sie in der Wahrheit und Tat vollbracht werden. Merke, was wir sagen, und bedenke mit Fleiß und lies alsdann die Propheten und die Psalmen mit Ernste, auch die Parabeln Christi, desgleichen Apocalipsim, so sollst du sehen, was noch vorhanden ist. Wer Verstand hat, der verstehe. Die Gutherzigen bitten um Verstand und sie sollen es bekommen. Wir wollten wohl gerne hiervon weiterschreiben, wie vom ganzen Lauf und Widerlauf des göttlichen Wortes, auch wie die Schrift in Dreien beendigt wird, doch wir haben die Weile nicht, denn das wollte zu lang sein. Mehr, ein jeder befleißige sich selber zu Gott, stehe fest und arbeite fleißig für das Reich Christi, das angefangen ist und zu herrlicher Vollkommenheit gebracht werden soll, so soll er Verstand erlangen.
Hiermit sei genug des Berichts, dass Christus auf Erden in seinem Volke noch über die Gottlosen und alle Ungerechtigkeit herrschen soll, die Ungerechtigkeit abzutun und die Gerechtigkeit auf Erden wohnen lassen. Nun, wir haben hierin die Schrift nicht viel herangezogen und das darum, auf dass wir erst unseren Verstand, den uns Gott gegeben hat, entdecken möchten. Denn nun wollen wir fort die Zeugnisse der Schrift bloßsetzend anweisen und einen jeden richten lassen, soweit er Gnade und Geistesverstand von Gott empfangen hat.
Ehe wir dann der Propheten Zeugnisse anweisen, wollen wir Christi, des Fürsten aller Propheten, ausgesprochene Worte vom Ende dieser Welt, in welchem Christus in seinem Reich, wie gesagt ist, herrschen wird, melden, danach auch etliche Zeugnisse der Propheten.
Christus hat gemeinhin das Geheimnis seines Reiches in Parabeln oder Gleichnissen ausgesprochen, wie von ihm geschrieben steht [Ps.78(2)]: Ich will meinen Mund in Gleichnissen öffnen. Also hat er auch diese Sache in Parabeln zu verstehen gegeben, da er nach vielen Parabeln und unter anderem also spricht [Mat.13.(41ff)]: All so soll es auch sein in der Vollbringung dieser Welt; des Menschen Sohn wird seine Boten senden und sie werden aus seinem Reiche alle Ärgernisse und alle, die da unrecht tun, sammeln und sie in einen Feuerofen werfen etc. Merket an diesen Worten wohl, aus dem Reiche Christi etc. – und es mag kein Titelchen von den Worten Christi nachbleiben, es sollen Himmel und Erde vergehen. Item desgleichen merke die anderen Parabeln auch an [Mat.21.(33-45); 25.(14-30); Luk.19.(11-27)] etc. Du magst auch wohl beherzigen und betrachten, was die Apostel von Christo gehört hatten, daraus sie sprechen [Apg.1.(6ff)]: Willst du nun das Reich Israel wieder aufrichten etc. und dass Paulus schreibt [Rö.11.(36)] das ganze Israel soll noch selig werden. Und noch [2Th.1.(10)]unter anderem: Wenn er kommen wird, verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und wunderlich in allen Gläubigen.
Noch ehe wir dann der Propheten Zeugnisse hervorbringen, wollen wir ein oder zwei Sprüche der Apostel vorhalten, die öffentlich bezeugen, wie das nach dem Abfall – alles das, was von den Propheten vorhergesagt ist – in dieser letzten Zeit aufs herrlichste noch vollbracht werden soll, und das darum, auf dass die falsche Meinung, dass die Schrift der Propheten vom Reich Christi zur Apostelzeit erfüllt sei oder nach der Auferstehung am Jüngsten Tag vollbracht werden soll, aufgelöst werde. Darum hört, was die Apostel sagen, dann sollt ihr die Propheten besser verstehen [Apg.3.(21)]: „Jesus Christus muss den Himmel einnehmen bis zur Wiederherstellung von allem, was Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von der Welt an gesprochen hat.“ Merke hier wohl, dass alles in allem, was die Propheten gesagt haben, noch erfüllt werden muss. Es hat in Christo als in dem Haupte und seinen Aposteln wohl begonnen, mehr der Körper (Licham) ist nicht gefolgt sondern zuschanden geworden und verfallen. Nun muss es in dem Körper auch noch alles vollbracht werden. Und dass die Propheten von Vergeltung der Gottlosen und Herrlichkeit des Reiches Christi über die ganze Erde sprechen, muss Wort für Wort all so ausgerichtet werden. Es will mit der träumenden Meinung nicht ausgerichtet sein, dass man die Schrift, was sie öffentlich spricht, all geistlich, figürlich, als per Synnechdochen der Grammatik verstehen will, das ist, ein Teil für das Ganze, als da steht von der ganzen Erde, dass man da einen Winkel der Erde verstehen will, da steht vom Schwert, dass man da alleine das geistige Schwert verstehen will etc.
Item Jakobus [Apg.15.(16)] spricht auch vom verfallenen Tabernakel Davids, wie er aufgerichtet werden soll. Das ist bei seiner Zeit angefangen aber nicht beendet. David wurde in dem Bild verheißen, sein Tabernakel solle ewig dauern; wie nun die Schrift, wie schon gesagt, in dreien hinausläuft, welches doch all in dieser Zeit geschehen muss. Also hier auch erstens – das Bild in Salomon ist vergangen, die Wahrheit des Tabernakels, in Christo angefangen, ist verfallen. Nun muss sie noch endlich in voller Kraft vollbracht werden, oder es wäre keine Wahrheit bei den Propheten noch bei Christo noch bei seinen Aposteln. Mehr das sei ferne. Es soll und muss nicht ein Titelchen davon vorbeigehen, und dieses Zeitalter soll nicht aufhören, es sei denn, alles ist geschehen und vollbracht. Nimm nun die Zeugnisse der Propheten wahr und was du darin erkennen kannst, das all so noch nicht vollbracht ist, halte frei dafür, es soll nicht ausbleiben.
Demnach wäre es viel zu lang, sollten wir die Texte alle hierher schreiben. Hierum wollen wir ein oder zwei Sprüche mit kurzen Worten erörtern, die anderen mit der Nummer der Kapitel anweisen. Jes.am2.(2): „Es wird auch in den letzten Tagen dazu kommen, dass der Berg des Hauses des Herrn aufgebaut, dass er der größte oder vornehmste unter den Bergen werden soll und erhöht über alle Hügel oder kleinen Berge, und alle Völker werden zu ihm eilen“ etce. und was du da mehr lesen magst, das in voller Kraft noch nicht geschehen ist. Item [Jes.4.(3ff); 33.(20); 40.(4); 49.(18ff); 51.(4ff); 52.(13ff); 54.(12ff); 61.(9); 62.(3); 65.(17); 66.(22)]etce. Item [Jer.30.(18ff)]: “Also spricht der Herr: Nehmt wahr, ich werde die Hütten Jakobs wieder aufrichten und will seine Wohnung beschirmen, die Stadt wird auf ihre alte Stätte gebaut werden und die Häuser werden recht gegründet und von ihnen Lob und Freudengeschrei ausgehen. Ich mehre ihre Zahl und sie werden nicht vermindert werden. Ich will sie groß und herrlich machen und niemand wird sie schwächen, ihre Kinder werden wie vorher und ihre Gemeinde wird vor mir beständig sein. Und alle die, die sie beleidigen, will ich heimsuchen. Es wird auch ein Hauptmann von ihr kommen und ein Fürst von ihr ausgehen, den will ich zu mir ziehen und er wird zu mir kommen, denn wer begreift sein Herz, dass er zu mir komme, spricht der Herr, und ihr werdet mein Volk sein, ich aber werde euer Gott sein. Nehmt wahr, dagegen wird der Zorn des Herrn wie ein ungestümes Wetter herausbrechen, wie ein starker Windsturm und wird sich auf den Kopf der Gottlosen niederlassen, der Grimm des Zorns des Herrn wird nicht ablassen, bis er den Anschlag seines Herzens getan und ausgerichtet hat. Am Ende der Tage werdet ihr dies verstehen“ etc. Item [Da.2.(44); 7.(26); Hos.2.(2); Joel2.(2); 4.(12ff); Am.9.(11); Mi.4.(13); Ze.3.(19); Hag.2.(20); Sach.8.(2ff); Mal4.(1ff); Ps.9.(16); 17.(13); 20(8ff); 21.(9ff); 22.(29ff); 26.(10ff); 45.(7); 46.(4)] etc. den ganzen Psalter durch und desgleichen die ganze Apocalipsis. Summa: die heilige Schrift ist voll und voll davon. All soviel sei dann nun genug von der Herrlichkeit des Reiches Christi auf Erden. Es lasse sich niemand dünken, dass es Fantasie sei, mehr bitte Gott, dass er recht verständigt und zu dem Reich bekräftigt werde. Ein jeder erwache aus dem Schlaf und sehe die Schrift mit zwei Augen an, so wird ihm ohne Zweifel das Licht der Wahrheit gänzlich erleuchten. Nun wollen wir fort von christlicher Obrigkeit und Gebrauch des Schwertes zu dem Reich Christi dienstlich verfolgen.
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Von christlicher Obrigkeit und Gebrauch des Schwertes
Dat Achteende Capittell.
Seitdem der Mensch aus dem göttlichen Gehorsam und seiner Gerechtigkeit in den Ungehorsam und Ungerechtigkeit gefallen ist, all so, dass mittels des Menschen Frevelmut alle friedlichen und rechten Ordnungen verwüstet worden sind, so dass auch der eine Mensch des anderen Blut vergossen hat, da hat der allmächtige und allerweiseste Gott, angesehen, dass sein Rufen und Strafen mittels der Stimme seines Wortes das Volk in der ersten Welt von der Bosheit nicht hat aufhalten mögen, noch weiter in der anderen Welt, das Schwert oder die auswendige Strafe am Leib eingesetzt, als mit Namen [1Mo.9.(6)]: „Welcher auf Erden Menschen Blut vergießen wird, desselben Blut soll vergossen werden.“ Etc. und so fortan. Je größer die Bosheit geworden ist, je höher ist auch das Schwert aufgerichtet. In summa, welcher Mensch Gottes Wort nicht gehorsam sein will und will weder mit Gott noch mit den Menschen Frieden halten, dazu hat Gott das Schwert gegeben und seinen Dienern befohlen, solche Menschen damit von der Erde auszuradieren. Und welche solchen Befehl Gottes auf Erden ausrichten, werden Obrigkeit genannt, wie dann aus der Schrift bekannter ist, als dass wir davon schreiben müssten.
Nun, gleich wie die Obrigkeit eine göttliche Ordnung ist, die Gott Allmächtig zu Dienste seiner und Beschirmung der Gerechtigkeit und Rache der Ungerechtigkeit eingesetzt hat, also ist nun leider schon eine lange Zeit solche Ordnung all so verkehrt gewesen, dass die Obrigkeit nicht allein ihres Amtes vergessen und missbraucht hat, mehr, sich auch gegen Gott selber und sein Wort aufgerichtet und gesetzt hat, wie das auch noch heutzutage Augenschein ist. Insonderheit spürt man dies in der Obrigkeit, die sich des christlichen Namens berühmt, denn es ist gewiss, dass die heidnische Obrigkeit zu Zeiten der Apostel nicht so unbillig, unbescheiden und mordgierig wider die Gerechtigkeit, das ist Gottes Wort, gestrebt hat. Ja, kein Nero noch Maximianus haben so tyrannisch gehandelt, wie die getan haben und noch tun, die zu der Zeit auch Christen genannt worden sind. Denn des soll sich niemand verwundern, es musste der Gräuel in der heiligen Stätte stehen, auch in diesem Stücke, und der Geist Gottes bezeugt, dass die Fürsten der Erde mit der großen babylonischen Hure gehurt haben und sind ihres Hurenweins voll geworden [Off.17.(1ff)], ja Rasende sind sie davon geworden. Der Herr wird dem dann bald ein Ende machen. Hiervon dann genug, wir wollen nun von rechter christlicher Obrigkeit schreiben, daraus man die unrechte und unchristliche wohl merken soll.
Von der rechten und christlichen Obrigkeit hat Paulus wohl so klar geschrieben [Rö.13.(1ff)], dass wir uns und jedermann sich daran haben genügen zu lassen, dann also spricht er: „Jedermann sei der Obrigkeit und Gewalt untertan, denn es ist keine Gewalt, denn von Gott. Die Gewalt aber, die allenthalben ist, ist von Gott verordnet, all so, dass, wer sich wider die Gewalt setzt, der widerstrebt Gottes Ordnung, die aber widerstreben, werden ein Urteil über sich empfangen, denn die Gewaltigen sind nicht denen, die Gutes tun, sondern den Bösen zu fürchten. Willst du aber nicht fürchten vor der Gewalt, so tue Gutes, so wirst du Lob von derselben haben, denn sie ist ein Diener Gottes dir zugute. Tust du aber Böses, so fürchte dich, denn die Gewalt trägt das Schwert nicht vergebens, denn sie ist Gottes Diener, ein Rächer zur Strafe über die, die Böses tun“ etc. Mit diesen Worten drückt Paulus klar genug aus, was eine rechte christliche Obrigkeit sei, nämlich die da eine Dienerin Gottes ist, Beschirmerin der Unschuldigen und Gerechten, Rächerin der Bösen. Welche von Gott Macht auf Erden empfangen haben und die all so gebrauchen, das sind rechte und christliche Obrigkeiten. Welche aber anders tun, den Unschuldigen und Rechtfertigen unterdrücken und den Gottlosen bei fallen, wiewohl sie die Macht von Gott empfangen haben, so sind sie mitnichten dazu von Gott verordnet sondern vom Teufel, dem sie dienen, wenn sie der Ungerechtigkeit bei fallen. Alle Macht ist von Gott, aber nicht verordnet das Schlechte zu tun, mehr das Gute. Die die Macht zum Schlechten gebrauchen, verkehren sich von Gott und dienen dem Teufel, wiewohl Gott dieselben auch zu seinem Preis erwecken und gebrauchen kann, doch soll ihnen ihre Übeltat vergolten werden, und hierum ermahnt Gott allenthalben die Obrigkeit, dass sie recht richten soll [Ps.2(10); 52(3); 82(2); Buch der Weisheit 6.(1-11); 2.Para.19.].
Wiederum, wie nun von der Obrigkeit gesagt ist, dass sie Gottes Dienerin sein soll, eine Vorstreiterin der Gerechtigkeit, dass sie dazu des Schwertes gebrauchen soll. Als dann lange Zeit dasselbe auch allhier in Missbrauch gewesen ist, so hat der allmächtige Gott auch mit dem, so sein Wort aufgegangen ist, die Obrigkeit bei uns erneuert und nach seinem Worte wieder aufgerichtet und zwar so lange ( dass wir dem allmächtigen ewigen Gott nimmermehr genug danken können ), dass er uns aus toten Knochen, mit Fleisch und Sehnen bezogen, lebendig gemacht und ein herrliches Königreich unter uns aufgerichtet hat. Nämlich, das Reich und den Stuhl Davids, in welchen durch das Schwert der Gerechtigkeit das Reich unter uns gereinigt und fortan verbreitet werden soll [Hes.37.(24); Apg.15.(16)], dass der wahrhaftige und friedensreiche Salomon danach einnehmen und besitzen soll. Wer Ohren hat zu hören, der höre, und wer Verstand zum Verstehen hat, der verstehe, denn wir wissen, dies soll eher aus der Kraft bekannt werden, denn aus den Worten geachtet.
Du gutherziger Leser, untersuch doch die Propheten als mit Namen Jer.23.(5) und 30.(3ff); Hes.34.(11); Da.2.(44) und 7.(26) etce. Demnach, alles was mutwillig unrecht bei uns ist, auch in der allergeringsten Übertretung, hat keinen Teil in dem Reich und mag bei uns nicht dauern. Das verzehrende Feuer ist angegangen, das bei uns und über der ganzen Welt alle gottlosen Wesen und alle Ungerechtigkeit verschlingen soll, und hierum „zetern die Sünder in Syon, und Angst ist auf die Heuchler gefallen, sie sprechen: Welcher von uns will bei dem verzehrenden Feuer wohnen? Wer ist unter uns, der bei der ewigen Hitze bleiben möchte? Der fromm lebt (sage ich) und recht spricht, der da verschmäht Gierigkeit, Gewalt und Unrecht zu tun, der seine Hände schützt, dass er keine Gabe empfange, die seine Ohren verstopft, dass er die Anschläge gegen die Unschuldigen nicht höre, der seine Augen zudrückt, dass er das Böse nicht sehe, der ist es, der in der Höhe wohnen wird, seine Sicherheit wird in den beständigen Felsen sein, demselben wird die rechte wahre Speise und Trank gegeben werden, seine Augen werden den König in seinem Zierrat sehen und sie sollen die weiten Erden sehen, sein Herz wird sich erfreuen an den Früchten Gottes, wo wird hier der Schriftgelehrte gelassen, wo der Rades Herr? [Jes.33.(14ff)]“ etce. Wer verstehen kann, der verstehe, wehe den Verächtern, denn der Herr, der dies alles tun will, hat es gesprochen. Die den Herrn fürchten, die bedenken, wie Gott allzeit seines herrlichen Werkes ein Vorbild macht. Bitten danach den Herrn um Verstand, so werden sie begreifen, was Gott bei uns angefangen und vorhanden habe. Wir wollen wohl, dass es in allen Gutherzigen bekannt wäre, aber es ist uns viel zu lang zu schreiben. Dies haben wir so fern von der Restitution der christlichen Lehre, Lebens und Glaubens, dem Gutherzigen zugute, aufzeichnen wollen. Nicht, dass wir von allen Stücken schreiben wollten, die wohl Schreibbedarf hätten, mehr, dass wir hiermit, als mit dem Nötigsten, die Gutherzigen zu Christum erwecken möchten und die Brüder trösten. Auch dass wir den Lästermäulern entgegnen möchten, die alle Schande von uns sagen und lügen, dessen wir uns selig kennen [Mat.5.(11)], nichtsdestominder Verärgerung der Gutherzigen befürchten, weil hieraus vernommen werden mag, dass wir die klare Wahrheit in Christo mittels eines reinen Gebrauchs oder tun der Werke suchen, folgen und handhaben.
Um noch Gottes Preis und Trost der Brüder zu mehren, wollen wir eine Schlussrede, mit was für Wundertaten der allmächtige Gott, unser Vater, durch Christum uns so ferne geholfen und die Ehre seines Namens restituiert hat, vorstellen, daraus man auch verstehen mögen soll, wie zu dieser Zeit den Christen das Schwert gegen die gottlose Obrigkeit zu gebrauchen erlaubt sei. Nicht dass wir alle Wundertaten erzählen können, mehr alleine die Hauptstücke, die seit der Taufe bei uns geschehen sind.
Nachdem das Evangelium nach buchstäblichem Verstand ein Jahr drei oder vier allhier gepredigt und angenommen war, so hat man aus Gottes Gnaden auch verstanden, dass solche Predigten auf dem Feuer unfruchtbar sein würden, es wäre denn Sache, man versammelte die Gläubigen in eine heilige Gemeinde, abgesondert von den ungläubigen Gottlosen, denn was für eine Gemeinschaft möchte die zu Hofe wissen etce. [1Ko.10.(14-22)]. Als man nun hierum, solches zu Wege zu bringen, besorgt gewesen ist und hat zu Gott gebetet, so hat man dazu kein Mittel noch jenen Eingang spüren können, denn das Christus dazu eingesetzt und die Apostel gebraucht hatten, nämlich die heilige Taufe, welche doch ein Eingang und Vereinigung der christlichen Gemeinde ist und gehalten wird [1Ko.12.(13)]
Nun, wiewohl wir wussten, dass solches ohne Gefahr nicht geschehen mochte, da der ganze Teufel mit der ganzen Welt der Taufe widerstrebt, fürchtend, dass jener doch überwältigen will. Nichtsdestominder , sobald wir Gottes Willen verstanden haben und er uns seine Boten geschickt hat, haben wir zur Stunde im Namen des Herrn die Taufe angefangen, die Gläubigen damit versammelt und Christo zu einer reinen Braut vorgebracht. Hier hat sich nun ein gruseliges Wüten erhoben. Der Teufel hat all seine Macht angewandt, sowohl mit List als auch mit Gewalt, dass er Gottes Werk gerne aufhalten und zerstören wolle. Aber Gott Allmächtig hat es nicht zugelassen, sondern uns allzeit wunderlich gerettet und getröstet, wie nun zum Teil folgt. Anfänglich ist es im 34. Jahr um den 5. Tag des Januars geschehen, da hat die Taufe begonnen. Da haben die Gottlosen weiter nach der Christen Blut getrachtet, und das mit heimlichen Anschlägen, vor denen sich die Christen nicht hüten sollten. Doch Gott hat uns allzeit ihre Anschläge wunderlich offenbar gemacht. Einmal, da sie eine Verräterei vorhanden hatten, kommt ein Junge, der getauft war, und geht über den Domhof. Da erschien und umfing den Jungen ein Feuer vom Himmel mit einem grimmigen Angesicht. Da erschrak der Junge sehr, und eine Stimme sprach zu ihm: Geh hin und sage deinen Brüdern, dass sie bitten, ich will für sie fechten. Und das ist all so geschehen, und Gott unser Herr hat ihre Anschläge entdeckt und zuschanden gemacht.
Es ist auch um dieselbe Zeit geschehen, als wir getauft waren, da haben wir all unsere Wehr und Waffen abgelegt und bereiteten uns zu einem Schlachtopfer, meinten, es würde uns nicht geziemen, den Gottlosen Widerstand zu tun, sondern das Leiden, ja den Tod mit Geduld aufzunehmen. Da waren die Gottlosen wohl gemutet, vermeinten, leicht ihren Mut an uns zu kühlen. Also hat es sich am Montag dem 9. Februar begeben, da hatten die Gottlosen einen Anschlag vorhanden, sie wollten den Markt mit bewaffneter Hand einnehmen und tun, was sie im Sinn hatten, nämlich Gottes Wort und seine Diener verstoßen und umbringen. Gott aber hat ihren Anschlag bekannt gemacht, und ehe sie dann zu Hofe kamen, hatten die Christen sich auf dem Markt eingefunden. Als die Gottlosen das vernommen hatten, haben sie sich mit Mönchen und Papen auf dem Überwasserkirchhof und den umliegenden Straßen versammelt. Und als nun die Christen auf dem Markt liegen, umzingelt von den Feinden, wussten auch keine Hilfe noch Trost, als alleine bei ihrem Herrn Christo, dem sie in der Taufe geschworen hatten, da hatten die Gottlosen noch zwei Pforten geöffnet, nämlich die Frauenpforte und die Jüdefelder Pforte, und ließen zur Hilfe die Dompapen, etliche Drosten und eine große Anzahl von Bauern, alle bewaffnet und gerüstet, zu sich herein, die armen Christen umzubringen und ihr unschuldiges Blut zu vergießen. Die Christen aber suchten Hilfe und Trost bei Gott, ihrem Hauptmann, hatten auch ihre Wehr zu Händen genommen, wie ihnen Gott durch seinen Propheten bezeugt hatte, die Gottlosen damit zu schrecken und abzuwehren. Als nun die Christen beinahe drei Tage auf dem Markt in solcher benouwinge liegen, so ist dennoch solche Freude unter ihnen gewesen, dass sie auch vor Freude gesprungen sind, auch sind da mancherlei Gesichter gesehen worden. Es wurde ein Mann mit einer goldenen Krone gesehen, der hatte ein Schwert in der rechten Hand und ein roide in der anderen. Außerdem wurde eines Mannes Bild in der Luft gesehen, das beide Hände voll Blut hatte, dass es daraus tropfte. Ebenso wurde noch ein weißes Pferd in der Luft gesehen, auf das sich zuletzt ein Reiter setzte. Als nun die Christen mit großer Freude zu Gott beteten und sangen, trachteten die Gottlosen allzeit, wie sie das arme Häuflein umbringen mochten, sie hatten etliche von den Christen gefangen. Item Gott gab seinem Diener, dem Propheten, Zeugnisse, wäre es Sache, dass die Christen den Gottlosen das Haupt böten, sollten sie die Flucht annehmen. Danach würde ein Getreuer der Christen mit Namen Bernd Knypperdôllinck, dem sie doch am meisten Feind waren, ohne Wehr zu den Gottlosen eintreten, ihnen Buße verkünden, oder Gott wolle sie strafen. So ist es geschehen, und dann haben sie auch geuencklich angehalten. Danach, als nun die Gottlosen wohl viermal so stark nach dem Fleische wie die Christen sich zu der Schlacht gerüstet hatten, haben sie aus Stroh eine Lösung gemacht, sich und ihre Häuser damit gekennzeichnet, der Meinung, was also nicht gekennzeichnet wäre, wollten sie dann umbringen und plündern. Und ist erfüllt, das Jesaja sagt: „Sie haben einen großen Brand empfangen und haben Stroh geteilt“ etce. Indem sie nun meinten ihren Willen zu vollbringen, hat ihnen Gott ihren Anschlag zerstört. Die Christen auf dem Markt haben gesehen, auch viele andere Männer und Frauen, die sich bekehrten, dass drei Sonnen zugleich schienen (Halo) und feurige Wolken erhoben sich um und über die Stadt, dass die Christen auf dem Markt gemeint hatten, die Domhäuser und die Häuser umher in der Stadt hätten gebrannt. So sind die Gottlosen erschreckt, haben einen Vertrag ersonnen, die Drosten, die Dompapen mit den Bauern packten sich aus der Stadt, die einheimischen Gottlosen stahlen sich voneinander und gingen nach Haus. Die Christen sprangen vor Freude, wie sie allzeit getan hatten, ihre Angesichter erstrahlten in Goldfarbe, auch die Steine auf dem Markt, es prophezeite alles, was da war, auch die Kinder von sieben Jahren. Wir achten, dass größere Freude auf Erden nicht geschehen sein konnte. Die Gottlosen sprechen: „Sie rasen, sie sind voll Weins“ etc. Fort den Tag und die anderen Tage danach bis zu dem anderen (2.) Freitag in der Fastenzeit haben die einheimischen Gottlosen ihr Gut gepackt und sich davongemacht, und so es ihnen binnen der Stadt misslungen war, haben sie von außen eine Fehde angefangen.
Hier möchte nun niemand in sich selber denken, angesehen, den Christen gebührt zu leiden, wie wir dann wehrende Hand gebrauchen konnten. Hierauf nehmen die Gutherzigen diesen Bericht. Es ist eine Zeit und tall des Kreuzes und der Gefängnisse Babylons gewesen, in welcher die Gottlosen die Maße zu erfüllen haben [Mat.23.(37ff)]. Es gibt auch eine Zeit der Erlösung, in welcher den Gottlosen vergolten und gleichermaßen, ja mit doppeltem Maße gemessen werden soll (Ps.126). Die Propheten und auch Christus verweisen die Juden, dass sie die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannt haben [Luk.19.(44); Mat.16.(3ff)], darum muss man scharf auf die Zeit Acht haben, dass man nicht zur Unzeit irgendetwas angreife oder zulasse. Nun hat uns Gott gelehrt, dass wir diese Zeit, beides, aus der Schrift und auch Geschichte, erkennen können, dass nun die Zeit der Restitution aller Dinge ist. Item, dass nun die Zeit der Ernte ist, dass der Herr sein Volk erlösen und in sein Reich und schûre versammeln und des gottlosen Wesens ein Ende machen will, und das mittels derselben Mittel, die die Gottlosen gegen Gott und seine Diener gebraucht haben. Und also hat uns der Herr nicht alleine durch geistliche Offenbarung zu wehrender Hand gedrungen, sondern auch durch Anweisung der schriftlichen Zeugnisse der Propheten, insbesondere der „kleinen Propheten“, die dem Volke Gottes besonders zu dieser Zeit geschenkt sind, wie Esra bezeugt (4.Esr.1). Lies die kleinen Propheten mit Fleiße, so wirst du dies verstehen, in Sonderheit Joel am 3.(1ff) Kap.
Es war (das weiß Gott) von Herzen unser upsate in der Taufe, dass wir um Christus willen leiden wollten, was man uns täte. Mehr, es hat dem Herrn anders behagt und behagt ihm auch noch, dass wir und alle rechten Christen zu dieser Zeit nicht alleine die Gewalt der Gottlosen mit dem Schwerte abwehren mögen, mehr noch will er das Schwert seinem Volke in die Hand geben, zu rächen alles, das unrecht ist und Bosheit handelt über die ganze Erde, welche er neu machen will, dass alleine die Gerechtigkeit darin wohne, das soll erfüllt werden; schenkt ihnen doppelt ein etc. [Off.18.(6)]. Die Zeit ist vorhanden, des freuen sich alle Gerechten und zetern müssen alle Gottlosen auf Erden. Ein jeder lese die Schrift und untersuche sie mit Fleiße, so wird er Gottes Willen darin wohl merken, das uns zu schreiben zu lang fallen wollte. Nun fort mehr von den Wundertaten.
Item Freitag, dem 27. Februarij, da großes Unwetter war, wie der Prophet sagt: „Ein Tag der Wolken und des Sturms“ [Joel 2.(2)], da hat Gott seinen Diener und Getreuen erweckt, auch viele Bürger, dass der ganzen Stadt zugerufen werde, mit großem Schrecken, was gottlos wäre und sich nicht bekehren wollte, das sollte sich aus der Stadt machen, oder Gott wolle sie töten. Da haben sich noch viele bekehrt, die anderen aber sind verlaufen. Und wiewohl sie uns Feinde waren und schon die Fehde gestopft hatten, wussten auch, dass sie uns da draußen mit aller Macht verfolgen helfen würden, so haben wir sie doch frei ziehen lassen, ausgesagt, dass sie nicht mehr Gut hinwegnehmen möchten.
Von dem, wie wir bekriegt und bestürmt worden sind und noch mit Blockhäusern belacht werden, ist kund und offenbar genug. Aber was Wundertaten und Trostes der Herr an uns mittlerer Zeit bewiesen hat, ist uns unmöglich, alles zu schreiben. Doch dies ist zu wissen, dass uns Gott nie hat fürchten lassen, und auch sicherlich noch getröstet sind, dass er uns gnädiglich zu seiner Zeit trösten und erretten wird. Es muss all so geschehen. Wie sollte anders das Opfer in der Wüste vollbracht werden und das Weib ihren Streit leiden und der Vorhof mit Toten erfüllt werden [Hes.9.(7); Off. 12.]. Ja, Gott muss ja das Bild seines herrlichen Werkes recht bereiten. Nun, wer verstehen kann, der verstehe, wunderlich sind Gottes Gerichte. Aus dem Norden, wo sein Name nun bekannt gewesen ist, dahin wird sein Volk hinaufsteigen, und das alles seinen Willen tut auf Erden, soll sich seines herrlichen Tages erfreuen.
Item von Offenbarungen und Prophezeiungen, die unter uns geschehen und wahrhaftig befunden sind, desgleichen Mirakel wie, dass die Teufel in der Gemeinde hinausgeworfen sind, etliche Kranke, die in den Tod krank lagen, sind zur Stunde genesen und aufgestanden, und was dergleichen Wunder mehr geschehen sind, wäre zu lang, sollten wir das alles erzählen. Wir achten, es sei auch den Gutherzigen genug, dass sie verstehen, dass Gott noch wunderlich und kräftig bei seinem Worte handelt, und nicht vonnöten ist, ein jedes Ding, wie das geschehen ist und geschieht, auf das längste zu erzählen. Dies haben wir von der Restitution der christlichen Wahrheit den Gutherzigen und Brüdern nicht vorenthalten, mehr auf das einfältigste zum Preis Gottes, auch zur Stichhaltigkeit und Förderung der Wahrheit, an den Tag geben wollen. Wir wissen wohl, wie die gottlosen Lästermäuler nicht aufhören, uns allenthalben mit fiesen Lügen zu schmähen und zu schänden. Bei diesen, fürchten wir, soll Kost und Arbeit verloren sein, denn sie werden ihrer Art nicht vergessen. Nichtsdestominder, so hoffen wir, es werden so viele Früchte hiervon kommen, dass ihre Lästerungen den Gutherzigen nicht viel schaden wird, weil sie hieraus verstehen mögen, dass wir um der Wahrheit Christi willen mit derlei Lügen gelästert werden. Denn es bekümmert uns so sehr nicht, dass wir gelästert werden, alleine sorgen wir uns um die simplen Gutherzigen, dass sie verwirrt und geärgert werden. Derhalben bitten wir diese und ermahnen sie ernstlich, dass sie fleißig aufsehen und Acht auf die Wahrheit haben und sich mit geschmückten Lügen und langweiligem Gebrauch der Bosheit nicht von der Wahrheit abwenden lassen. Was sie auch nicht begreifen können, halten dem Herrn stille und bitten um Verstand, sie werden es bekommen. Hiermit wollen wir diese Arbeit den Gutherzigen anbefohlen haben. Gott Allmächtig, der bei uns sein heiliges Reich begonnen und alle Dinge nach seinem Willen aufgerichtet hat, der will gnädiglich fortfahren und sein Reich in der Kraft verbreiten, auf dass der Mund derjenigen verstopft werde, die unrecht sprechen, und alle Zungen bekennen, dass Christus der Herr sei, ein König über alle zu der Herrlichkeit seines Vaters. Amen. Amen. Amen. Halleluja. Laus Deo.
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